Dass unser Körper von Keimen angegriffen wird, ist keine Seltenheit. In den meisten Fällen schaltet unser Immunsystem diese Erreger aus, noch bevor sie Schaden anrichten können. Gelingt dies nicht, verstärkt der Körper seine Immunantwort – unter Umständen so sehr, dass sie nicht nur den Erregern, sondern auch den eigenen Organen schadet. An einer solchen Sepsis erkranken jährlich 154.000 Menschen in Deutschland. Ein Drittel von ihnen überlebt die Folgen nicht.

Im folgenden Text erfahren Sie alles über

Doch was ist eine Sepsis eigentlich?

Sepsis leitet sich vom griechischen Wort für „Fäulnis“ ab und wird umgangssprachlich auch häufig als Blutvergiftung bezeichnet.

Wenn Krankheitserreger im Blut vorhanden sind, kommt es nicht unweigerlich zu einer Blutvergiftung. Unser Immunsystem ist dafür gewappnet, die meisten Schädlinge schnellstmöglich zu isolieren und zu zerstören, sodass eine Infektion oft völlig unbemerkt verläuft. Je nachdem, durch welchen Erreger die Infektion ausgelöst wurde und welche Keime folglich im Blut nachgewiesen werden können, spricht man zunächst von einer

  • Bakteriämie (durch Bakterien)
  • Fungämie (durch Pilze)
  • Virämie (durch Viren)
  • Parasitämie (durch Parasiten)

Der Kampf gegen diese Erreger kann krank machen, wenn das Immunsystem übermäßig stark auf sie antwortet. Eine solche Überreaktion des Immunsystems wird auch Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS) genannt und ist nichts anderes als eine Entzündung, die sich auf den gesamten Körper ausgeweitet hat. Sie kann so schwerwiegend sein, dass dabei lebenswichtige Organe geschädigt werden.

Eine SIRS kann durch eine Infektion mit den oben genannten Erregern ausgelöst werden – und nur dann spricht man von einer Sepsis – sie kann aber auch durch Verbrennungen oder Entzündungen im Körper verursacht werden.

Aus diesem Grund gibt es keinen Messwert, der einzig und allein zur Diagnose einer Sepsis führen kann. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein:

  • eine Infektion des Blutes liegt vor (mit Bakterien, Pilzen, Viren oder Parasiten)
  • der Körper reagiert darauf mit einer systemischen Entzündungsreaktion

Formen der Bltuvergiftung

In den meisten Fällen wird eine Sepsis durch einen bakteriellen Infekt ausgelöst, doch auch Pilz- und Virusinfektionen können die Ursache sein. Je nachdem, welcher Erreger daran beteiligt bzw. wo der ursprüngliche Infekt lokalisiert ist, lassen sich verschiedene Formen einer Sepsis unterscheiden:

