Das Herz ist der zentrale Antrieb unseres Blutkreislaufes. Ohne Unterbrechung pumpt es Tag und Nacht das Blut durch unseren Körper – 5 Liter pro Minute, 300 Liter in der Stunde. Das ist ein halber Tanklastzug am Tag. Unter Belastung kann sich diese Leistung verfünffachen. Die Herzkranzgefäße (Koronararterien), die sich kranzförmig um das Herz legen, liefern ihm dafür den nötigen Sauerstoff.

Bei einem Herzinfarkt ist die Sauerstoffversorgung in den Herzkranzgefäßen unterbrochen – ein medizinischer Notfall, durch den europaweit jedes Jahr 1,9 Millionen Menschen sterben.

Im folgenden Text erfahren Sie alles über

Was ist ein Herzinfarkt?

Unter einem Herzinfarkt (akuter Myokardinfarkt) versteht man den Verschluss eines der Herzkranzgefäße.

Der Abschnitt des Herzens, der nicht mehr mit Blut versorgt wird, stellt zunächst seine Tätigkeit ein – man spricht von einem sogenannten Herzschock. Wenn ein Herzinfarkt nicht schnell genug behandelt wird, stirbt der betroffene Herzmuskelabschnitt ab, denn ohne Sauerstoff können die Herzmuskelzellen nicht lange überleben.

Ein Herzinfarkt ist deshalb besonders gefährlich, weil ohne den funktionierenden Herzschlag auch der übrige Körper – insbesondere das Gehirn – keinen Sauerstoff mehr erhält, und das können die Gehirnzellen nur etwa vier Minuten überleben.

Bild: dunkle Region wird nicht mehr durchblutet, Zellen sterben ab (aus Mathes: Ratgeber Herzinfarkt, 2012)

Nach einem Herzinfarkt werden die abgestorbenen Herzmuskelzellen ganz allmählich im Laufe von Tagen und Wochen durch Narbengewebe (Bindegewebe) ersetzt. Diese stellen ein festes Widerlager dar, sodass das Herz seine Funktionsfähigkeit weitgehend zurückerlangen kann. Durch die erhöhte Festigkeit des Gewebes verliert das Herz jedoch an Flexibilität und kann sich anschließend nicht mehr so gut an Belastung anpassen wie zuvor.

Wie kommt es zu so einem Verschluss der Herzkranzgefäße?

Blutgefäße sind normalerweise innen glatt, damit das Blut beim Hindurchfließen keinen Widerstand findet. Sind die Gefäße jedoch zum Beispiel durch die Gefäßkrankheit Arteriosklerose belastet, lagern sich Fettsubstanzen (Cholesterin) in der innersten, glatten Zellschicht ab und macht sie uneben. An diesen Unebenheiten können nun Blutplättchen (Thrombozyten) hängen bleiben und sogenannte Plaques bilden, die das Gefäß allmählich immer enger werden lassen.

Die Plaquebildung führt zu einer Veränderung der Struktur der innersten Zellschicht der Blutgefäße – sie wird instabiler und kann sporadisch einreißen. Wenn das passiert, spricht man auch von einer Ablösung der Plaques. Dadurch entsteht an der Gefäßwand eine Wunde und es kommt es zur Blutgerinnung – das Gefäß verschließt sich. Die Folge ist ein Infarkt.

Gibt es verschiedene Arten von Herzinfarkten?

Je nachdem, wo welches Herzkranzgefäß verschlossen ist, ist entweder die vordere oder hintere Wand des Herzens betroffen. Folglich spricht man von einem Vorder– bzw. Hinterwandinfarkt.

Manchmal löst sich der Verschluss von allein wieder. Das betroffene Gebiet ist dann noch ein wenig restdurchblutet und man spricht von einem Schichtinfarkt, bei dem nur ein Teil des gefährdeten Abschnitts abgestorben ist.

Es kann auch vorkommen, dass ein Herzinfarkt vollkommen ohne Beschwerden auftritt. Betroffene spüren dabei weder die typischen Schmerzen im Brustbereich, noch weisen irgendwelche anderen Symptome auf einen Infarkt hin.

In rund 20 % der Fälle handelt es sich um solch einen stummen Infarkt.

