Der im Volksmund als Zuckerkrankheit bekannte Diabetes mellitus umfasst eine ganze Gruppe von Krankheiten. Deren gemeinsames Merkmal ist der chronisch erhöhte Blutzucker – fachlich als Hyperglykämie bezeichnet.

Diabetes hat eine hohe gesellschaftliche Bedeutung, weil die Zahl der Erkrankungen im Verlauf der letzten Jahrzehnte stetig zugenommen hat – und mit ihr auch die Zahl der Todesfälle durch die mit Diabetes verbundenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Im folgenden Text erfahren Sie alles über

Blutzucker: Wie kommt die Glukose ins Blut?

Zum besseren Verständnis des Krankheitsverlaufes ist es wichtig zu verstehen, wie es zu einer chronischen Erhöhung des Blutzuckers kommen kann: Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, wird im Körper zwecks Energiegewinnung in Glukose umgewandelt. Im Zuge des Verdauungsprozesses gelangt die Glukose über die Darmschleimhaut in das Blut.

In der Bauchspeicheldrüse, einem Organ in der Nähe des Magens, wird in den sogenannten Beta-Zellen (auch Inselzellen genannt) Insulin produziert. Insulin ist ein Hormon und dafür zuständig, dass Glukose unsere Körperzellen erreicht, um sie mit Energie zu versorgen.

Im Falle von Diabetes produziert der Körper entweder nicht genug Insulin, oder er kann sein eigenes Insulin nicht so gut verwerten, wie er sollte. Infolgedessen wird der Zucker nicht aus dem Blut an die verschiedenen Körperzellen weitergereicht. Stattdessen sammelt er sich im Blut an – dies äußert sich in erhöhten Blutzuckerwerten.

Diabetes-Typen

Gemäß den Praxisleitlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft 2009 und einem Bericht der WHO-Kommission von 1999 ist Diabetes offiziell in nachfolgende Typen eingeteilt:

Typ-1-Diabetes

Hierbei handelt es sich um eine immunvermittelte Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Das bedeutet, dass das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Zellen bildet. Diese werden normalerweise gegen Krankheitserreger eingesetzt – hier aber sind sie quasi „fehlgesteuert“ und führen zur Zerstörung dieser Zellen. Die Insulinproduktion wird dadurch eingeschränkt oder fällt ganz aus – die Folge ist ein chronisch erhöhter Blutzuckerwert. Nur etwa 5 % aller Diabeteskranken leiden an Typ-1-Diabetes.

Typ-1-Diabetes kann in jedem Lebensalter auftreten. Vorwiegend wird diese Form der Krankheit jedoch bei Kindern und Jugendlichen oder jungen Erwachsenen diagnostiziert. Deshalb wurde sie früher auch als juvenile Diabetes bezeichnet. Wenn Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen auftritt, spricht man deshalb zur besseren Unterscheidung auch von LADA („Latent Autoimmune Diabetes of Adulthood“).

Typ-2-Diabetes

Die Mehrheit aller Diabeteskranken (80-90 %) leidet an Typ-2-Diabetes. Hierbei verringert sich die Bildung und Wirkung von Insulin durch ein Zusammenspiel aus genetischen Faktoren und erworbenen Faktoren wie Übergewicht. Man spricht auch von einer zunehmenden Insulinresistenz (das produzierte Insulin zeigt immer weniger Wirkung) und einem Insulinsekretionsdefekt (zudem wird auch immer weniger Insulin produziert). Typ-2-Diabetes wird häufig auch mit anderen Problemen des metabolischen Syndroms assoziiert (s.u.).

Andere spezifische Diabetestypen

Von Typ-1- und Typ-2-Diabetes zu unterscheiden ist eine dritte Gruppe von Diabetesformen. Diese entstehen aufgrund genetischer Defekte oder anderer Erkrankungen, als Nebenwirkung von Medikamenten, nach Infektionen, aufgrund immunologischer Prozesse oder im Rahmen verschiedener Syndrome.

