Unser Gehirn ist die Steuerzentrale des Körpers und mit Milliarden von Nervenzellen ausgerüstet. Damit diese funktionieren können, müssen sie zu jeder Zeit mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden.

Wenn ein Teil unseres Gehirns plötzlich keinen Sauerstoff mehr erhält, kommt es zu einem Schlaganfall. Die Zellen können nicht lange ohne Sauerstoff überleben, deshalb ist es wichtig, in einem solchen Notfall umgehend den Rettungsdienst unter der Nummer 112 zu alarmieren und sich von einem Arzt behandeln zu lassen.

Im folgenden Text erfahren Sie alles über

Was genau passiert bei einem Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall (auch Apoplexie, Gehirnschlag oder Insult) wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. Weil die Zellen ohne Sauerstoff nicht mehr richtig funktionieren können, geht dabei die Funktion betroffener Gehirnareale verloren, sichtbar dadurch, dass entsprechende Körperregionen wie Muskeln, Sprachzentrum oder das Sichtfeld beeinträchtigt werden.

Zwei Arten von Schlaganfall

Diese Durchblutungsstörung kann durch zweierlei Arten bedingt sein:

  • Gefäßverschluss (Ischämie oder Infarkt)
  • Blutung (Hämorrhagie)

Ischämischer Schlaganfall

Im Falle eines ischämischen Schlaganfalls ist die Blutversorgung im Gehirn durch einen Gefäßverschluss (Ischämie, Infarkt) unterbrochen. Bleibt die betroffene Hirnregion zu lange ohne Sauerstoff, sterben die Zellen. Die Folge ist ein Ausfall der entsprechenden Hirnfunktionen. In 90 % der Fälle handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall.

  • Schlaganfall im Auge: ein solcher Durchblutungsausfall kann auch in den kleinen Arterien in der Netzhaut des Auges auftreten. Die Folge ist eine kurzfristige Erblindung, die sich jedoch innerhalb weniger Minuten vollständig zurückbildet. Solch eine Amaurosis fugax (flüchtige Erblindung) kann ein erstes Anzeichen für eine Durchblutungsstörung im Gehirn sein.
  • Schlaganfall im Ohr: ein Hörsturz wird oft auch als Infarkt im Ohr bezeichnet. Aufgrund einer Durchblutungsstörung in den Haarzellen des Innenohrs kann vorübergehend oder dauerhaft das Hörvermögen eingeschränkt sein.

Hämorrhagischer Schlaganfall

Durch den Riss eines Gefäßes kann Blut ins umliegende Gewebe gelangen. Diese Blutung (Hämorrhagie) schädigt nicht nur die Region, die dadurch nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden kann. Bei einer ausgedehnten Blutung kann durch den ansteigenden Hirndruck auch das übrige Gehirn stark beeinträchtigt werden. Nur 10 % aller Schlaganfälle sind durch Blutungen verursacht.

Schlaganfall-Stadien

Solange eine Durchblutungsstörung nur maximal 4-10 Minuten andauert, können sich die Zellen anschließend in der Regel vollständig erholen.

Wie groß die bleibenden Schäden anschließend sind, hängt von der Größe und der Lokalisation der betroffenen Hirnregion ab. Einseitige, sich langsam entwickelnde Verschlüsse können sogar häufig unbemerkt bleiben, wenn genügend andere Blutgefäße in unmittelbarer Umgebung den Sauerstoffmangel kompensieren können.

Man unterscheidet zwei Stadien:

  • Transitorisch-ischämische Attacke (TIA): eine vorübergehende Minderdurchblutung (entweder im Gehirn oder in der Netzhaut des Auges), bei der sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden wieder zurückbilden
  • Vollendeter Schlaganfall: eine schwerwiegende Minderdurchblutung, deren neurologische Schäden permanent sind und sich nicht zurückbilden

Welche Folgen kann ein Schlaganfall mit sich bringen?

