Darmkrebs gehört neben Lungen-, Brust- und Prostatakrebs zu den vier häufigsten Krebsarten in Deutschland. Die Zahlen der Darmkrebserkrankungen fallen seit Einführung der Darmkrebs-Vorsorge im Jahr 2002.

Im folgenden Text erfahren Sie alles über

und wie sie selbst Vorsorge treffen können.  Pflegen Sie Ihren Darm, Ihr Körper wird es Ihnen danken.

Darmkrebs-Arten

Als grobe Einteilung wird der Darm in Dünn- und Dickdarm unterschieden. Unter den Begriff Darmkrebs zählen Mediziner jedoch meist nur den Krebs des Dickdarmes. Der Grund dafür: Krebs des Dünndarmes tritt selten auf. Zur Vollständigkeit werden in diesem Kapitel Dünndarm-Krebsarten mit erwähnt. Die darauffolgenden Themenkapitel beschäftigen sich jedoch nur mit dem Dickdarmkrebs.

Dünndarmkrebsarten:

  • Adenokrebs – Krebs, der von den Drüsen des Dünndarmes, welche allgemein für die Verdauung sowie den  Schutz der Dünndarm-Schleimhaut zuständig sind, ausgeht.
  • Gastrointestinale Stromatumore (GIST) – Krebsarten, die wahrscheinlich von den sogenannten Cajal-Zellen ausgehen. Diese Cajal-Zellen, auch “Schrittmacherzellen” genannt, steuern über ein Nervensystem die Aktivität der Darmmuskulatur.
  • Sarkome   Ursprung der Sarkome ist das Bindegewebe des Dünndarmes. Sie sind sehr selten.
  • Maligne Lymphome – Diese bösartige Krebsart geht von lymphatischem Gewebe des Dünndarmes aus. Es übernimmt Abwehrfunktionen und ist Teil des Immunsystems.
  • Neurendokrine Tumore (NET) sind Krebsarten, die je nach Ort ihrer Entstehung, bestimmte Stoffe in die Blutbahn abgeben. Dazu gehört zum Beispiel das Insulinom, das durch Insulinproduktion zu Unterzucker führen kann.

Dickdarmkrebsarten:

Der Analkanalkrebs tritt im letzten Teil des Darmes auf. Ungefähr 4cm vom Darmausgang entfernt, fängt der Analkanal an. Krebs in diesem Bereich ist (genau wie im Dünndarm) selten und wird hier auch nur erwähnt.

Unter dem Überbegriff kolorektales Karzinom wird Darmkrebs des Dickdarmes ohne Berücksichtigung des Analkanals zusammengefasst. Dabei teilt sich der Dickdarm in verschiedene Abschnitte.

Nach dem Dünndarm beginnt der Blinddarm (Zökum) mit Wurmfortsatz (Appendix) und aufsteigendem Teil des Dickdarmes (Colon ascendens). 10% der Dickdarmkrebserkrankungen treten in diesen Bereichen auf.

Weitere 10% des Dickdarmkrebses betreffen den querverlaufenden Teil (Colon transversum) sowie den absteigenden Teil des Dickdarmes (Colon descendens). Der darauf folgende Sigmadarm (Colon sigmoideum) ist in 30% der Fälle vom Krebs befallen. Der letzte Teil des Dickdarmes, der Mastdarm (Rektum), ist am häufigsten mit ca. 50% vom Dickdarmkrebs betroffen.

Kolorektaler Krebs ist in den meisten Fällen Drüsenkrebs. Ihm voraus gehen größtenteils gutartige Drüsenveränderungen (Adenome), die als Vorwölbung in den Darmgang auftreten (Kolonpolyp). Diese Drüsenveränderungen können in der Darmkrebs-Vorsorge gut erkannt und entfernt werden, sodass sich Darmkrebs, der aus diesen Kolonpolypen entsteht, gar nicht erst entwickeln kann.

Bestimmte erbliche Erkrankungen gehen mit der Bildung einer Vielzahl von Kolonpolypen einher. Von jedem Kolonpolypen geht ein Krebsrisiko aus, sodass bei diesen erblichen Erkrankungen eine intensivere Vorsorge betrieben werden muss.