Erkrankungen und genetische Defekte der Bauchspeicheldrüse

Eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse oder auch ein genetische Defekte der Bauchspeicheldrüse können dazu führen, dass ein Großteil der Inselzellen ausfällt und kein Insulin mehr produziert. Dabei treten jedoch keine der typischerweise mit Diabetes assoziierten Antikörper auf (z.B. Antikörper gegen Insulin oder solche, die für die Zerstörung der Inselzellen verantwortlich sind). Zu nennen sind dabei:

  • MODY-Typ-Diabetes: Hierbei handelt es sich um einen genetischen Defekt der Beta-Zellfunktion. MODY ist die Abkürzung für „Maturity-Onset Diabetes of the Young“, was für Jugenddiabetes beim Erwachsenen steht.
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Bauchspeicheldrüsen-Trauma, also eine Verletzung des Gewebes der Bauchspeicheldrüse durch z.B. einen Unfall oder eine Pankreatektomie, d.h. die operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse)

Hormonelle Störungen

Der Zuckerstoffwechsel wird auch von zahlreichen Hormonen beeinflusst. Krankheiten, die zu Störung der Hormonproduktion (Endokrinopathie) führen, können somit diabetische Stoffwechsellagen auslösen. Dazu gehören:

  • Cushing-Syndrom mit einer Überproduktion von Glukokortikoiden, einer Art von Hormonen, die eine insulinhemmende Wirkung haben
  • Akromegalie (Vergrößerung von Extremitäten und anderen vorspringenden Körperteilen, also Hände, Füße, Kinn, Nase, Ohren) mit einer Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin, was zu einer Glukoseintoleranz führen kann

Medikamentös induzierter Diabetes

Medikamente können zu einer Glukosetoleranzstörung und einer diabetischen Stoffwechsellage führen. Genannt seien hier Thiaziddiuretika, welche die Insulinsekretion hemmen können.

Infektionen und genetische Syndrome, die mit Diabetes assoziiert sein können

Diabetes kann auch durch verschiedene Viruserkrankungen wie Röteln- und Zytomegalie-Virusinfektionen ausgelöst werden.

Auch seltene genetische Syndrome, wie zum Beispiel das Down-Syndrom (Trisomie 21) können zu Diabetes führen.

Schwangerschaftsdiabetes

Tritt eine Blutzuckererhöhung erstmalig während einer Schwangerschaft auf, spricht man von einem Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes. Bei ungefähr der Hälfte der betroffenen Frauen entwickelt sich dieser zu einem bleibenden Diabetes mellitus vom Typ 2.

Die Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes schwankt international recht stark: Die Werte liegen dabei, je nach Land, zwischen weniger als 1 % und 20 % der Schwangerschaften.

Stadien von Diabetes mellitus

Prädiabetes

Prädiabetiker sind Personen, deren Blutzuckerspiegel (noch) nicht diabetisch ist, aber bereits zu hoch, um als normal eingestuft zu werden. Dazu zählen:

  • Menschen mit gestörter Nüchternglukose (Nüchternblutzucker): Um diese Form des Prädiabetes festzustellen, findet die Blutentnahme morgens vor der ersten Nahrungsaufnahme (= auf nüchternen Magen) statt.
  • Menschen mit gestörter Glukosetoleranz (2-h-Glukose oder postprandialer Blutzucker): Um diese Form des Prädiabetes zu diagnostizieren, wird die Blutentnahme 2 Stunden nach einer Mahlzeit durchgeführt. Untersucht wird hierbei, wie gut der Körper auf die Aufnahme von Glukose reagieren kann – d.h. ob er schnell eine angemessene Menge an Insulin ausschüttet.
  • Menschen mit erhöhten HbA1c-Konzentrationen: Der HbA1c-Wert zeigt den Ärzten, wie sich die Blutzuckerwerte im Verlauf der vergangenen Wochen bis Monate entwickelt haben. Gemessen wird dabei die Menge des so genannten glykierten Hämoglobins. Hämoglobin ist ein Protein in unseren roten Blutzellen, welches Sauerstoff bindet und transportiert. Wenn es sich mit Glukose verbindet, sagt man fachsprachlich, dass es glykiert (=verzuckert) wird. Dies geschieht vor allem dann, wenn der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum erhöht ist. Ein hoher HbA1c-Wert signalisiert also über einen längeren Zeitraum erhöhte Blutzuckerwerte und damit ein erhöhtes Diabetesrisiko.