Die Folgen einer akuten Durchblutungsstörung und des daraus resultierenden Sauerstoffmangels im Gehirn sind abhängig von dem Ausmaß und der Lokalisation. Je größer das minderdurchblutete Areal ist, und je länger der Sauerstoffmangel anhält, desto größer sind die bleibenden Schäden. Je nachdem, wo die Durchblutungsstörung lokalisiert ist, können die nachfolgenden Beeinträchtigungen auftreten:

Lähmungserscheinungen auf einer Körperhälfte (Hemiparese) nach einem Schlaganfall

Besonders häufig kommt es nach einem Schlaganfall zu halbseitigen Lähmungserscheinungen. Diese treten entgegensetzt der Seite des Gehirns auf, die eine Durchblutungsstörung erlitt.

Sprechstörungen (Aphasie) nach einem Schlaganfall

Werden die Sprachzentren der linken Hirnhälfte beschädigt, kann der Schlaganfall-Patient nicht mehr richtig sprechen. Das bedeutet nicht, dass der Betroffene mit einem Mal geistig zurückgeblieben ist oder die Worte neu erlernen muss. Aphasie ist vielmehr ein mangelnder Zugang zu den Regeln und Formen der Sprache in einem bestimmten zeitlichen Kontext.

Sehstörungen nach einem Schlaganfall

Theoretisch kann ein Schlaganfall jede mögliche Sehstörung auslösen. Typisch sind das Sehen von Doppelbildern, Einengungen des Blickfeldes, Ausfall bestimmter Blickbereiche, Flimmern vor dem Auge (Flimmerskotom) oder komplette Ausfälle eines Auges.

Krampfanfälle nach einem Schlaganfall

Mit 36 % ist ein Schlaganfall die häufigste Ursache für eine Epilepsie im höheren Lebensalter. Etwa ein Zehntel der Schlaganfallpatienten mit einer Durchblutungsstörung im Gehirn erfahren anschließend epileptische Anfälle innerhalb der ersten Tage und Wochen nach dem Schlaganfall. Dabei handelt es sich oft nur um sogenannte fokale Anfälle (Herdanfälle), bei denen wie beim Schlaganfall nur ein Teil des Gehirns betroffen ist. Die Epilepsie kann sich jedoch im Laufe der Zeit auf weitere Hirnareale ausbreiten.

Hörsturz nach einem Schlaganfall

Ein Hörsturz kann auch als kleiner Schlaganfall des Innenohrs bezeichnet werden, denn er beruht auf einer Durchblutungsstörung der Haarzellen im Innenohr. Er kann aber auch als Folge eines Hirnschlages auftreten, wenn die Zellen der Hörrinde im Gehirn nicht mehr richtig durchblutet werden.

Thrombosen nach einem Schlaganfall

Nicht nur im Gehirn können sich Blutgerinnsel bilden, welche die Gefäße verstopfen. Viele Schlaganfallpatienten kämpfen ebenfalls mit Thrombosen in den Venen der Beine, welche die Gefahr für eine Lungenembolie birgt, wenn das geronnene Blut abdriftet und mit dem Blutfluss in die Lunge gelangt. Aufgrund der oft starken körperlichen Einschränkungen und der mangelnden Bewegung nach einem Schlaganfall, steigt das Thromboserisiko deshalb oft weiter an.

Apraxie nach einem Schlaganfall

Von einer Apraxie spricht man, wenn Bewegungen nicht mehr zweckmäßig ausgeführt werden können. Es handelt sich dabei nicht um eine Lähmungserscheinung, die nach einem Schlaganfall oft halbseitig auftreten kann, sondern um die beidseitige Unfähigkeit, eine willkürliche, zielgerichtete Bewegung auszuführen. Das motorische System, also Muskeln und Nerven, sind hierbei völlig intakt, lediglich die Planung der Bewegung kann nicht mehr erfolgen. Apraxie tritt häufig in Zusammenhang mit Sprachstörungen auf – in beiden Fällen ist die linke Gehirnhälfte betroffen.