Darmkrebs-Stadien

Darmkrebs wird wie die meisten Krebserkrankungen mit Hilfe der TNM-Klassifikation von Medizinern in ein Stadium eingeordnet.

Das T der Klassifikation steht für Tumor und gibt an, wieviele Schichten der Darmwand bereits von Krebszellen befallen sind. In der frühesten Stufe befinden sich die Krebszellen zunächst nur in der obersten Zellschicht der Darmwand, was als Carcinoma in situ bezeichnet wird. Je weiter die Krebszellen sich durch die Darmwand ausbreiten, umso fortgeschrittener wird der Dickdarmkrebs eingestuft.

Im Endstadium ist der Krebs in andere Organe oder Bauchraumstrukturen vorgewachsen.

Ein weiterer Bestandteil der Stadienzuordnung ist die Frage, ob bereits Krebszellen in die Lymphknotenstationen des Dickdarmes gewandert sind. Je mehr Lymphknotenstationen des Darmes Krebszellen enthalten, desto fortgeschrittener ist der Dickdarmkrebs.

Auch die Auswanderung der Krebszellen in ferner liegende Organe (Fernmetastasierung) wird in der Stadieneinteilung berücksichtigt. Die Fernmetastasierung stellt dabei meist ein Endstadium dar, wenn die Tochtergeschwülste (Metastasen) nicht mehr in einer Operation entfernt werden können.

Die Stadien reichen von Stadium 0 bis Stadium 4. Stadium 4 stellt dabei das Endstadium dar, in dem der Dickdarmkrebs bereits mehrere Organe befallen hat und somit meist nicht mehr geheilt werden kann.

Einfluss von Darmkrebs auf andere Erkrankungen

Kolonkrebs tritt bei der so genannten Akromegalie gehäufter auf und trägt unter anderem dazu bei, dass Betroffene eine geringere Lebenserwartung haben als die Normalbevölkerung. Die Akromegalie geht mit einer Überproduktion von Wachstumshormonen einher. Betroffene haben vergrößerte Hände, Füße und Schädel, größere Zungen, vergröberte Gesichtszüge und vergrößerte Organe mit vielen unterschiedlichen Beschwerden.

Folgen und Folgeerkrankungen von Darmkrebs

Fortgeschrittener Dickdarmkrebs ist durch die Ausbreitung von Krebszellen als Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknotenstationen und andere Organen gekennzeichnet. Darüber hinaus hat der Dickdarmkrebs in fortgeschrittenen Stadien eine Größe erreicht, bei welcher er an seinem Wachstumsort zu Beschwerden führen kann.

Einerseits drückt der Dickdarmkrebs nach außen auf umliegende Organe und Bauchraumstrukturen, was zum Beispiel zu starken Bauchschmerzen, Verschlüssen in anderen Darmabschnitten (Ileus) sowie Blasenstörungen führen kann.

Andererseits kann der Dickdarmkrebs so weit nach innen vorgewachsen sein, dass er an dem Ort seiner Entstehung Darmverschlüsse (Ileus) und so Darmwanddurchbrüche (Darmperforation) und lebensbedrohliche Entzündungen (Peritonitis) auslösen kann.

Die Streuung von Krebszellen über die Blutbahn geschieht bevorzugt in Leber und Lunge sowie Skelett und Gehirn. Dadurch können Leberversagen und Lungenbeschwerden wie chronischer Husten, Bluthusten und Atemnot die Folge sein. Knochenschmerzen und Störungen der Gehirnfunktionen sind mögliche Folgeerkrankungen.

Auch Tochtergeschwülste selbst lösen am Ort ihrer Absiedelung teils starke Schmerzen und andere Beschwerden aus.