Alle drei Indikatoren – Nüchternglukose, 2-h-Glukose und HbA1c-Konzentration – geben Aufschluss über die Menge der im Blut befindlichen Zuckermengen. Die ermittelten Werte werden verwendet, um Rückschlüsse auf das Stadium der Diabetes-(Vor-)Erkrankung zu ziehen. Festgelegte Grenzwerte geben an, ob die Konzentration von Glukose bzw. HbA1c im Normalbereich, im prädiabetischem oder im diabetischem Bereich liegt.

Begleit- und Folgeerkrankungen von Diabetes sowie Spätschäden

Diabetes mellitus stellt eine extreme Belastung für den Körper dar. Diese beruht zum einen auf dem langfristig erhöhten Blutzucker selbst. Zum anderen ist aber auch der langfristig erhöhte Insulinspiegel im Rahmen der Diabetes-Behandlung sehr belastend, denn er führt zu starken Unterzuckerungen (Hypoglykämien).

Diese heftige und lang andauernde Auf-und-Ab im Stoffwechsel erhöht das Risiko für die Entstehung weiterer Erkrankungen. Dazu gehören insbesondere:

KomplikationRisikoerhöhung (RR)95% Konfidenzintervall
HerzinfarktMänner: 3,7
Frauen: 5,9
3,5-3,9
5,5-6,4
Tod durch Herz-Kreislauf-KrankheitDiagnose vor dem 30. Lebensjahr: 9,1
Diagnose nach dem 30. Lebensjahr: 2,3
6,6-12,2
2,1-2,5
Schlaganfall2 bis 4k.A.
Erblindung5,23,8-7,1
Nierenversagen bei Männern12,710,5-15,4
Amputation unterer Extremitäten 22,213,6-36,2
Tabelle: Relatives Risiko (RR, Risikoerhöhung) für ausgewählte Spätschäden und Begleiterkrankungen bei Diabetesbetroffenen im Vergleich zu Nicht-Diabetesbetroffenen bzw. zur Bevölkerung. Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 24.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diabetes mellitus schädigt langfristig die Blutgefäße und kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel fördert die Verkalkung der Blutgefäße vor allem im Bereich von Herz, Gehirn und Beinen (s.u.). Auf diese Weise steigt das Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Netzhauterkrankung (Retinopathie) und Erblindung

Von den Schäden an den Blutgefäßen sind auch die kleinen Blutgefäße in der Netzhaut betroffen. Wird diese über einen längeren Zeitraum mit einer unzureichenden Menge an Sauerstoff versorgt, kann das zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen bis hin zur Erblindung führen. Studien zufolge leiden rund 15 % der Diabeteskranken an einer Retinopathie, wobei Typ-1-Diabeteskranke mit rund 50 % hiervon am stärksten betroffen und sogar 5 % bereits erblindet sind.

Nervenschäden

Diabetes mellitus verursacht in vielen Fällen auch Schäden an den Nerven (Neuropathien). Zum einem beschädigt ein zu hoher Blutzuckerspiegel die Blutgefäße, die zu den Nerven führen, wodurch diese nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden. Zum anderen kann der Blutzuckerüberschuss komplizierte Stoffwechselprozesse auslösen, welche die Nerven direkt schädigen. Die Folgen hiervon sind Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle.

Fußkomplikationen und Amputationen

An den Füßen von Diabetikern entstehen häufig Komplikationen, die auch als „Diabetisches Fußsyndrom“ (DFS) bezeichnet werden.

Durch die diabetische Nervenschädigung kann es in den äußeren Extremitäten zu einer Unterversorgung durch die Nerven kommen. Das heißt, das Gefühl in den Füßen ist eingeschränkt: Verletzungen werden aufgrund von Taubheitsgefühl und vermindertem Schmerzempfinden nicht immer sofort bemerkt.