Wahrnehmungsstörungen (Neglect) nach einem Schlaganfall

Eine Wahrnehmungsstörung kann die Folge eines Schlaganfalls sein, wenn eine Hälfte der Umgebung oder des eigenen Körpers nicht mehr wahrgenommen wird.

Kopfschmerzen nach einem Schlaganfall

Chronische Kopfschmerzen sind eine häufige Folge nach einem Schlaganfall. Als geschlossener Raum kann das Gehirn Druckveränderungen nicht gut ausgleichen, was Schmerzen verursachen kann. Auch ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, wie er bei Schlaganfallpatienten häufig ist, kann zu einem unangenehm schmerzenden Druckgefühl im Kopf führen.

Demenz nach einem Schlaganfall

Eine Form der Demenz, die sogenannte vaskuläre Demenz, tritt infolge von Durchblutungsstörungen des Gehirns auf. Oft ist sie die Folge eines Schlaganfalls oder tritt infolge vieler kleiner, schleichend sich ereignender Infarkte (sogenannte „Schlägelchen“) auf.

Lungenentzündung nach einem Schlaganfall

Eine Lungenentzündung gehört zu den häufigsten Komplikationen nach einem ischämischen Schlaganfall. Eine Lungenentzündung entsteht, wenn von außen Erreger in die Lunge eindringen und sich das Lungengewebe, an dem der Sauerstoffaustausch stattfindet, entzündet. Nach einem schweren Schlaganfall oder längerer Bewusstlosigkeit kann das Einatmen von Magensäure eine Art der Lungenentzündung hervorrufen. Das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach einem Hirnschlag zu sterben, ist um 50 % erhöht, wenn man an einer Lungenentzündung erkrankt.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Unbeeinflussbare Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Schlaganfall begünstigt werden. Manche dieser Faktoren können nicht beeinflusst werden:

  • Alter: das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, nimmt mit dem Lebensalter zu.
  • Geschlecht: Männer sind 30 % häufiger betroffen als Frauen. Grund dafür ist das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, welches Frauen vor der Menopause vor Arteriosklerose, also einer Verstopfung der Arterien, schützen kann.

Beeinflussbare Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Eine Reihe von Risikofaktoren kann jedoch durch Ihren Lebensstil, wie Ernährung, Rauchgewohnheiten und körperliche Betätigung beeinflusst werden. Diese sind weitgehend deckungsgleich mit den Risikofaktoren für Arteriosklerose.

Faktoren, die Arteriosklerose und damit einen Schlaganfall begünstigen

Umgangssprachlich oft auch als Arterienverkalkung bezeichnet, versteht man unter Arteriosklerose eine Erkrankung, bei der sich Blutfette, Thromben, Bindegewebe und geringe Mengen Calciumphosphat an den Wänden der Blutgefäße ablagern. Die Gefäße können sich dadurch verengen und werden weniger dehnbar, was zu Durchblutungsstörungen führen kann.

  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): schädigt direkt die Gefäßinnenwändedieden Gefäßinnenwänden. Zu hoher Blutdruck kann zu feinen Rissen in den Wänden der Blutgefäße führen. Diese werden mit Cholesterin repariert, wodurch sich bei chronischer Hypertonie ständig mehr Cholesterin an den Gefäßinnenwänden ablagert.
  • Fett- und kalorienreiche Nahrungsmittel: diese führen zu erhöhten Cholesterinwerten und Übergewicht
  • Nikotinkonsum: Rauchen fördert die Bildung von Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden, die dadurch instabil sind und brechen können. Dies erhöht das Thromboserisiko.
  • Diabetes mellitus: chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße.