Darmkrebs-Risiko

Über 90% der Dickdarmkrebs-Erkrankungen treten nach dem 50. Lebensjahr auf. Dieser Umstand findet sich im Dickdarmkrebs-Screening wieder. Die individuelle Darmkrebsvorsorge (Ernährung etc.) fängt im Kindesalter an, ab dem Alter von 50 Jahren ist es sinnvoll, an einer medizinischen Darmkrebs-Vorsorge teilzunehmen. Bis zu welchem Alter dieses Screening erfolgen soll, richtet sich nach dem individuellen Erkrankungsrisiko und hat bis jetzt keine Altersbegrenzung. Dies liegt auch daran, dass das Erkrankungsrisiko bis ins hohe Alter ansteigt.

Liegt jedoch erbliche Erkrankung vor, die das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht, kann der Krebs in früheren Altersstufen auftreten, sodass die Krebsvorsorge auch früher vorgenommen werden sollte.

Die Normalbevölkerung ohne erbliche Risikofaktoren hat ein Erkrankungsrisiko von 6%. Je nachdem, welche erblich bedingte Erkrankung vorliegt, kann das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, von 10% (Verwandte 1. Grades eines an Darmkrebs-Erkrankten über 60 Jahren) über 30% (Verwandte 1. Grades eines an Darmkrebs-Erkrankten jünger als 60 Jahre) bis hin zu 100% (Menschen mit FAP=Familiäre adenomatöse Polyposis coli) reichen.

Etwa seit dem Jahr 2004 sinken bei beiden Geschlechtern die Erkrankungsfälle für Dickdarmkrebs. Dies liegt nicht zuletzt an der im Jahre 2002 eingeführten Vorsorge-Untersuchung für Dickdarmkrebs.

  • Bei Frauen stellt Dickdarmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung nach Brustkrebs und die dritthäufigste Krebstodesursache nach Brust- und Lungenkrebs dar.
  • Für Männer ist Dickdarmkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung nach Prostatakrebs sowie die zweithäufigste Krebstodesursache nach dem Lungenkrebs.

Innerhalb Deutschlands (Bundesländer)  unterscheidet sich das Risiko an Dickdarmkrebs zu versterben eher wenig.

Im europäischen Vergleich sind Finnland, Griechenland (circa 25 Neuerkrankungen bei den Männern pro 100.000 Einwohner 2012) und Zypern die Länder mit den wenigsten Erkrankungs- und Sterbefällen. Vor allem in osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Kroatien und Slowakei (circa 90 Neuerkrankungen bei den Männern pro 100.000 Einwohner 2012) liegen die Erkrankungs- und Sterbezahlen höher im Vergleich zu Deutschland (circa 60 Neuerkrankungen bei den Männern pro 100.000 Einwohner 2012).

Weltweit tritt Dickdarmkrebs vor allem in wirtschaftlich weiter entwickelten Ländern auf, was auf Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten zurückgeführt werden kann.

Darmkrebs-Ursachen

Beim Dickdarmkrebs gibt es prädisponierende Faktoren, also Risiko-erhöhende Faktoren für Dickdarmkrebs, und protektive Faktoren, also vor Darmkrebs schützende Faktoren.

Risiko-erhöhende Faktoren für den kolorektalen Krebs

Es gibt sowohl beeinflussbare Faktoren wie Ernährung als auch nicht beeinflussbare Faktoren wie genetische Vorbelastung und Alter.

Genetische Faktoren als Risiko für Darmkrebs:

Familiäre Vorbelastungen und Syndrome stellen Risikofaktoren für Dickdarmkrebs dar. Dazu gehören:

  • Kolorektaler Krebs in der Familie
  • Familiäre Polyposis-Syndrome wie die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), bei denen im Dickdarm übermäßig viele Kolonpolypen auftreten, die als Vorstufen für Dickdarmkrebs angesehen werden. Bei solchen Syndromen wird die Vorsorge für Dickdarmkrebs intensiver betrieben, da ein viel höheres Risiko vorliegt.
  • Hereditäres nicht-polypöses Kolonkrazinom-Syndrom (HNPCC). Dieses erbliche Syndrom erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit, an Dickdarmkrebs zu erkranken, sondern zum Beispiel auch an Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs oder Magenkrebs. Das Syndrom geht im Gegensatz zu den familiären Polyposis-Syndrome nicht mit dem Auftreten von Kolonpolypen einher.