Stadien eines Herzinfarkts

Vorstufe zum Herzinfarkt

Vorboten eines Infarktes entstehen, wenn das Blutgefäß nur unvollständig verschlossen und noch ein wenig durchgängig ist. Die Beschwerden sind dabei ähnlich denen eines Infarkts, aber weniger intensiv und von kürzerer Dauer. Oft treten sie im unter Belastung auf und lassen nach, sobald die Belastung vorüber ist.

Es handelt sich um Warnzeichen für einen drohenden Infarkt.

  • Treten diese erstmalig auf, ist von einem akuten Koronarsyndrom die Rede.
  • Kommen die Symptome häufiger und regelmäßig vor, wird dieser Zustand als instabile Angina pectoris beschrieben.

Solche Warnzeichen müssen immer untersucht und behandelt werden! Möglicherweise kann ein ernsthafter Herzinfarkt dadurch verhindert werden.

Durch einen Herzinfarkt entstehen mehrere besonders große Gefährdungen:

  • Herzrhythmusstörungen: In den Stunden nach dem Herzinfarkt ist das Herz besonders anfällig für Störungen der Herzschlagfolge. Ein Beispiel ist das Kammerflimmern, bei dem das Herz 300-mal pro Minute schlägt. Die Herzkammern können sich dabei nicht mehr richtig mit Blut füllen, und der Kreislauf bricht zusammen, wenn die Rhythmusstörung nicht sofort behoben wird (z.B. mit einem Defibrillator).
  • Kreislaufzusammenbruch: Bricht der Kreislauf zusammen, wird es zeitlich eng. Vier Minuten können die Zellen in unserem Gehirn ohne Sauerstoff überleben, bevor sie beginnen zu sterben. Koma und Behinderungen können die Folge sein.
  • Pumpversagen des Herzens: Je länger der Herzinfarkt andauert, desto mehr Herzmuskelgewebe geht unwiederbringlich verloren, denn nach dem Infarkt wird es lediglich mit Narbengewebe (Bindegewebe) ersetzt. Das führt zu entsprechenden Leistungsbeeinträchtigungen, weil das Herz Flexibilität und Anpassungsfähigkeit für belastende Situationen verliert.

Kommt es nach einem Infarkt auch nach Rehabilitationsmaßnahmen zu bleibenden Beeinträchtigungen, kann das Versorgungsamt auf Antrag einen Grad der Behinderung (GdB) bzw. einen Grad der Schädigungsfolgen (GdS) feststellen.

Risikofaktoren für einen Herzinfarkt

Die Mehrheit der Herzinfarkte wird auf bestehende Risikofaktoren zurückgeführt. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden:

Cholesterin als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz und wichtiger Körperbaustein für die Immunabwehr sowie ein Bestandteil der Zellmembranen.

Cholesterin kann vom Körper selbst produziert oder über die Nahrung zugeführt werden. In diesem Fall wird die Eigenproduktion entsprechend gesenkt, um den Cholesterinspiegel in gewissen Grenzen zu halten. Ist die Zufuhr über die Nahrung jedoch dauerhaft zu hoch, führt das zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels im Blut und zu einer Veränderung der Zusammensetzung von Cholesterinvarianten von geringer bzw. hoher Dichte.

Diese Veränderungen steigern die Gefahr eines Herzinfarktes, weil durch den hohen Fettgehalt des Blutes Ablagerungen an den Gefäßwänden häufiger werden.

Bild: Beziehung zwischen der Höhe des Cholesterinspiegels und der Anzahl tödlicher Herzinfarkte aus einer Studie von über 350 000 Männern aus dem MRFIT-Programm (aus Mathes: Ratgeber Herzinfarkt, 2012)

Rauchen als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Die Folgen einer Zigarette kennt jeder: das Herz schlägt rascher und stärker, der Blutdruck steigt.

Sie lieben Zigaretten? Ihr Herz nicht!

Diese Folgen hat eine Zigarette auf Ihr Herz:

  • Der Herzmuskel braucht durch den Anstieg der Herzfrequenz mehr Sauerstoff,
  • das inhalierte Kohlenmonoxid raubt 10-15 % aller roten Blutkörperchen den Sauerstoff.
  • Schon nach dem Genuss einer einzigen Zigarette kann man unter dem Mikroskop sehen, wie sich Blutplättchen in der normalen Gefäßwand anlagern.