Schlaganfall-Risikofaktor Migräne

Bereits im 19. Jahrhundert vermutete man mit der „tödlichen Migräne“ einen Zusammenhang zwischen Schlaganfällen und Migräne. Dieser lässt sich begrenzen auf diejenigen Arten von Migräne, welche von einer sogenannten Aura begleitet werden. Die Migräneaura ist ein neurologisches Symptom der Migräne, bei dem es zu visuellen Störungen, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen oder Kribbeln in Armen und Beinen kommen kann. Diese Anzeichen schädigen jedoch nicht dem Hirngewebe – im Gegensatz zum Schlaganfall – und dauern meist nur maximal eine Stunde an. Dennoch liegen dem Schlaganfall und der Migräne dieselben physiologischen Prozesse zugrunde, weshalb Menschen mit Migräne ein erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle haben.

Schlaganfall-Risikofaktor Stress

Chronischer Stress begünstigt nachweislich kardiovaskuläre Erkrankungen (also Erkrankungen des Herzens und der Gefäße) wie Bluthochdruck und Herzinfarkte. Studien zufolge sind Berufsgruppen, die während ihrer Arbeit hohem Stress ausgesetzt sind und ihren Arbeitsalltag wenig kontrollieren können (z.B. Pflegekräfte oder KellnerInnen) einem höheren Schlaganfallrisiko ausgesetzt als solche mit weniger Stress oder mehr Kontrolle.

Schlaganfall-Risikofaktor Hormonpräparat: Die Pille erhöht das Thromboserisiko

Verhütungsmittel mit Gestagenen (Hormone wie z.B. Dienogest, Desogestrel, Chlormadinon, Drospirenon und Nomegestrol) als Wirkstoff können das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln erhöhen. Mit ihrer Einnahme steigt deshalb, wenn auch in geringem Ausmaß, das Schlaganfallrisiko.

Schlaganfall-Risikofaktor Alkohol

Menschen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, haben ein um 34 % erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Dies betrifft vor allem Menschen mittleren Alters, also zwischen 50 und 75. Im höheren Alter, also ab 75 aufwärts, überwiegt der Risikofaktor der Arteriosklerose deutlich.

Ursachen für einen Schlaganfall

Die Ursache für einen Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Gründe hierfür sind namensgebend für die verschiedenen Arten des Schlaganfalls und beruhen entweder auf einem Gefäßverschluss (auch Ischämie oder Infarkt) oder auf einer Blutung (Hämorrhagie) im Gehirn.

Gefäßverschluss als Ursache für einen Schlaganfall

Ein Gefäßverschluss, bei dem ein Teil des Gehirns anschließend überhaupt nicht mehr oder weniger durchblutet wird als nötig, kann auf zwei Arten entstehen.

  • Arteriosklerose: eine Arterienverkalkung gehört zu den häufigsten Ursachen eines Schlaganfalls. Unter begünstigenden Bedingungen wie hohem Blutdruck, hohen Blutzucker- oder Blutfettwerten bilden sich sogenannte Plaques (entzündliche Cholesterin- und Kalziumhaltige Ablagerungen) an den Wänden der Arterien (Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Körperzellen transportieren). Geschieht dies im Gehirn, und dicken sich diese Ablagerungen an, kann es zu Minderdurchblutungen oder Verstopfungen kommen, welche einen Schlaganfall auslösen.
  • Embolie: an den Gefäßwänden oder in größeren Blutgefäßen, wo das Blut besonders langsam fließt, können Blutgerinnsel (Embolus) entstehen. Wenn sich diese ablösen und mit dem Blutstrom in engere Gefäße wie zum Beispiel im Gehirn gelangen, können diese Gefäße dadurch verstopft werden (Thrombose) und für eine Durchblutungsstörung sorgen.

Blutung als Ursache für einen Schlaganfall

Eine Blutung im Gehirn entsteht deutlich seltener als eine Gefäßverstopfung. Wenn jedoch die Blutgefäße eines Menschen über einen längeren Zeitraum einer hohen Belastung ausgesetzt sind, können sie reißen. Zu solchen belastenden Umständen zählen Vorerkrankungen wie chronisch erhöhter Blutdruck (Hypertonie) oder Blutzucker (Diabetes mellitus) oder erweiterten Blutgefäßen, die ihre Dehnbarkeit dadurch verlieren (Aneurysmen).