Hinzu kommt, dass die Heilung durch die geschädigten Nerven verlangsamt und das Infektionsrisiko stark erhöht wird. Oft entstehen so offene Wunden, die wochen- und sogar monatelang nicht heilen können. Diese werden als diabetische Fußulzera bezeichnet. Im Falle einer vollkommenen Schmerzunempfindlichkeit können sogar Knochen unbemerkt brechen (Charcot-Fuß). Verzögerte oder ineffiziente Behandlung kann die Amputation der gesamten Extremität zur Folge haben.

Nierenschäden

Schäden an der Niere gehören zu den wichtigsten bzw. gefährlichsten Spätkomplikationen des Diabetes mellitus. Die Niere hat eine wichtige Filterfunktion für den menschlichen Körper: Sie säubert das Blut und leidet die herausgefilterten Schadstoffe über den Urin aus dem Körper hinaus.

Bei etwa 40 % der Patienten von Typ 1 und 2 kommt es aufgrund des chronisch erhöhten Blutzuckerspiegels zu einer Schädigung der kleinsten Funktionseinheit der Niere – den Glomeruli. Ähnlich wie bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschrieben, entstehen auch hier Verkalkungen in den kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren. Die Folge ist eine Störung der Nierenfunktion (Nephropathie) bis hin zur chronischen Niereninsuffizienz.

Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung von Diabetes

Ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und bisher nicht eindeutig identifizierten Umweltfaktoren begünstigt die Entwicklung eines Diabetes. Doch die genauen Ursachen und Entstehungsmechanismen sind bis heute nicht endgültig geklärt.

Grundsätzlich besteht ein erhöhtes Risiko zu erkranken, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Nicht-Erfüllen dieser Voraussetzungen vollständig vor Diabetes schützt.

Einige dieser Risikofaktoren sind unbeeinflussbar. Dazu zählen:

  • Familiengeschichte: wenn Eltern und/oder Geschwister bereits an Diabetes erkrankt sind.
  • Genetische Faktoren: das Vorhandensein von bestimmten Genen, die Diabetes oder eine diabetische Stoffwechsellage begünstigen. Diese fallen vor allem für Typ-1-Diabetes schwerer ins Gewicht als für Typ-2-Diabetes.
  • Alter: Diabetes kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Typ-1-Diabetes wird oft schon im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert. Das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken, steigt mit dem Älterwerden, insbesondere ab dem 45. Lebensjahr, weil die Menschen altersbedingt weniger Sport betreiben, Muskeln verlieren und Gewicht zunehmen.
  • Geschlecht: für Männer und Frauen ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken, in etwa gleich hoch. Für Frauen besteht lediglich während und nach Schwangerschaften ein erhöhtes Risiko, diabetische Stoffwechsellagen zu entwickeln.
  • Herkunft: Typ-1-Diabetes tritt häufiger auf, je weiter man sich vom Äquator entfernt. In Finnland oder Sardinien kommt Typ-1-Diabetes zwei- bis dreimal so häufig vor, wie in den Vereinigten Staaten, und etwa 400-mal so häufig wie in Venezuela. Menschen asiatischer, afrikanischer oder lateinamerikanischer Herkunft haben dagegen ein erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als weiße Menschen.

Eine Vielzahl an Faktoren, die weitestgehend vom Lebensstil und der Umwelt beeinflusst werden, tragen außerdem zum erhöhten Diabetesrisiko bei:

  • Gewicht: Übergewicht ist ein primärer Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. Je mehr Fettgewebe im Körper, insbesondere der Bauchregion, vorhanden ist, desto resistenter können die Zellen gegenüber Insulin werden.
  • Inaktivität: körperliche Aktivität hilft dabei, das eigene Körpergewicht unter Kontrolle zu halten, verbraucht Zucker im Blut als Energie und macht die Zellen sensibel für Insulin.
  • Ernährung: eine dauerhaft unausgewogene, kohlenhydratreiche Ernährung führt zu höheren Blutzuckerwerten als eine ballaststoffreiche, gesunde Ernährung.
  • Alkohol und Nikotin: hoher Alkohol- sowie Nikotinkonsum kann Insulinresistenz in den Körperzellen fördern, hemmt den Glukoseabbau in der Leber und damit den Fettabbau und trägt dazu bei, übergewichtig zu werden.
  • Begünstigende Vorerkrankungen
    • Prädiabetes: unbehandelte Stadien von Prädiabetes entwickeln sich häufig zu einem manifesten Typ-2-Diabetes.
    • Schwangerschaftsdiabetes: traten diabetische Stoffwechsellagen während einer Schwangerschaft auf, erhöht sich anschließend das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
    • Metabolisches Syndrom: auch bekannt als Syndrom X. Typische Kombination aus Übergewicht, hohem Blutdruck, Fettstoffwechselstörung und Störungen des Glukosestoffwechsels.
  • Virenkontakt: Kontakte mit dem Eppstein-Barr-Virus, Coxsackie-Viren, Mumps oder dem Cytomegalovirus können die autoimmune Zerstörung von Inselzellen auslösen und damit das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen.
  • Vitamin D-Mangel: eine ausreichende Vitamin D-Versorgung kann Studien zufolge vor Typ-1-Diabetes schützen.
  • Andere ernährungsbedingte Faktoren: nitrathaltiges Trinkwasser, eine zu frühe Versorgung mit Kuhmilch und der Zeitpunkt, an dem getreidehaltige Nahrung in die kindliche Ernährung eingeführt wird, erhöhen möglicherweise das Risiko für Typ-1-Diabetes.

Diabetes-Symptome: Woran erkennen Sie Diabetes?

Um Diabetes frühzeitig behandeln zu können und Begleiterkrankungen und Spätschäden zu verhindern, ist die rechtzeitige Erkennung der Symptome entscheidend.

Drei Leitsymptome sind für alle Formen von Diabetes typisch:

  • Erhöhter Harndrang (Polyuria)
  • Erhöhter Durst (Polydipsia)
  • Erhöhter Appetit (Polyphagia)

Im Falle von Typ-1-Diabetes können diese Symptome innerhalb sehr kurzer Zeit auftreten. Typ-2-Diabetes stellt sich oft schleichend ein und die Symptome entwickeln sich langsam über einen längeren Zeitraum. Diese Anzeichen kommen häufig gleichzeitig oder in Kombination mit den folgen Hinweisen auf eine Diabeteserkrankung vor:

  • Verschwommenes Sehen aufgrund des Austrocknens der Augen
  • Juckreiz und Hautirritationen
  • Plötzlicher Gewichtsverlust
  • Verlangsamte Wundheilung

Diabetes-Vorsorge: Wie können Sie sich vor Diabetes schützen?

Prävention von Typ-1-Diabetes

Dem Stand der Forschung nach ist für keinen Umweltfaktor vollständig gesichert, dass er die Entwicklung von Typ-1-Diabetes auslöst. Eine klare Empfehlung zum Lebensstil mit der Garantie auf Schutz kann deshalb nicht ausgegeben werden.

Vorbeugende Maßnahmen beschränken sich also derzeit auf diejenigen Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Anlagen zu den Risikopersonen für Diabetes zählen. Im Rahmen einer möglichen Primärprävention wird versucht, die Entwicklung von den Antikörpern, die gegen die körpereigenen Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet werden (sogenannte Autoantikörper) zu verhindern.

Sind die Autoantikörper bereits nachweisbar, wird es deutlich schwieriger. Aktuell wird an der Möglichkeit geforscht, den fortschreitenden Zellverlust in der Bauchspeicheldrüse aufzuhalten und damit das Einstellen der Hyperglykämie hinauszuzögern, was bisher jedoch nicht gelang.

Prävention von Typ-2-Diabetes

Größere Erfolge lassen sich in der Prävention von Typ-2-Diabetes verzeichnen. Risikofaktoren wie Übergewicht, mangelnde Bewegung und Fehlernährung spielen eine bedeutende Rolle und lassen sich leichter beeinflussen. Durch ein rechtzeitiges Eingreifen und konsequente Änderungen im Lebensstil, kann bei drei von vier Menschen mit Diabetes im Frühstadium ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert bzw. hinausgezögert werden.