  • Urosepsis: Sepsis, die vom Urogenitaltrakt (Niere, Harnleiter etc.) ausgeht. Sie wird meist verursacht durch Giftstoff-bildende gramnegative Stäbchenbakterien. Bei der Hälfte der Fälle handelt es sich dabei um Escherischia coli (E. coli) Bakterien. Die Sepsis wird zumeist dann ausgelöst, wenn der Urinabfluss gestört ist (z.B. durch Harnleitersteine, Harnleitertumoren), wenn Keime bei ärztlichen Eingriffen eindringen konnten, oder eine bakterielle Infektion des Nierenbeckens (Sammelstelle für Urin, bevor er zur Harnblase abfließt) vorliegt.
  • Puerperalsepsis: Puerperalfieber oder Kindbett- oder Wochenbettfieber die Rede. Wenn sich diese Infektion ausbreitet und die Erreger ins Blut gelangen, kann es zur Sepsis und zum septischen Schock kommen.
  • Neugeborenensepsis: Das Immunsystem ist bei Neugeborenen noch in der Entwicklung, weshalb eine Sepsis bei Babys im ersten Lebensmonat auftreten kann, wenn der durch Mutterkuchen (vor der Geburt) und Muttermilch (nach der Geburt) übertragene Immunschutz der Mutter nicht ausreicht. Der häufigste Erreger ist das Bakterium Streptococcus agalactiae. Je nachdem wie schnell nach der Geburt die Sepsis auftritt, unterscheidet man eine
    • Frühsepsis (early onset): Die Erreger werden dabei wahrscheinlich während der Geburt durch die Mutter übertragen. Sie tritt innerhalb der ersten 4 Tage nach der Geburt auf.
    • Spätsepsis (late onset): Die Sepsis tritt mindestens 4 Tage nach der Geburt auf.
  • Sepsis bei MRSA-Infektion: MRSA steht für das Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. Es handelt sich dabei um ein multiresistentes Bakterium, d.h. es hat gegenüber mehreren gebräuchlichen Antibiotika eine Resistenz entwickelt, was die Behandlung erschwert und das MRSA-Bakterium so gefährlich macht – weil es nicht so einfach abgetötet werden kann. Gelangen die Bakterien bei einer Infektion in die Blutbahn, können sie eine Sepsis auslösen.
  • Landouzy (Sepsis tuberculosa acutissima): Tuberkulose ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit. Die Bakterien werden dabei hauptsächlich auf dem Luftweg übertragen, weshalb in der Regel die Lunge von der Infektion betroffen ist. Die Krankheit kann auch fulminant und septisch verlaufen, was eine plötzliche, schnelle und schwerwiegende Entwicklung der Tuberkulose bedeutet. Die Sepsis, die in diesem Fall als Folge einer Tuberkulose-Erkrankung auftritt, wird dann auch als Landouzy oder Sepsis tuberculosa acutissima bezeichnet.
  • Sepsis bei Candidiasis: Unter Candidiasis versteht man eine Infektionskrankheit mit Infektion durch Pilze der Gattung Candida (meist Candida albicans). Die Pilze können die Schleimhäute der Mundhöhle, Speiseröhre oder Vagina (mukokutane Candidiasis) oder den gesamten Körper (Blut, Organsysteme) befallen (systemische Candidiasis) befallen. Eine systemische Candidiasis kann eine Sepsis auslösen.
  • Virale Sepsis: Viren sind bislang die kleinsten bekannten Krankheitserreger und eine Virusinfektion kann auch eine Sepsis auslösen. Im Vergleich zur bakteriellen Sepsis und zur Sepsis bei Pilzinfektionen ist dies jedoch sehr selten.

Stadien der Blutvergiftung

Sepsis ist eine komplexe systemische inflammatorische (d.h. entzündliche) Reaktion auf eine Infektion. Ohne Behandlung kann sich eine Sepsis kontinuierlich verschlimmern. Ihre verschiedenen Schweregrade lassen sich per Definition einteilen in:

  • Sepsis
  • Schwere Sepsis
  • Septischer Schock

Sepsis

Für die Diagnose ist es erforderlich, die Infektion nachzuweisen (durch Krankheitserreger, wie z.B. Bakterien im Blut), sowie das Auftreten eines SIRS, also eine Reaktion des Immunsystems auf durch diese Infektion verursachte Entzündung im gesamten Körper. Sie zeichnet sich durch das Auftreten von mindestens zwei der folgenden Sepsis-Symptome aus:

  • Fieber oder Unterkühlung
  • Beschleunigte Herzfrequenz
  • Beschleunigte Atmung oder Hyperventilation
  • Erhöhte oder verminderte Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozytose/Leukopenie)

Schwere Sepsis

Im Verlauf der Entzündungsreaktion des Körpers kommt es zu einem Blutdruckabfall, wodurch sich der Blutfluss verändert und das Blut leichter gerinnen kann. Kleine Verstopfungen in den Gefäßen (Thromben) sorgen dafür, dass Organe nicht mehr genügend Sauerstoff erhalten – die Organe werden dadurch in ihrer Funktion geschädigt, weil die Zellen ohne Sauerstoff nicht überleben können und absterben. Bei einer schweren Sepsis ist per Definition mindestens ein Organ in seiner Funktion eingeschränkt.