<h3 “gene-als-schlaganfallursache”>Genetische Faktoren als Ursache für einen Schlaganfall

Insbesondere Schlaganfälle, die im höheren Lebensalter auftreten, sind oft bedingt durch den fortschreitenden Verschleiß der Blutgefäße (z.B. Arteriosklerose). Bei den unter 55-Jährigen sind solche Ursachen nur bei jedem Zehnten nachzuweisen. Stattdessen kommen unter anderem auch seltene genetische, erbliche Erkrankungen, die eindeutig einen Schlaganfall bedingen können, zum Tragen.

Einige Beispiele dafür sind:

  • Morbus Fabry: eine angeborene Stoffwechselstörung, durch die es über mehrere Jahre hinweg unter anderem zu Ablagerungen an den Innenwänden der Blutgefäße kommt. Neben den Blutgefäßen sind eine Vielzahl von Organen betroffen, die durch den fehlenden Abbau dieser Ablagerungen zu Schaden kommen können.
  • CADASIL: eine Erkrankung der kleinen Gefäße, bei der sich z.B. in den Arteriolen (Arterien von sehr geringem Durchmesser, die für die feine Durchblutung des Gewebes verantwortlich sind) im Gehirn Ablagerungen bilden, welche zu Mangeldurchblutungen führen kann und im Laufe der Zeit immer wieder für migräneartige Kopfschmerzen und kleinere Schlaganfälle sorgen kann.
  • MELAS: Erkrankung des Energiestoffwechsels in den Mitochondrien („Kraftwerk“ der Zelle), welche zu epileptischen Anfällen, Muskelschwäche und immer wiederkehrenden Schlaganfällen führt.
  • Sichelzellanämie: die weltweit häufigste Ursache für Schlaganfälle bei Kindern, bei der die roten Blutzellen aufgrund einer Fehlbildung nicht genügend Sauerstoff transportieren können. Die Krankheit spielt jedoch in den mitteleuropäischen Ländern keine bedeutende Rolle.

Symptome und Anzeichen für einen Schlaganfall

Zellen können ohne Sauerstoff nicht arbeiten. Bei einem Schlaganfall kommt es deshalb aufgrund des Sauerstoffmangels zu Funktionsausfällen im Gehirn.  Wie schwerwiegend diese sind, hängt von der Lokalisation und Ausprägung des Gefäßverschlusses bzw. der Blutung ab.

Anzeichen für einen Schlaganfall treten plötzlich auf:

  • Lähmungen an den Extremitäten (Halbseitenlähmung)
  • Gesichtslähmung mit herabhängendem Mundwinkel und einseitig geschlossenem Augenlid
  • Taubheit oder Kribbeln auf einer Seite, z.B. im linken Arm oder Fuß
  • Sprachstörungen (undeutliche Aussprache, Wortfindungsprobleme)
  • Schluckbeschwerden
  • Sehstörungen (Doppelbilder, Flimmern vor dem Auge, kurzzeitige Blindheit auf einem Auge)
  • Herdblick (Ausfall einer Hälfte der Augenmuskeln führt dazu, dass Betroffene in die Richtung der beschädigten Hirnhälfte blicken)
  • Schwindel
  • Verwirrtheit, Orientierungsschwierigkeiten, Amnesie
  • Starke Kopfschmerzen
  • Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstörungen

Das genaue Muster der einzelnen Symptome kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden, denn welche Funktionen ausfallen ist davon abhängig, welche Region im Gehirn keinen Sauerstoff mehr erhält.

Auch, wenn die Beschwerden nach wenigen Minuten von alleine wieder verschwinden, sollte ein Arzt aufgesucht werden! Eine kurzfristige Minderdurchblutung im Gehirn ist oftmals nur der Vorbote von einem größeren Schlaganfall.