Was genau bedeutet es jedoch, seinen Lebensstil hierfür effektiv zu ändern?

Studien zufolge kann Diabetes zu 100 % verhindert werden, wenn die folgenden 5 Zielwerte kontinuierlich umgesetzt werden:

  • Gewichtsreduktion um 5-7 %
  • 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche
  • 15 Gramm faserhaltige Ballaststoffe pro 1000 kcal Nahrungsaufnahme
  • Maximal 30 % Fettanteil in der täglichen Nahrung
  • Maximal 10 % gesättigter Fettsäureanteil in der täglichen Nahrung

Je weniger der Zielwerte umgesetzt werden, desto mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Stoffwechsellage wieder normalisiert. Das Umsetzen von nur einem der 5 Punkte hat fast keinen vorbeugenden Effekt auf die Gesundheit. Selbstverständlich ist diese Form der Prävention am erfolgreichsten, wenn sie so früh wie möglich angewendet wird.

Ein EU-Projekt mit dem Namen IMAGE wurde speziell zur Prävention von Typ-2-Diabetes im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projekts entstand ein Toolkit mit Informationen für ein effektives Lebensstilinterventionsprogramm, um das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise zu schärfen und Menschen bei den nötigen Verhaltensänderungen zu unterstützen.

Gentests sind die Ausnahme

In der Regel wird bei einem Verdacht auf Diabetes kein Gentest durchgeführt. Nur in sehr seltenen Fällen, nämlich wenn ein Verdacht auf eine der selteneren erblichen Diabetesformen (wie z.B. MODY) vorliegt, sollte ein genetisches Screening erfolgen, damit die Therapie entsprechend angepasst werden kann.

Behandlung von Diabetes

Die Ziele einer erfolgreichen Diabetestherapie sind sowohl vom Diabetestyp als auch vom Alter der erkrankten Personen abhängig. Im Optimalfall wird ein normalisierter Stoffwechselzustand erreicht, wodurch Folgeerkrankungen verhindert werden können. Je nach Lebensumstand ist dies jedoch nicht immer realisierbar – und im Hinblick auf das oftmals fortgeschrittene Alter der Menschen, bei denen Diabetes diagnostiziert wird, auch nicht immer notwendig.

Ernährung und Lebensstil bei Diabetes

Wird ein Mensch mit Typ-2-Diabetes diagnostiziert, lautet die erste Maßnahme in den meisten Fällen Reduktion von Übergewicht. Mit Hilfe von Ernährungsschulungen und einer Änderung des Lebensstils kann sich die Stoffwechsellage schon deutlich verbessern. Oftmals genügt bereits der Verlust weniger Kilogramm Körpergewicht, um eine Insulinresistenz zu mindern. Stellt sich nach einem Zeitraum von etwa 3-6 Monaten trotzdem keine Besserung ein, benötigt der Körper fremde Hilfe, um seinen Zuckerhaushalt zu regulieren.

Insulintherapie bei Diabetes

Bei einem vollständigen Funktionsverlust der Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse (aufgrund Typ-1-Diabetes oder anderer seltener Formen), oder wenn ein Typ-2-Diabetiker mit einer Verbesserung seines Lebensstils keinen gesunden Stoffwechselzustand erreicht, musst dem Körper unbedingt von außen Insulin zugeführt werden.

Eine Insulintherapie setzt voraus, dass der Diabetiker seinen Stoffwechsel in Form von Blutzuckermessungen selbstständig kontrolliert und sich je nach Bedarf mittels Injektion Insulin zuführt. Anstelle einer strengen Diabetesdiät, wie sie früher häufig verordnet wurde, soll der Kohlenhydratgehalt einzelner Speisen richtig abgeschätzt werden, und die Menge des gespritzten Insulins individuell an die Mahlzeit und den körperlichen Bedarf angepasst werden. Dafür werden sogar gesonderte Schulungen durchgeführt, um Diabetikern die Anwendung einer korrekten Insulintherapie zu erleichtern.