Raucher haben deshalb eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden wie Nichtraucher. Besonders gefährlich ist für Frauen laut Studien eine Kombination aus der Antibabypille und dem Rauchen, was das Herzinfarktrisiko um ein Zehnfaches erhöht, wenn die Betroffenen mindestens 30 Jahre alt sind.

Bluthochdruck (Hypertonie) als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Ein chronischer Bluthochdruck schädigt der Gefäßwand durch höhere Turbulenzen im Blutstrom, was Ablagerungen begünstigt. Ein durchschnittlicher Blutdruck von 140/90 sollte deshalb unabhängig vom Alter nicht überschritten werden.

Zuckerkrankheit als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Der Diabetes mellitus ist charakterisiert durch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte, welche die Gefäßwänden schädigen können, wenn sie unbehandelt bleiben.

Übergewicht als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Wer an Übergewicht leidet, vor allem wenn sich die Pfunde im Bauchbereich ansiedeln, leidet auch mit höherer Wahrscheinlichkeit an Fettstoffwechselstörungen und erhöhten Blutdruck. Bereits eine Gewichtsreduktion von 5-10 % senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Geschlecht als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Östrogene haben eine schützende Funktion: sie können den Ablagerungen in den Gefäßwänden entgegenwirken. Frauen sind deshalb durch ihre Hormone bis zu den Wechseljahren vor einem Infarkt geschützt – wodurch sich für Männer ein erhöhtes Risiko ergibt.

Wenn eine genetische Veranlagung vorhanden ist, die z.B. für

  • für Fettstoffwechselstörungen
  •  zu hohen Blutdruck
  • Blutgerinnungsstörungen (Neigung zu Thrombosebildung)
  • Diabetes mellitus oder
  • Adipositas

sorgen kann, ist das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht.

Stress als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol werden bei Belastung ausgeschüttet. Sie versetzen den Körper in eine Art Alarmbereitschaft und lösen Kettenreaktionen aus, die Auslöser eines Herzinfarktes sein können. Hat der Körper in Entspannungs- und Ruhephasen die Möglichkeit, seine Reserven wieder aufzufüllen, schadet der Stress dem Körper nicht.

Chronischer Stress erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit eines Infarktes. Dazu zählen unter anderem auch Faktoren wie

  • ein niedriger sozioökonomischer Status
  • soziale Isolation
  • berufliche und familiäre Belastung
  • Depressivität oder
  • die Neigung zu Ärger.

Ursachen für einen Herzinfarkt

Die Lebensweise eines jeden Menschen ist heutzutage eine wesentliche Ursache für die Entstehung der Gefäßkrankheit Arteriosklerose – und damit für das Entstehen von Herzinfarkten. Zwar ist Arteriosklerose Teil eines normalen Alterungsprozesses, aber sie wird durch unseren Lebensstil beeinflusst.

Je mehr Risikofaktoren dieser Lebensstil einschließt, umso größer ist deshalb die Gefahr eines Herzinfarktes (z.B. Rauchen, fettreiches Essen).

Für die meisten Menschen bedeutet das eine große Kontrolle über ihr eigenes Risiko, zu erkranken. Lediglich denjenigen, die aufgrund von erblichen Veranlagungen dazu neigen, leicht Thrombosen oder Arteriosklerose zu entwickeln, wird ein wenig dieser Kontrolle genommen.

Symptome und Anzeichen für einen Herzinfarkt

Alarmzeichen für einen akuten Herzinfarkt sind:

  • Schwere, länger als 5 Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer, Oberbauch ausstrahlen können
  • Starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb, Angst
  • Zusätzlich: Luftnot, Übelkeit, Erbrechen, Schwächeanfall (auch ohne Schmerz), evtl. Bewusstlosigkeit
  • Blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß
  • Nächtliches Erwachen mit Schmerzen im Brustkorb
  • Achtung bei Frauen: hier sind Luftnot, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen nicht selten alleinige Alarmzeichen

(aus Mathes: Ratgeber Herzinfarkt, 2012)

Warnzeichen für ein akutes Koronarsyndrom oder eine Angina pectoris, also Vorstadien eines Herzinfarktes, können den obigen Symptomen entsprechen, auch in abgeschwächter Form. Sie sollten deshalb immer untersucht und behandelt werden, auch wenn sie sofort wieder verschwinden.