Septischer Schock

Wenn trotz Behandlung der Blutdruck zu niedrig bleibt und die Pumpkraft des Herzens nicht mehr ausreicht, um die Organe mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, kommt es zum septischen Schock. Dabei handelt es sich um ein akut lebensbedrohliches Stadium der Sepsis. Es kann zum Kreislaufversagen und Koma kommen sowie langfristig zu erheblichen Schäden an mehreren Organen (Multiorganversagen/ Multiple Organ Dysfunction Syndrome, MODS). 60 % überleben einen septischen Schock nicht.

Spätfolgen einer Blutvergiftung

Eine Sepsis kann, wenn sie früh erkannt und schnell in den Griff bekommen wird, ganz ohne Folgeschäden bleiben. Doch die Früherkennung ist zumeist schwierig und oft wird die Sepsis erst erkannt, wenn der schwere Sepsisverlauf bereits begonnen hat.

Die Durchblutungsstörungen und Blutgerinnungsprobleme die sich daraus ergeben können langfristig großen Schaden hinterlassen. Kleine Blutgerinnsel stören die Durchblutung von Organen und Gewebe. Die Zellen können auf diese Weise nicht überleben und sterben schließlich.

Betroffene leiden anschließend häufig unter chronischem Nieren- und Leberversagen, Gewichtsverlust, Nerven- und Muskelschäden und allgemeiner Leistungsverminderung sowie teilweise erheblichen Konzentrationsschwierigkeiten, wenn sogar Teile des Gehirns von der Mangeldurchblutung betroffen waren.

Wurden im Rahmen einer schweren Sepsis/ eines septischen Schocks die äußeren Gliedmaßen nicht mehr durchblutet, sodass das Gewebe abgestorben ist, kann es unter Umständen zur Amputation einzelner Finger oder Zehen kommen.

Nicht unterschätzen sollte man außerdem die psychologischen Folgen, die ein Aufenthalt auf der Intensivstation, Medikamente oder ein Koma mit sich bringen kann. Albträume, Panikattacken und Depressionen sind keine Seltenheit und werden als „posttraumatisches Belastungssyndrom“ zusammengefasst.

Risikofaktoren für eine Blutvergiftung

Grundsätzlich kann jede Infektion eine Sepsis auslösen (z.B. Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen, …). Bestimmte Faktoren wirken jedoch begünstigend. Sie alle haben gemein, dass sie das Immunsystem schwächen oder bereits ein geschwächtes Immunsystem vorliegt.

Sepsis-Risikofaktor Alter:

Neugeborene und sehr alte Menschen können aufgrund eines schwächeren Immunsystems leichter an einer Sepsis erkranken.

Sepsis-Risikofaktor Vorerkrankungen:

Bestimmte Vorerkrankungen wie HIV/Aids, Blutkrebs (Leukämie), Diabetes mellitus und Erkrankungen des Harn- oder Geschlechtstrakts schwächen das Immunsystem.

Sepsis-Risikofaktor medikamentöse Therapien

Chemotherapie bei Krebserkrankungen, Kortisontherapie bei Rheuma oder immunsupprimierte Personen, die Transplantationen erhalten haben sind anfälliger für Infektionen und dadurch anfälliger für eine Blutvergiftung.

Sepsis-Risikofaktor Wunden oder Verletzungen

Die Haut stellt die erste Barriere unseres Immunsystems dar. Ist sie durch eine Wunde durchbrochen, stellt dies einen Risikobereich für eine Infektion dar.

Sepsis-Risikofaktor Invasive Untersuchungen

Katheter in Blutgefäßen, in der Blase oder Wunddrainagen stellen genau wie Operationen einen Eingriff dar, der ebenfalls die äußerste Barriere unseres Immunsystems durchbricht. Werden dabei Krankheitserreger in den Körper gebracht, begünstigt dies eine Blutvergiftung.

Sepsis-Risikofaktor genetische Veranlagung

Erbliche Immundefekte können dazu führen, dass das Immunsystem nicht richtig oder ausreichend arbeiten kann und das Immunsystem der Betroffenen dadurch früher Probleme hat, gegen bestimmte Krankheitserreger vorzugehen. Ein Beispiel dafür ist die seltene Erbkrankheit namens Septische Granulomatose. Dabei funktionieren die sogenannten Fresszellen des Immunsystems nicht richtig – sie sind in der Regel dafür zuständig, Fremdkörper zu zerstören. Ist ihre Funktion gestört, können sich Krankheitserreger nahezu ungestört vermehren und eine Sepsis auslösen.