Diabetiker und Kuchen: der heutigen Therapie mit einer individuellen Insulindosisverabreichung steht die konventionelle Methode einer äußerst strengen Diät in Verbindung mit festgesetzten Mengen an Insulin gegenüber. Solange Diabetiker einer großen Menge Kohlenhydraten, wie sie in einem Stück Kuchen enthalten sind, mit genügend Insulin entgegenwirken, spricht heutzutage nichts gegen den Verzehr dieser Lebensmittel.

Insulinpumpentherapie

Wenn eine sorgfältig durchgeführte Insulintherapie keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt, besteht die Möglichkeit zur Insulinpumpentherapie. Eine Insulinpumpe ist ein medizinisches Gerät, das ständig am Körper getragen werden kann und Insulin über einen Katheter unter die Haut pumpen kann. Sie simuliert eine optimierte Grundversorgung des Körpers mit Insulin. Dadurch kann der Insulinbedarf noch besser gedeckt werden, was bei unregelmäßigen Tagesabläufen für Flexibilität sorgen kann und somit die Lebensqualität verbessert.

Insulinanaloga

Immer interessanter wird neben einer Therapie mit dem physiologischen Humaninsulin der Einsatz von Insulinalternativen, die optimiert und synthetisch werden können. Insulin Glargin ist ein Beispiel für ein solches Designer-Insulinanalogon. Insulin Glargin unterscheidet sich geringfügig vom menschlichen Insulin, wodurch seine Halbwertszeit verlängert ist. Das bedeutet, dass das Hormon länger durch unsere Blutbahn strömen kann, bevor es auf natürliche Weise im Körper abgebaut ist. Durch seine längere Wirksamkeit muss es nur noch einmal am Tag (anstelle von 3-4 bei Humaninsulin) injiziert werden, was gefährliche Unterzuckerungen durch Überdosierungen von herkömmlichem Insulin oder Antidiabetika verhindern kann.

Medikamentöse Behandlung mit Antidiabetika

Eine Reihe von Medikamenten, den sogenannten Antidiabetika, steht zur Auswahl, um im Falle einer Insulinresistenz oder eines Insulinsekretionsdefekts der Überzuckerung entgegenzuwirken:

  • Metformin: hemmt Glukoseproduktion in der Leber, verzögert Glukoseaufnahme über den Darm und verbessert den Glukosetransport zwischen den Zellen und dem umliegenden Gewebe
  • Sulfonylharnstoffe (SH): erhöhen die Menge an Insulin, die von den Inselzellen gebildet
  • α-Glukosidasehemmer: „falsche Zucker“, die im Darm nicht resorbiert werden können und so die Glukoseaufnahme verringern
  • Glitazone: sogenannte „Insulin-Sensitizer“ steigern die Wirkung von vorhandenem Insulin und wirken einer Insulinresistenz entgegen

Diese oralen Antidiabetika können begrenzt miteinander kombiniert gegeben werden, und bei Bedarf mit einer Insulintherapie ergänzt werden.

Weitere Methoden

Grundsätzlich besteht auch je nach Diagnose die Möglichkeit zu einer Ersatztherapie durch eine künstliche Bauchspeicheldrüse oder eine Transplantation von Inselzellen oder einer gesamten Bauchspeicheldrüse. Ein Bespiel für eine künstliche Bauchspeicheldrüse ist eine sensorgestützte Insulinpumpe. Sensoren messen dabei regelmäßig den Blutzucker unter der Haut und wandeln die Information in ein Signal zur Insulinabgabe in der Pumpe um.

Transplantationen werden aufgrund des damit verbundenen hohen Aufwandes nur sehr selten durchgeführt.

Ist Diabetes heilbar?

Ja! Solange es sich nicht um eine insulin-abhängigen Diabeteserkrankung handelt, sondern lediglich eine Insulinresistenz (Typ-2) vorliegt, kann diese bei gegebener Änderung des Lebensstils nachweislich wieder zurückgehen.

Aber:

Ein Zellverlust oder Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüsenzellen (Typ-1-Diabetes und weitere seltene Formen) bedeutet eine lebenslange Therapie mit Insulin (oder Alternativen), um den Zuckerhaushalt zu regulieren. Eine Heilung mit Aussicht auf einen vollständigen Wegfall jeglicher Therapie ist heute nicht möglich.