Ein Arzt kann unter anderem den sogenannten CRP-Wert im Blut messen. Das ist die Konzentration des C-reaktiven Proteins, einem Eiweiß, dessen Spiegel tausendfach erhöht ist, wenn eine akute Entzündung im Körper vorliegt – oder wenn man an Arteriosklerose leidet und damit Risikopatient für einen Herzinfarkt ist.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Wenn Sie die obigen Alarmzeichen bei sich selbst oder jemandem in ihrem Umfeld feststellen, darf keine Minute verloren gehen!

  • Verständigen Sie umgehend den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112!
  • Beruhigung: Halten Sie Aufregung vom Betroffenen fern und beruhigen Sie ihn.
  • Positionierung: Der Oberkörper kann leicht erhöht gelagert werden.
  • Eine leichte Decke hilft dabei, dass sich die Kreislaufreaktion nicht durch Kälte verstärkt.
  • Sind Nitropräparate (Kapseln oder Spray) in der Nähe, können 1-2 Kapseln/Sprühstöße verabreicht werden (nicht mehr!) Nitropräparate sind Medikamente, die zur Behandlung von Angina pectoris verabreicht werden. Sie können die Gefäße erweitern und die Durchblutung verbessern, wodurch das Herz unmittelbar entlastet wird.

Herzinfarkt vorbeugen

Studien haben ergeben, dass eine vollständige Ausschaltung der Risikofaktoren die Infarkt-Wahrscheinlichkeit auf ein Zehntel reduzieren kann. Ändern Sie deshalb, wenn nötig, Ihren Lebensstil so, dass möglichst viele Risikofaktoren von vornherein ausgeschlossen werden – das ist bis heute nachweislich der beste Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Rauchverzicht als Vorbeugungsmaßnahme gegen Herzinfarkte

Hören Sie mit dem Rauchen auf. Nach der letzten Zigarette kann es- abhängig von der Zeitspanne, die Sie als Raucher verbracht haben- 2-5 Jahre dauern, bis das Herzinfarkt-Risiko wieder genauso hoch ist wie das eines Nichtrauchers.

Blutdruck kontrollieren zur Vorbeugung eines Herzinfarktes

Kontrollieren Sie regelmäßig ihren Blutdruck und lassen Sie sich im Falle eines chronisch erhöhten Blutdrucks von Ihrem Arzt beraten. Bei Bedarf muss dieser mittels Medikamenten gesenkt werden (z.B. Aspirin).

Positiv auf einen erhöhten Blutdruck wirken sich außerdem

  • körperliche Aktivität wie Ausdauertraining
  • ein reduzierter Salzverbrauch und
  • eine Eingrenzung des Alkoholkonsums

aus.

Ernährung als Vorsorge gegen Herzinfarkte

Stellen Sie ihre Ernährung um und versuchen Sie, sich gesund, ausgewogen und fettarm zu ernähren. Die folgenden Lebensmittel wirken sich positiv auf den Körper aus:

  • Flavonoide: sind enthalten in
    • schwarzem Tee
    • Gemüse
    • Obst und
    • Rotwein

und schützen nachweislich vor Arteriosklerose, indem sie (ähnlich wie Aspirin) dabei helfen, dass sich Blutplättchen nicht verklumpen.

  • Einfach ungesättigte Fettsäuren: regelmäßiger Genuss von
    • Olivenöl,
    • bestimmten Rapsölen, oder
    • Omega-3-Fettsäuren in Fischöl
  • hat positive Effekte auf das Herzinfarktrisiko (auch Eskimoprinzip genannt)
  • Alkohol: gemäßigter Genuss von Alkohol, wie das gelegentliche Glas Rotwein am Abend, wirkt sich positiv auf den Fettstoffwechsel aus. Vorsicht jedoch bei Übergewicht – es regt auch den Appetit an! Vorsicht auch bei vorhandenem Bluthochdruck – Alkoholgenuss lässt diesen weiter steigen, was bei Menschen mit chronisch erhöhtem Blutdruck problematisch werden kann. Das Maß ist deshalb entscheidend.