Sepsis-Risikofaktor Drogen- und Alkoholabhängigkeit

Eine Abhängigkeit geht oftmals mit einem geschwächten Immunsystem einher, was Infektionen begünstigt.

Sepsis-Risikofaktor Krankenhaus

Auch Krankenhausaufenthalte stellen prinzipiell ein erhöhtes Risiko dar. Nicht selten ist eine Wunde, ein chirurgischer Eingriff oder eine Krankheit, die mit einem geschwächten Immunsystem einhergeht der Grund für einen solchen Aufenthalt. Auf diese Weise bietet man den erhöhten Zahlen an Krankheitserregern, denen man dort unter Umständen ausgesetzt ist, eine besonders große Angriffsfläche und begünstigt die Entstehung einer Sepsis.  Infektionen, die man sich im Krankenhaus zuzieht, werden auch nosokomiale Infektionen (wörtlich: Krankenpflege-Infektionen) genannt.

Ursachen einer Blutvergiftung

Infektion mit Krankheitserregern

Jede Infektion, auch wenn sie anfangs lokal begrenzt ist, kann die Ursache für eine Blutvergiftung sein. Ausgelöst werden diese zumeist durch Bakterien oder Viren, aber auch Parasiten oder Pilze können eine Rolle spielen.

Lokal begrenzte Entzündungsherde umfassen unter anderem

  • Lungenentzündungen (Pneumonien)
  • Harnwegsinfektionen
  • Infektionen des Magen-Darm-Traktes
  • Hirnhautentzündungen (Meningitis)
  • Infektionen der Nieren (Nephritis)
  • Infektion von Wunden oder Abszessen in der Haut (z.B. Nagelbettentzündungen)
  • Infektion von Insektenstichen/-bissen
  • Entzündungen der Knochen
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)

Die Art der Ansteckung mit den Krankheitserregern für solche Infekte ist vielfältig. Bakterien oder Viren, die sich in den Atemwegen befinden, können beim Sprechen, Niesen oder Husten über kleine Speicheltropfen an die Luft gelangen, wo sie von anderen Menschen eingeatmet werden (Tröpfcheninfektion). Andere Keime gelangen beim Händeschütteln oder gemeinsamen Benutzen von Gegenständen wie Türgriffen von Mensch zu Mensch (Schmierinfektion).

Weitere Eintrittswege für Keime in den Körper entstehen zum Beispiel bei einem Krankenhausaufenthalt, sowie durch letztlich jede Verletzung der Haut – auch wenn sie beabsichtigt durchgeführt wird.

  • Invasive Untersuchungen,
  • Venenzugänge,
  • Blasenkatheter,
  • Beatmungsgeräte,
  • Tätowierungen,
  • die Benutzung von Tampons und
  • das Stechen von Piercings

können Eintrittswege für Keime in den Körper darstellen. Wenn diese dann lokal eine Entzündung auslösen (z.B. Wundinfektion), kann sich daraus eine Sepsis entwickeln.

(Über-)Reaktion des Immunsystems als weitere Ursache

Die Infektion ist nicht die alleinige Ursache für eine Sepsis. Vielmehr liegt sie in der Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion, die nicht auf Anhieb in den Griff bekommen werden kann und die im Kampf gegen die eingedrungenen Krankheitserreger in Kauf nimmt, dass der eigene Körper in Mitleidenschaft gezogen wird.

Symptome und Anzeichen für eine Blutvergiftung

Die Symptome, in denen sich eine Sepsis äußert, hängen davon ab, in welchem Stadium sich die Blutvergiftung befindet.