Ernährungs- und Lebensstil als Risikofaktoren für Darmkrebs:

Alles, was den Darm unnötig belastet und die Verdauung negativ beeinflusst, kann ein Risikofaktor für Darmkrebs sein. Dazu gehören:

  • Rauchen – Wissenschaftler fanden heraus, dass Raucher fast doppelt so häufig Darmkrebs entwickeln als Nicht-Raucher, warum das so ist, konnte noch nicht geklärt werden
  • Häufiger und übermäßiger Alkoholgenuss – Alkohol selbst und sein Abbauprodukt Acetaldehyd stellen ein Zellgift dar, das für eine Darmzellschädigung verantwortlich sein kann
  • Übergewicht und Bewegungsmangel – es werden einige Theorien diskutiert, warum das Risiko für Darmkrebs durch Übergewicht und Bewegungsmangel steigt, unter anderem geht eine verminderte Darmbewegung ‘von außen’ mit einer längeren Verweildauer von potenziellen Giftstoffen im Darm einher,
  • Ballaststoffarme Ernährung , fett- und fleischreiche Ernährung, insbesondere der Verzehr von rotem Fleisch – Ballaststoffe sorgen für eine schnellere Passage der Nahrung durch den Darm, wodurch schädliche Stoffe im Speisebrei nicht zu lange im Darm verweilen können, Gallensäuren werden von den Ballaststoffen gebunden und so unschädlich gemacht, auch schaffen Ballaststoffe eine saure Umgebung im Darm, was Darmbakterien eine optimale Umgebung schafft
  • Fett- und fleischreiche Ernährung – vor allem gesättigte Fettsäuren sind entzündungsfördernd und stehen im Zusammenhang mit Darmkrebs, genau wie Fleisch, der Mechanismus, der bei zu hohem Fett- und Fleischgehalt der Nahrung zu Darmkrebs beiträgt, ist nicht geklärt, eine Rolle können die bei der Konservierung entstehenenden Nitrate und Nitrite spielen

Andere Erkrankungen mit erhöhtem Risiko für kolorektalen Krebs

  • Kolonpolypen (Adenome), die nicht im Rahmen von Syndromen auftreten
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Diabetes mellitus Typ 2
  • Gleichzeitiges Auftreten von Krebserkrankungen der Brust, der Eierstöcke oder des Magens

Alter als Risikofaktor für Darmkrebs:

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter an. So sind Menschen, die älter als 40 Jahre sind, deutlich mehr gefährdet, an Darmkrebs zu erkranken.

Symptome und Anzeichen für Darmkrebs

Leider gibt es für den Dickdarmkrebs keine zuverlässigen Frühsymptome. Mögliche Anzeichen, die bei einer Darmkrebserkrankung auftreten können, können die folgenden Symptome sein:

  • Blut im Stuhl: Ein typisches, aber keineswegsnotwendiges, Zeichen für Dickdarmkrebs ist die Blutbeimischung im Stuhlgang. Frisches rotes Blut in der Toilettenschüssel sollte daher immer abgeklärt werden, auch, wenn bereits Hämorrhoiden oder Analfissuren (kleine sehr schmerzhafte Schleimhautrisse am Darmausgang) diagnostiziert worden sind.
  • Wie bei allen Krebserkrankungen können als Begleiterscheinungen Leistungsminderung, Müdigkeit und die sogenannte B-Symptomatik mit Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß auftreten.
  • Blutarmut: Aufgrund der möglichen Blutverluste durch den Dickdarmkrebs kann eine chronische Blutarmut entstehen. Diese Blutarmut ist in vielen Fällen der Grund dafür, dass der Darmkrebs bei der Untersuchung beim Arzt auffällt, also das erste Symptom, weswegen der Betroffene zum Arzt geht.

Plötzliche andauernde Veränderungen des Stuhlverhaltens, gerade bei Menschen älter als 40 Jahre, können ein Warnzeichen für Dickdarmkrebs sein und sollten ärztlich abgeklärt werden. Die Häufigkeit des Stuhlganges, die Menge und die Farbe des Stuhlganges, Blähungen mit versehentlichem Stuhlabgang oder üblen Gerüchen sind dabei in jedem Fall beim Hausarzt abklärbedürtig.