Bewegung zur Vorbeugung eines Herzinfarktes

Ein körperliches Ausgleichstraining führt zur Entlastung des Herzens. Dadurch erhält das Herz eine bessere Leistungsfähigkeit, ohne mehr arbeiten zu müssen. Erwachsene sollten 30 Minuten Ausdauersport täglich betreiben.

„Der Vogel fliegt, der Fisch schwimmt, und der Mensch läuft – warum läuft er eigentlich nicht?“ (Emil Zatopek, tschechischer Olympiasieger im Langstreckenlauf)

Gewichtsreduktion zur Vorbeugungung eines Herzinfarktes

Da Übergewicht einen wesentlichen Risikofaktoren für Infarkte darstellt, sollte man sicherstellen, dass das eigene Gewicht einem Normwert entspricht. Ob das eigene Körpergewicht im Normbereich liegt, kann man mit einer einfachen Rechnung überprüfen.

Der Body Mass Index (BMI) berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat (kg/m²). Wenn Ihr BMI höher als 25-30 ist, sollten Sie versuchen, Ihr Gewicht zu reduzieren.

BMI- ein sinnvoller Wert?

Apropos BMI: Weil dabei der Bauchumfang nicht berücksichtigt wird, wird derzeit nach einer neuen Größe gesucht, die den BMI künftig ersetzen und für genauere Berechnungen genutzt werden kann. Bislang weisen jedoch auch die vorhandenen Alternativen Schwächen auf (WHtR – Waist to Height Ratio, ABSI – A Body Shape Index).

Stress vermeiden zur Herzinfarkt-Vorsorge

Freude an der Bewegung, an gesundem Essen und am Leben kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Sorgen Sie für gezielte Entspannungsstunden an anstrengenden Tagen und geben Sie ihrem Körper die Chance, Energiereserven wieder aufzufüllen.

Herzinfarkt-Symptome ernst nehmen

Nehmen Sie die Vorboten eines Infarkts ernst und lassen Sie sie behandeln, um einen Herzinfarkt zu vermeiden.

Therapie und Untersuchung eines Herzinfarkts

Wenn Sie einen Herzinfarkt erleiden, ist der erste Schritt, Sie so schnell wie möglich in das nächste Krankenhaus zu bringen. Im besten Fall ist dieses mit einer Chest Pain Unit (CPU, engl. für Brustschmerzeinheit) ausgestattet. Das ist eine Notfallambulanz, die allen Patienten mit akuten Herz-Kreislauf-Beschwerden offensteht. Eine CPU hat 24 Stunden am Tag geöffnet und ist mit allen modernen Geräten ausgerüstet, die zur sofortigen Versorgung von Herznotfalloperationen notwendig sind.

Herzinfarkt-Untersuchung

Mittels moderner Untersuchungsmethoden ist es heute möglich, ganz genau darstellen, wo und in welchem Herzkranzgefäß der Verschluss oder eine Verengung vorliegt. Das ist wichtig, damit entschieden werden kann, auf welche Weise der Verschluss beseitigt wird.

  • Elektrokardiogramm (EKG): zeichnet die elektrischen Ströme auf, die während eines Herzschlags entstehen und zeigt an, ob ein Infarkt abgelaufen ist oder gerade abläuft
  • Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie): stellt die Herzkranzgefäße mittels Kontrastmittel und Röntgenstrahlung genau dar. Dabei werden Verengungen und Verschlüsse aufgedeckt.

Sofortige Wiederöffnung eines Herzkranzgefäßes

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Durchblutung im Herzen wiederherzustellen:

  • Dilatation: das verstopfte Gefäß wird mit einem Ballonkatheter wieder geöffnet und auf gedehnt.
  • Thrombolyse: Medikamente lösen das Blutgerinnsel auf

Ein Ballonkatheter ist ein dünner Schlauch, der ins Herz eingeführt wird und an der Verschlussstelle aufgepumpt wird, wodurch die Engstelle geweitet wird und das Blut wieder fließen kann. Diese Methode ist – sofern ein Krankenhaus mit entsprechender Ausstattung in weniger als 120 Minuten erreicht werden kann, heutzutage das Mittel der Wahl.