Frühsymptome einer Sepsis

Die ersten Anzeichen einer Blutvergiftung sind unspezifisch. Das bedeutet, dass sie auch auftreten können, wenn überhaupt keine Gefahr einer Sepsis besteht. Vorsicht ist jedoch trotzdem geboten, vor allem, wenn mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig auftreten:

  • Fieber (Hyperthermie) (> 38°C) oder Unterkühlung (Hypothermie) (< 36°C)
  • Beschleunigte Herzfrequenz (Tachykardie) mit mind. 90 Schlägen pro Minuten
  • Beschleunigte Atmung (Tachypnoe) mit mind. 20 Atemzügen pro Minute oder Hyperventilation (messbar durch den CO2-Gehalt im Blut)
  • Erhitzte Haut, evtl. mit Hautausschlag
  • Übelkeit
  • Starke Schmerzen, v.a. in der Region des Entzündungsherdes, wenn dieser bekannt ist
  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Blasse oder graue Hautfarbe
  • Und, auch wenn sie i.d.R. erst im Rahmen einer Blutuntersuchung festgestellt werden: erhöhte oder verminderte Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozytose/Leukopenie)

Symptome einer schweren Sepsis

Bleibt eine Sepsis anfänglich unbehandelt, kommt es alsbald zu Funktionsausfällen der Organe. Zu den bisher aufgelisteten Symptomen kommen entsprechende Anzeichen hinzu, die darauf hindeuten können, dass Organfunktionen beeinträchtigt sind.

  • Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht/Ikterus) bei Leberversagen
  • Verminderter Harndrang bei Nierenversagen
  • Anzeichen für Durchblutungsstörungen (Schlaganfall und Herzinfarkt)

Symptome eines septischen Schocks

Wenn eine Blutvergiftung bis zu einem septischen Schock und dem damit verbundenen Multiorganversagen fortschreiten kann, sind die Symptome nicht mehr zu übersehen. Aufgrund des hohen Blutdruckabfalls kommt es zu

  • Kreislaufzusammenbrüchen,
  • Bewusstlosigkeit,
  • Koma.

Der rote Strich- ein Mythos zur Blutvergiftung

Ein weitverbreiteter Irrglaube besteht darin, dass ein roter Strich, der sich z.B. nach einer Verletzung an der Hand einen Weg am Arm entlang bis zum Herzen hin bahnt, ein Zeichen für eine Blutvergiftung ist.

Dieser Strich kann auftreten – allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Sepsis, sondern um eine Entzündung des Lymphgefäßes (Lymphangitis). Das Lymphsystem des menschlichen Körpers ist dafür zuständig, die Flüssigkeit im Gewebe zurück in den Blutkreislauf zu befördern. Unbehandelt kann solch eine Entzündung zwar eine Sepsis auslösen, muss sie aber nicht.

Wie können Sie einer Blutvergiftung vorbeugen?

Die einfachste Form der Prävention einer Sepsis besteht darin, sich vor Infektionen zu schützen.

  • Empfohlene Impfungen gegen Infektionskrankheiten aktuell halten (auch Erwachsene!)
    • Ab 60 Jahren wird eine Impfung gegen Pneumokokken empfohlen.
  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen
  • Infektionsherde meiden: Kontakt zu kranken Menschen vermeiden
  • Persönliche Gegenstände nicht teilen (Getränke, Besteck, Telefone etc.)
  • Verhindern von Krankenhausinfektionen durch entsprechende Hygienemaßnahmen (Desinfektionsspender nutzen!)
  • Gute Wundpflege
  • Konsequenter Schutz immungeschwächter Personen

Wenn eine Infektion bereits stattgefunden hat, und mehrere der oben genannten Symptome einer Sepsis gleichzeitig auftreten, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Je früher eine Blutvergiftung erkannt und behandelt werden kann, umso glimpflicher verläuft die Genesung.

Therapie der Sepsis

Bei jeder Blutvergiftung muss zunächst die Quelle der Infektion ausfindig gemacht werden (der ursprüngliche Infektionsherd). Diese kann eine Lungenentzündung sein, ein entzündeter Venenzugang oder Blasenkatheter, oder im Körper liegende Fremdkörper wie Tampons oder eine Verhütungsspirale.

Im Rahmen einer Blutuntersuchung wird versucht herauszufinden, um welche Art von Krankheitserreger es sich handelt. Mit dieser Information kann man die Therapie gezielt auf diesen Erreger ausrichten, denn im nächsten Schritt soll die Infektion möglichst beseitigt werden (Sanierung). In 30 % der Fälle kann ein spezifischer Erreger nicht ausfindig gemacht werden, weshalb eine Therapie mit Medikamenten in diesem Fall großflächiger angesetzt werden muss, damit mehr der möglichen Keime abgedeckt werden können.