Ist der Dickdarmkrebs weit fortgeschritten, kann es zu Schmerzen und im Bauch tastbaren Verdickungen kommen.

Darmkrebsvorsorge

Das von den Krankenkassen angebotene Screening auf Darmkrebs fängt ab dem 50. Lebensjahr an.

  • Im Alter von 50 bis 54 Jahren können sich Frauen und Männer jährlich auf verborgenes Blut im Stuhl untersuchen lassen.

Dabei wird etwas Stuhl auf ein Testkärtchen (Haemoccult-Test® Guajak-Test) aufgetragen. Das Kärtchen zeigt an, ob Blut im Stuhl vorhanden ist oder nicht.

Wird Blut gefunden, erfolgt eine weiterführende Suche nach der Blutungsquelle. Zur Sicherheit wird eine Darmspiegelung des ganzen Dickdarmes vorgenommen.

Ab 55 Jahren haben Frauen und Männer Anspruch auf

  • zwei Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren oder
  • alternativ alle zwei Jahre auf den Test auf verborgenes Blut im Stuhl.

Möchten Sie selbst Vorsorge betreiben, sollten Sie einerseits die Angebote des Darmkrebs-Screenings wahrnehmen, andererseits auf Ihren Lebensstil achten.

  • Mäßigung:Verzichten Sie auf das Rauchen und auf zu viel Alkoholgenuss.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine fett- und fleischarme Ernährung. Essen Sie genügend Ballaststoffe wie zum Beispiel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen sowie Nüsse.
  • Bewegung: Treiben Sie Sport. Regelmäßige körperliche Betätigung kann Ihr Risiko für Dickdarmkrebs senken.

Die Darmkrebs-Vorsorge bei erblichen Darmerkrankungen, die zu Dickdarmkrebs führen können, weicht von der Vorsorge der Normalbevölkerung ab.

  • Bei Menschen mit dem familiären adenomatösen Polyposis-Syndrom (FAP) muss bereits ab dem 10. Lebensjahr eine jährliche Darmspiegelung der letzten Dickdarmabschnitte erfolgen. Wird eine Drüsenveränderung gefunden, muss jährlich der ganze Dickdarm in einer Spiegelung beobachtet werden.
  • Menschen mit dem hereditären, nicht-polypösen Kolonkarzinom (HNPCC) können ab dem 25. Lebensjahr eine jährliche Darmspiegelung in Anspruch nehmen. Da bei diesem Syndrom das Risiko für weitere Krebserkrankungen wie Gebärmutter- und Eierstock-Krebs sowie Magenkrebs erhöht ist, werden auch gynäkologische Untersuchungen und Ultraschall-Untersuchungen empfohlen.

Behandlung von Darmkrebs

Die Behandlung des kolorektalen Krebses ist abhängig von der Lage des Krebses, also ob im Kolon (Dickdarm) oder Rektum (Mastdarm), und von dem Stadium des Krebses.

Behandlung von Kolonkrebs

Krebs des Dickdarmes wird in den meisten Fällen operiert. Voraussetzung für eine Operation ist, dass, wenn Tochtergeschwülste in Lunge und/oder Leber vorhanden sind, diese auch in einer anschließenden Operation entfernt werden können.

Dickdarmkrebs-Operation

Eine Operation kann dabei entweder

  • offen, das heißt mit Schnitt durch die Bauchdecke, oder
  • laparoskopisch, das heißt mit der sogenannten Schlüssellochtechnik, durchgeführt werden.

Zu den gesunden Darmabschnitten wird ein ausreichender Sicherheitsabstand gewahrt, um ein Wiederauftreten des Krebses zu verhindern. Die Durchgängigkeit des Darmschlauches wird wiederhergestellt, sodass kein künstlicher Darmausgang eingesetzt werden muss. Sind Lymphknotenstationen von Krebszellen befallen, werden diese in derselben Operation mitentfernt.