In jedem anderen Fall sollte mittels Medikamenten versucht werden, den Pfropf im Gefäß aufzulösen (z.B. Streptokinase, Reteplase, Alteplase, Aspirin, Clopidogrel u.a.).

Herzinfarkt-Vorsorge als Teil der Therapie

Um das Risiko einer erneuten Verengung zu verringern, wird bei Bedarf eine Stütze in das Gefäß platziert, die als engmaschiges Gitter diesen Abschnitt von innen offenhält. Solch ein Stent kann auf einem Ballonkatheter vormontiert sein und bleibt im Herz zurück, wenn der Ballon wieder entfernt wird. Oftmals sind diese Stents speziell beschichtet, sodass im Nachhinein an der Innenwand keine Blutgerinnung stattfinden kann.

Mobilisierung auf der Intensivstation nach einem Herzinfarkt

Noch auf der Intensivstation wird damit begonnen, Patienten zu mobilisieren.

  • Bewegungsprogramme
  • passive Übungen und
  • Atemübungen, die Schritt für Schritt umfangreicher werden,

sind fester Bestandteil der Infarktbehandlung.

Nachsorge nach einem Herzinfarkt

Rehabilitationskliniken sind zuständig für die volle Mobilisierung von Herzinfarktpatienten. Sie stellen eine Fortsetzung der stationären Behandlung oder eine Anschlussheilmaßnahme dar. Wichtig ist, dass die weitere Lebensführung so gestaltetet wird, dass der eingetretene Schaden so gering wie möglich gehalten und ein weiterer Infarkt verhindert wird.

Ziel der Rehabilitation ist es, eigene Fähigkeiten nutzen und eigene Grenzen erkennen, Ursachen des Infarktes erkennen und meistern, und zu erkennen welche Ziele den Einsatz lohnen, und welche nicht.

Unverzichtbar ist dabei spätestens jetzt das Ausschalten von Risikofaktoren.

Verbesserung des Lebensstils nach einem Herzinfarkt

Spätestens ein Herzinfarkt sollte ein Weckruf an den eigenen Lebensstil sein:

  • Keine Zigarette mehr: Hören Sie mit dem Rauchen auf. Nehmen Sie, wenn nötig, an Nichtraucherkursen und Entwöhnungsprogrammen teil.
  • Bewegung: Sorgen Sie für ein ausreichendes Maß an Bewegung.
  • Übergewicht: Versuchen Sie, ihr Körpergewicht zu reduzieren.
  • Ernährung: sollte vitamin- und ballaststoffreich und vegetarisch ausgerichtet sein. Traditionell mediterrane Kost ist reich an ungesättigten Fettsäuren, enthält viel Gemüse, Salat, Früchte und Fisch und ist effektiv für die Verhinderung weiterer Infarkte.
  • Gut sind: Tee, Kaffee, fettarme Milch/Käse, ungezuckerte Fruchtsäfte, Vollkornprodukte, Walnüsse, Hühnchen, Kalb- und Wildfleisch
  • Vermeiden Sie: Frittiertes, Fettränder an Wurst und Fleisch, in viel Fett Gebratenes, Kartoffelchips, Kuchen, Torten, Süßigkeiten/Schokolade, Sahneprodukte, Salz
  • Entspannung: Gezielte Entspannung fördert die Angst- und Stressbewältigung. Mit bestimmten Methoden (autogenes Training, Yoga) kann man Entspannung sowohl für den Geist als auch für den Körper erlernen.

Wussten Sie’s schon?

Mythos Knoblauch: Wirksamkeit von Knoblauchextrakten, Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln wurde nicht nachgewiesen.

Medizinische Maßnahmen nach einem Herzinfarkt

Wird nach einem Infarkt festgestellt, dass zusätzlich zum Infarktgefäß mehrere Kranzgefäße kritisch eingeengt sind, und wenn eine Dilatation nicht mehr infrage kommt, wird eine Bypass-Operation empfohlen.