Schließlich wird je nach Schweregrad und Stadium der Sepsis eine entsprechende Therapie durchgeführt.

Behandlung einer Sepsis

Bei einer einfachen Sepsis ist ein Krankenhausaufenthalt in der Regel nicht notwendig. Je nach Erreger wird eine medikamentöse Therapie durchgeführt. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Antibiotika (bei bakteriellen Infekten), oder auch um Antimykotika bzw. Virostatika (bei Pilzen bzw. Viren).

Behandlung einer schweren Sepsis

Aufgrund der ersten Organausfälle, die im Rahmen einer schweren Sepsis auftreten können, ist ein Aufenthalt im Krankenhaus, meistens sogar auf der Intensivstation, unabdingbar. Neben der Verabreichung von intravenösen Antibiotika (oder entsprechenden anderen Mitteln zur Bekämpfung der Infektion) müssen Maßnahmen durchgeführt werden, um Organfunktionen zu ersetzen, wenn diese ausgefallen sind, und um den Kreislauf zu stabilisieren.

  • Dialyse bei Nierenversagen
  • Beatmungsgerät bei Lungenausfall
  • Intravenöse Flüssigkeitszufuhr um den Blutdruck zu erhöhen
  • Gefäßverengende Medikamente, um den Blutdruck zu erhöhen
  • Schmerz- und Beruhigungsmittel
  • Nährlösungen per Infusion oder Sonde, wenn Patient nicht mehr essen kann
  • Gerinnungshemmende Medikamente, um Verstopfungen in den Blutgefäßen vorzubeugen

Die Beseitigung steht, neben der Stabilisierung des Kreislaufs, immer noch an höchster Stelle, weshalb gegebenenfalls operative Eingriffe vorgenommen werden müssen, um den Entzündungsherd zu beseitigen (z.B. ein entzündeter Blinddarm). Sollten bereits Gewebeabschnitte in Extremitäten wie Zehen oder Fingern abgestorben sein, ist unter Umständen die Amputation der Gliedmaßen vonnöten, um das Überleben des Patienten zu sichern.

Behandlung eines septischen Schocks

Die Behandlung eines septischen Schocks unterscheidet sich nicht nennenswert von der einer schweren Sepsis, mit dem Unterschied, dass Betroffene oftmals an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden müssen, damit der Kreislauf aufrechterhalten werden kann.

Nachsorge bei Blutvergiftungen

Eine einfache Sepsis bedarf oftmals keiner nennenswerten Nachsorge, weil dabei selten Folgebeschwerden entstehen. Dagegen benötigen Menschen, die eine schwere Sepsis oder gar einen septischen Schock überleben, umso mehr ärztliche Betreuung nach ihrer Genesung.

Unter Umständen haben sie mit einem Mal und für den Rest ihres Lebens mit regelmäßigen Dialysen bei chronischem Nierenversagen zu kämpfen. Auch können nach einer schweren Sepsis Muskelschwächen auftreten, wodurch Bewegungsabläufe neu erlernt und trainiert werden müssen.

Ein Nachsorgeprogramm, das auf Sepsis-Patienten zugeschnitten ist, ist derzeit noch in Entwicklung. Es umfasst eine spezielle Schulung der Hausärzte und Patienten zur Sepsis-Nachsorge und hofft auf eine verbesserte Zusammenarbeit von Hausärzten und Kliniken. So soll in Zukunft die allgemeine Lebensqualität von Sepsis-Betroffenen gesteigert und eine bessere Alltagskompetenz (z.B. beim Treppensteigen, Ankleiden) ermöglicht werden.

Lebenserwartung bei Blutvergiftungen

Die Fakten:

  • 154.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einer Sepsis – 56.000 von ihnen überleben die Folgen der Erkrankung nicht, das sind 154 Menschen pro Tag.
  • Jede Stunde, die eine Sepsis unbehandelt bleibt, erhöht sich das Sterberisiko um 1 % pro Stunde. Das sind 24% nach einem Tag. Bei einer schweren Sepsis erhöht sich diese Zunahme auf 7 % pro Stunde.
  • Kommt es im „worst case scenario“ nach einem septischen Schock zum Multiorganversagen, so überleben weniger als die Hälfte aller Betroffenen.
  • Sepsis ist damit die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste, wenn man Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausschließt.