Erste Hilfe leisten beim Schlaganfall

Wenn Sie einen Mitmenschen mit den obigen Symptomen antreffen, gilt es schnell zu handeln. Zeit ist das wichtigste Kriterium für eine mögliche Erholung nach einem Schlaganfall.

  • Sofort den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 alarmieren!
  • Kontrollieren Sie die Lebenszeichen des Betroffenen.
  • Führen Sie ggf. lebensrettende Maßnahmen durch.
  • Ist der Betroffene bei Bewusstsein, lagern Sie ihn bequem und mit erhöhtem Oberkörper.
  • Betreuen Sie den Betroffenen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Gelähmte Körperteile können gepolstert werden.
  • Teilen Sie dem Rettungsdienst wenn möglich mit, um welche Uhrzeit die ersten Symptome auftraten.

Wie können Sie einem Schlaganfall vorbeugen?

Einem Schlaganfall können Sie vorbeugen, indem Sie die Risikofaktoren beachten und ihren Lebensstil entsprechend ausrichten.

  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, z.B. bei einem 30-minütigen täglichen Spaziergang.
  • Nehmen Sie regelmäßig Vorsorgetermine wahr, um Blutdruck, Blutfettwerte und Blutzuckerwerte kontrollieren zu lassen.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum.
  • Vermeiden Sie Stress oder sorgen Sie für genügend Ausgleich und Pausen.
  • Wenn Sie mit der Antibabypille verhüten, wählen Sie eine mit einem unbedenklichen Wirkstoff. Oder greifen Sie zu alternativen Verhütungsmitteln wie Kondomen und Diaphragmen.

Wenn Sie bereits durch Vorerkrankungen oder aufgrund der familiären Vorgeschichte ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall besitzen, oder sogar schon einmal einen Schlaganfall erlitten haben, können vorbeugend vom Arzt blutverdünnende Medikamente verschrieben werden, um z.B. das Thromboserisiko zu senken. Genetische Screenings werden aufgrund der Seltenheit der Erkrankungen nicht durchgeführt. Oftmals wird eine Erbkrankheit erst mit Auftreten des ersten Schlaganfalls bemerkt.

Therapie eines Schlaganfalls

„Zeit ist Gehirn“

Nach einem Schlaganfall muss die Therapie so schnell wie möglich einsetzen, damit der Schaden verringert werden kann. Es ist deshalb hilfreich, wenn der eintreffende Rettungsdienst über die beobachtete Symptomatik, die Uhrzeit des ersten Auftretens der Symptome und wenn möglich über die Medikamente, die der Betroffene einnimmt, informiert wird.

Im Rahmen der Erstversorgung nach einem Notruf werden zunächst die sogenannten Vitalwerte überprüft. Dabei werden Puls und Atmung sichergestellt und Blutdruck, Häufigkeit des Herzschlags und der Blutzucker gemessen. Gegebenenfalls muss dem Patienten Sauerstoff zugeführt werden. Der Rettungsdienst transportiert ihn dann so schnell wie möglich in ein Krankenhaus.

Behandlung in der Stroke Unit

Viele Kliniken besitzen bereits eine Abteilung, die sich auf Schlaganfälle spezialisiert hat – die sogenannte Stroke Unit (engl. Schlaganfall-Einheit). Hier sind Ärzte und Pflegepersonal darauf spezialisiert, in besonders kurzer Zeit die Ursache für den Schlaganfall eines Patienten herauszufinden und entsprechend zu handeln.

Denn mit der eigentlichen Therapie kann erst begonnen werden, wenn feststeht, ob der Gehirnschlag durch eine Gefäßverstopfung oder eine Blutung verursacht wurde. Darüber gibt ein Scan des Gehirns im Rahmen einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanz-Tomographie (MRT) Aufschluss.