Bypass ist englisch für Umgehung, d.h. er wird als neues Gefäß von der Hauptschlagader bis hin zu den Abschnitten der Kranzgefäße geführt. Dadurch soll die Durchblutung verbessert und Angina Pectoris gelindert werden, und ein weiterer Infarkt verhindert werden. 90% der Patienten mit einem Bypass sind danach beschwerdefrei oder zumindest deutlich gebessert.

Eine Reihe von Medikamenten steht ebenfalls zur Verfügung, um beispielsweise erhöhte Blutfettspiegel zu senken, die Cholesterinentstehung im Körper zu hemmen und Angina-pectoris-Symptome zu lindern.

Lebenserwartung nach einem Herzinfarkt

Die Lebenserwartung nach einem Herzinfarkt hängt ganz von der Schwere des Infarkts ab, also davon, wie viel Herzmuskelgewebe betroffen ist und wie schnell der Gefäßverschluss wieder beseitigt werden konnte.

Einige Langzeitstudien haben ergeben, dass

  • 5-10 % der Betroffenen innerhalb der ersten 2 Jahre nach einem Infarkt an plötzlichem Herztod versterben, und
  • 50 % der Betroffenen die ersten 5 Jahre nicht  überleben.

Grund dafür ist meist eine Herzinsuffizienz, denn das Herz kann mit dem entstandenen Narbengewebe schlechter arbeiten als zuvor.

Daher ist es besonders wichtig, einem Herzinfarkt vorzubeugen und speziell nach einem Infarkt seinen Lebensstil an den Zustand des Herzens anzupassen.

Prominente mit Herzinfarkt

Bill Clinton

2004 unterzog sich der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten Bill Clinton einer aufwändigen Herzoperation – einer Bypass-OP, bei der vier Herzkranzgefäße oder deren Äste mit Bypässen umgangen wurden. Clinton leidet seit Jahren an einer Fettstoffwechselstörung, durch die sein Cholesterinspiegel chronisch erhöht ist. 2010 klagte er über Schmerzen in der Brust und wurde erneut operiert. Zwei Stents halten seitdem seine Herzkranzarterien von innen geöffnet. Beide Operationen konnten bislang einen Herzinfarkt bei ihm verhindern.

Carrie Fischer

Star Wars „Prinzessin Leia“ starb am im Dezember 2016 an einem Herzstillstand während des Flugs von London nach Los Angeles – Auslöser für den Herzstillstand war ein Herzinfarkt.

Selbsttest für Ihr persönliches Herzinfarkt-Risiko

  • Fühlen Sie sich stark gefordert, machen Sie sich Sorgen um Arbeitsplatz, Finanzen, berufliches Fortkommen oder haben Sie ernsthafte Probleme mit ihrem Lebenspartner oder Kindern?
  • Rauchen Sie?
  • Wurden bei Ihnen erhöhte Blutfettwerte oder Störungen im Fettstoffwechsel festgestellt?
  • Leiden Sie an Bluthochdruck?
  • Leiden Sie an Diabetes mellitus?
  • Genetische Faktoren: Leiden Ihre Eltern an Arteriosklerose?
  • Sind sie mehr als 5 kg übergewichtig?
  • Essen Sie häufig fettige Nahrung wie Kartoffelchips, Frittiertes oder Gebratenes?
  • Bewegen Sie sich ausreichend?
  • Sind Sie über 30 (Männer) bzw. über 40 (Frauen) Jahre alt?

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (Hrsg.): Pocket-Leitlinie 3. Allgemeine Definition des Myokardinfarktes. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: dkg.org (Version 2012)

Mathes, Peter. Ratgeber Herzinfarkt: Vorbeugung, Früherkennung, Behandlung, Nachsorge, Rehabilitation. Springer-Verlag, 2009.

Riecker, Gerhard. Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens und des Kreislaufs. Springer-Verlag, 2013.

Steffel, Jan, and Thomas Luscher. Herz-Kreislauf. Springer-Verlag, 2014.

Vallbracht, Christian, and Martin Kaltenbach, eds. Herz Kreislauf kompakt. Springer-Verlag, 2006.

Wilhelm, Wolfram. “Praxis der Intensivmedizin.” Intensivmedizin up2date 9.04 (2013): 276-276.

Deutsche Herzstiftung e.V. Zugriff am 07.01.2016

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-02/clinton-herz-notpoeration Zugriff am 10.01.2016