Nachsorge bei Diabetes

Schafft man es, sich mit Hilfe einer Änderung seines Lebensstils, Gewichtsverlust und gesunder Ernährung von einer Typ-2-Diabeteserkrankung zu erholen, muss natürlich dafür gesorgt werden, dass dieser Zustand erhalten bleibt. Nur eine dauerhafte und konsequente Einhaltung und Verminderung der beinflussbaren Risikofaktoren kann dabei helfen, die normalisierte Stoffwechsellage zu erhalten. Denn mit vorhergehenden Diabeteserkrankungen oder Vorstadien steigt das Risiko, erneut in die hyperglykämische Stoffwechsellage zurück zu verfallen.

Lebenserwartung mit Diabetes

Je nachdem, wie alt man ist, wenn man die Diagnose Diabetes bekommt, kann sich die Lebenserwartung um 5-19 Jahre verkürzen. Basierend auf einer Studie, die in den USA über einen Zeitraum von 16 Jahren durchgeführt wurde, wird für ein Kind, das mit 10 Jahren mit Diabetes diagnostiziert wird, ein um 19 Jahre verkürztes Leben vorausgesagt. Mit steigendem Diagnosealter vermindert sich zwar der Verlust an Lebensjahren, beträgt aber für einen 70-Jährigen noch immer 5 Jahre.

Grund dafür ist die Dauer der Belastung, die der Körper durch einen diabetischen Stoffwechselzustand erfährt. Zusammenfassend kann man sagen, dass mit steigender Belastungsdauer die Lebenserwartung sinkt.

Prominente mit Diabetes

Halle Berry

Mit 23 Jahren verlor sie während den Dreharbeiten für eine Fernsehserie das Bewusstsein – dabei wurde bei ihr Typ-1-Diabetes diagnostiziert, weshalb sie sich seitdem Insulin spritzen muss. Seitdem engagiert sie sich in der „Juvenile Diabetes Association“.

Tom Hanks

Der Schauspieler und Oscar-Preisträger wusste schon viele Jahre um seinen erhöhten Blutzuckerspiegel und unternahm nach eigener Aussage nichts, um etwas an seinem Übergewicht und typischen „Western Lifestyle“ zu ändern. Das Ergebnis: Typ-2-Diabetes.

Matthias Steiner

Der ehemalige deutsche Gewichtheber wurde an seinem 18. Geburtstag mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert und spritzt sich seitdem Insulin.

Nicole Johnson

Nachdem im Alter von 19 Jahren bei ihr Typ-1-Diabetes festgestellt wurde, trug sie während des Wettkampfes zur Miss America 1999 unter anderem ihre Insulinpumpe zur Schau – und gewann. In ihrem Buch „Living with diabetes“ erzählt sie, wie sie lernte sich mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen und engagierte sich außerdem als Botschafterin für die Amerikanische Diabetes-Gesellschaft.

Selbsttest zum Diabetes-Risiko

  • Gibt es in Ihrer Familie Diabetiker?
  • Leiden Sie an Übergewicht?
  • Liegt Ihr Taillenumfang über 80 cm (Frauen) bzw. 94 cm (Männer)?
  • Treiben Sie regelmäßig Sport oder sind anderweitig aktiv (mindestens 2 Stunden pro Woche)?
  • Essen Sie regelmäßig ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken oder Vollkornprodukte?
  • Essen Sie häufig fettreiche Nahrung, Weißbrot oder Süßes?
  • Verspüren Sie vermehrten Durst oder Harndrang?
  • Leiden Sie an Bluthochdruck?
  • Rauchen Sie regelmäßig?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol?

Aguiree, Florencia, et al. “IDF diabetes atlas.” (2013).

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Häring, Hans-Ulrich, et al., eds. Diabetologie in Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag, 2011.

Hürter, Peter, et al. Kompendium pädiatrische Diabetologie. Springer-Verlag, 2006.

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Schatz, Helmut, ed. Diabetologie kompakt: Grundlagen und Praxis. Georg Thieme Verlag, 2014.