Die Behandlung hängt schließlich von der Ursache ab:

  • Gefäßverstopfung: bei einem ischämischen Schlaganfall muss ein Blutgerinnsel aufgelöst werden (Thrombolyse) und das Bilden von weiteren Blutgerinnseln verhindert werden (Antikoagulation, Blutgerinnungshemmer). Beides kann mit Medikamenten erreicht werden. In seltenen Fällen kann ein Blutgerinnsel in einem größeren Hirngefäß auch operativ entfernt werden (Thrombektomie).
  • Blutung: bei einem hämorrhagischen Schlaganfall muss zunächst die Blutung gestoppt werden und das ausgetretene Blut entfernt werden, um den Druck im Gehirn zu verringern. Diese Druckentlastung kann in vielen Fällen nur operativ mit einer Öffnung der Schädeldecke erfolgen.

Eine Stroke Unit ist nicht nur darauf spezialisiert, im Notfall so schnell wie möglich zu handeln, um die negativen Folgen eines Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten. Die Einrichtung ist in der Regel zusätzlich mit einem multidisziplinären Team ausgestattet, sodass mit frühen Rehabilitationsmaßnahmen sofort begonnen werden kann.

Sind die Folgen eines Schlaganfalls heilbar?

Ob und wann die Einschränkungen nach einem Schlaganfall zurückgehen, hängt in erster Linie davon ab, die lange die betroffene Gehirnregion ohne Sauerstoff war. In manchen Fällen können sich die Symptome vollständig wieder zurückbilden. In anderen Fällen bleiben Funktionen dauerhaft verloren.

Eine große Rolle spielt dabei die sogenannte Plastizität unseres Gehirns. Das sind Kompensationsmechanismen, durch die Aufgaben im Gehirn neu verteilt werden können. Hirnareale, die vom Schlaganfall nicht betroffen sind, können deshalb begrenzt die Funktionen der ausgefallenen Areale erlernen und übernehmen. Die Plastizität nimmt mit wachsendem Alter zwar ab, aber sie ist noch vorhanden.

Nachsorge und Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Schlaganfall-Nachsorge ist Vorsorge

Mit der Erstversorgung eines Schlaganfalls ist es noch nicht getan – auch nicht, wenn die aufgetretenen Symptome wieder vollständig verschwunden sind. Oft müssen gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden oder ein zu hoher Blutdruck abgesenkt werden, um weiteren Schlaganfällen vorzubeugen.

Rehabilitation nach Schlaganfall

Gehen die Symptome nicht innerhalb kurzer Zeit von alleine zurück, müssen Betroffene wieder für den Alltag fit gemacht werden. Rehabilitationsmaßnahmen sind abhängig von der Pflegebedürftigkeit der Patienten und bestehen meist aus einer Kombination vieler verschiedener Verfahren.

Damit gesunde Gehirnareale die Funktionen der kranken übernehmen können, müssen die verlorenen Funktionen vollständig neu erlernt und trainiert werden. Auch die Muskeln und Gelenke brauchen Bewegung, damit sie nicht abgebaut werden und ihre Funktion zurückerlangen.

Rehabilitative Maßnahmen können umfassen:

  • Physiotherapie (um die Mobilität zu erhalten, Bewegungsabläufe neu zu lernen und die Körperwahrnehmung, -haltung und den Gleichgewichtssinn zu trainieren)
  • Logopädie (um Sprach- und Schluckstörungen entgegenzuwirken)
  • Ergotherapie (Hilfe bei der Zurechtfindung im Alltag)
  • Neuropsychologisches Training
  • Künstlerische Therapien (Musiktherapien)
  • Gesprächs- und Verhaltenstherapie (um Anforderungen und Ängste zu bewältigen)

Lebenserwartung nach einem Schlaganfall

Der Schweregrad eines Schlaganfalls und somit auch seine Folgen können von Mensch zu Mensch stark variieren. Eine aussagekräftige aktuelle Studie, die Aufschluss darüber gibt, um wie viel die Lebenszeit durch einen Schlaganfall verkürzt werden kann, existiert deshalb noch nicht. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Lebenserwartung sinkt, wenn die Risikofaktoren für einen (weiteren) Schlaganfall besonders hoch sind.