Bild: https://www.roche.de/diagnostics/krankheiten-erkennen/infektiologie-virologie/sepsis/infektion-sepsis.html

Prominente die an einer Blutvergiftung erkrankten

Lily-Rose Depp

Im Februar 2007 erkrankte die damals 7-jährige Tochter Johnny Depps an einer Blutvergiftung, nachdem sie in einen rostigen Nagel getreten war und sich die Wunde mit E. coli-Bakterien entzündet hatte. Die Sepsis löste bei ihr akutes Nierenversagen aus – doch glücklicherweise schlug nach einigen Anläufen die Behandlung mit Antibiotika schließlich an und das Mädchen erholte sich vollständig von der Sepsis.

Papst Johannes Paul II

Papst Johannes Paul II zog sich im Jahr 2005 eine Harnwegsentzündung zu, auf die eine schwere Blutvergiftung mit septischem Schock und ein Herz-Kreislauf-Kollaps folgte. Am 2. April 2005 verfiel er ins Koma und starb schließlich an den akuten Folgen der Sepsis.

Fürst Rainier III. von Monaco

Fürst Rainier von Monaco starb im April 2005 an den Folgen einer Lungenentzündung, die eine Sepsis bei ihm auslösten.

Lily Allen

Die Sängerin verlor 2010 ihr Baby im sechsten Schwangerschaftsmonat, und musste kurz darauf wieder in einer Klinik behandelt werden – diesmal wegen einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung – die sie überlebte. Die Krankheit könnte möglicherweise Folge der Fehlgeburt gewesen sein.

George Michael

Eine Lungenentzündung löste 2012 einen septischen Schock bei dem Popsänger aus – doch dank moderner Intensivmedizin überlebte er.

Selbsttest: Habe ich das Risiko, an einer Sepsis zu erkranken?

  • Sind Ihre Impfungen auf aktuellem Stand?
  • Waschen Sie sich regelmäßig am Tag die Hände?
  • Haben Sie Kontakt zu kranken Menschen?
  • Haben Sie ein geschwächtes Immunsystem durch erbliche Vorbelastung?
  • Sind sie bereits über 60?
  • Leiden Sie an einer Erkrankung wie Aids, Blutkrebs oder Diabetes mellitus?
  • Leiden Sie häufig an Infektionen der Harnwege (Blasenentzündungen?)
  • Führen Sie aktuell eine Chemotherapie durch?
  • Führen Sie aktuell eine Kortisontherapie durch?
  • Nehmen Sie Immunsuppressiva, z.B. weil sie eine Transplantation erhalten haben?
  • Haben Sie offene Wunden?
  • Liegt bei Ihnen ein Blasenkatheter?
  • Haben Sie Fremdkörper im Körper wie Schrauben oder Platten nach Knochenoperationen?
  • Haben Sie einen Stent oder Bypass aufgrund voriger Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
  • Sind Sie Drogen- oder Alkoholabhängig?

Baudouin, Simon V., ed. Sepsis. Springer Science & Business Media, 2009.

Brunkhorst FM: Stellungnahme zur Leitlinie „Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis“. Deutsche Sepsis-Gesellschaft, November 2011

Konrad Schmidt et al.: Effect of a Primary Care Management Intervention on Mental Health–Related Quality of Life Among Survivors of Sepsis. The Journal of the American Medical Association, doi: 10.1001/jama.2016.7207; 2016

Langfassung der Leitlinie “Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge” Stand: 01.02.2010 (in Überarbeitung) Registernummer 079 – 001 Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Deutsche Sepsis-Gesellschaft e.V. Zugriff am 16.01.2017

Langfassung der Leitlinie “Sepsis bei Kindern jenseits der Neonatalperiode” Stand: 31.12.2015 Registernummer 024 – 025 Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e.V. (GNPI) Zugriff am 16.01.2017

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