Das bedeutet nicht zwingend, dass der Schlaganfall selbst für die verkürzte Lebenserwartung sorgt. Vielmehr spielt die Belastung des Blutkreislaufsystems eine Rolle. Wessen Arterien ständig hohem Blutdruck oder Blutzucker ausgesetzt sind, kann jederzeit leicht einen Schlaganfall erleiden. Ob zuvor bereits ein Schlaganfall stattgefunden hat, ist dabei nicht so wichtig wie die Schonung der Blutgefäße.

Prominente mit Schlaganfall

Claus Kleber

In einschlägigen Internetforen wird vielfach über das Äußere des „heute journal“-Sprechers Claus Kleber spekuliert, warum er oft schief dastehe und ein schiefes Gesicht habe. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung wies er die Mutmaßungen, dass es sich um einen Schlaganfall handeln müsse, jedoch von sich und erklärte, es ginge ganz unspektakulär auf ein Rückenproblem zurück.

Gaby Köster

2008 traf die Kabarettistin der Schlag – und ist seither im Rollstuhl auf fremde Hilfe angewiesen. In ihrem Buch „Ein Schnupfen hätte auch gereicht – Meine zweite Chance“ verarbeitet sie den Schlaganfall und die damit verbundenen Erlebnisse.

Heinz Erhardt

Im Jahr 1971 erlitt der Schauspieler und Dichter einen Schlaganfall, der seine Karriere beenden sollte. Besonders sein Sprachzentrum im Gehirn wurde schwer getroffen, weshalb er lesen und verstehen, aber nicht mehr sprechen und schreiben konnte.

Sharon Stone

Hollywood-Star Sharon Stone wäre im Jahr 2001 beinahe im Alter von 43 Jahren an einem Schlaganfall gestorben und machte während ihrer vorübergehenden Bewusstlosigkeit sogar eine Nahtoderfahrung. In der Reha musste sie Gehen und Sprechen neu erlernen – und hat sich schließlich vollständig von dem Schlaganfall erholen können.

Selbsttest für Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko

Die Symptome eines Schlaganfalls lassen sich mithilfe des sogenannten FAST-Tests schnell überprüfen. Das Wort FAST (engl. schnell) steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

  • FACE: Versuchen Sie zu lächeln. Hängt eine Gesichtshälfte herab?
  • ARMS: Versuchen Sie, beide Arme zu heben. Sinkt ein Arm herab?
  • SPEECH: Sprechen Sie einen einfachen Satz. Ist die Sprache undeutlich oder seltsam?
  • TIME: Beobachten Sie eines dieser Zeichen, rufen Sie sofort 112.

Ob für Sie ein erhöhtes Risiko besteht, einen Schlaganfall zu erleiden, lässt sich mit den folgenden Fragen überprüfen:

  • Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen?
  • Bewegen Sie sich regelmäßig (mind. 30 Minuten täglich)?
  • Leiden Sie an erhöhtem Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterinwerten?
  • Rauchen Sie?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol?
  • Sind Sie auf der Arbeit oder im Leben einem hohen Maß an Stress ausgesetzt?
  • (Verhüten Sie mit der Antibabypille?)
  • Leiden Sie an Migräne mit einer sogenannten Aura?
  • Neigen Sie zu Thrombosen/Hatten Sie schon einmal eine Thrombose?
  • Leiden Sie an einer Erweiterung der Blutgefäße (Aneurysma)?
  • Sind Familienmitglieder schon einmal von einem Schlaganfall getroffen worden?
  • Leiden Sie an Diabetes mellitus?
  • Wurde bei Ihnen schon einmal Arteriosklerose festgestellt?
  • Haben Sie bereits einmal einen Schlaganfall oder eine TIA (Transitorisch-ischämische Attacke) erlitten?

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