Als nachfolgende Behandlungsmöglichkeit wird meist eine Chemotherapie nach 6 bis 8 Wochen nach der Operation angeschlossen.

Behandlung von Rektumkrebs:

Bei Krebs im Bereich des Mastdarmes (Rektumkrebs) wird in früheren Stadien 4 bis 6 Wochen vor einer Operation eine Bestrahlung und eine Chemotherapie durchgeführt. Dadurch wird das Risiko für ein Wiederauftreten des Krebses nach erfolgreicher Operation gesenkt.

Mastdarmkrebs-Operation:

Die Operation des Krebses im Mastdarm (Rektum) wird mit einem Sicherheitsabstand von den gesunden Darmzellen zu den Krebszellen durchgeführt.

  • Sicherheitsabstand zum Schließmuskel: Es  wird versucht, den Schließmuskel des Darmausganges zu schonen, damit der natürliche Darmausgang nach Herausnahme des Krebses erhalten werden kann (TME-Anteriore Rektumresektion mit totaler Mesorektumexzision).
  • Vorübergehender künstlicher Darmausgang: Um den operierten Abschnitt des Darmes nach der Operation zu schützen, wird ein vorübergehender künstlicher Darmausganges in Höhe des Dünndarmes gelegt. Dieser Darmausgang wird bei komplikationslosem Verlauf nach einigen Wochen wieder zurückgelegt.
  • Dauerhafter künstlicher Darmausgang: Kann der Sicherheitsabstand zum Schließmuskel des Darmausganges nicht eingehalten werden, so muss ein dauerhafter künstlicher Darmausgang (Anus praeter) gelegt werden (APR-Abdominoperineale Rektumexstirpation).
Behandlung von Mastdarmkrebs in frühen Stadien
  • In sehr frühen Stadien ist eine Krebsentfernung über den Darmausgang möglich. Dabei wird nur die betroffene Darmschicht von innen her abgetragen (TEM-transanale endoskopische Mikrochirurgie).
Behandlung von Mastdarmkrebs
  • Wurde vor der Operation die Bestrahlung und Chemotherapie durchgeführt, so wird in fortgeschrittenen Stadien erneut eine Bestrahlung und Chemotherapie angeschlossen.
  • Hat nur die Operation stattgefunden, muss immer eine Chemotherapie nachfolgen.
  • Wenn Metastasen in Leber und Lunge vorhanden sind, sollten sie nach Möglichkeit in einer Operation entfernt werden.
Behandlung von Darmkrebs im Endstadium

Im Endstadium, wenn die Tochtergeschwülste in Leber und Lunge nicht mehr in einer Operation entfernt werden können, richtet sich die Behandlung nach den Beschwerden.

  • Eine Heilung der Krebserkrankung ist in diesem Stadium nicht mehr möglich, jedoch kann die verbleibende Lebenszeit so schmerzfrei und symptomarm wie möglich gestaltet werden.
  • Eine Chemotherapie kann im besten Fall die Lebenszeit auf über 20 Monate verlängern.
  • Auch werden im Endstadium Antikörper zur Behandlung der Tochtergeschwülste genutzt, unter anderem Bevacizumab. Dieser Antikörper reduziert eine Gefäßneubildung im Krebsgewebe und kann damit das Wachstum des Krebses verlangsamen.

Chemotherapie gegen Darmkrebs

In der Behandlung des Kolonkrebses und des Rektumkrebses werden bestimmte Chemotherapie-Kombinationen genutzt. Die Entscheidung, welche Kombinationen genutzt werden, liegt bei dem behandelnden Facharzt (Gastroenterologe).

Die gängigsten sind

  • FOLFOX (5-Fluorouracil+Folinsäure+Oxaliplatin)
  • FOLFIRI (5-Fluoruracil+Folinsäure+Irinotecan)
  • XELOX (Capecitabin+Oxaliplatin).

Der Behandlung durch Operation, Chemotherapie und gegebenenfalls Bestrahlung schließt sich eine Rehabilitation (Reha) an. In dieser soll die Leistungsfähigkeit und normale Alltagsaktivität wieder hergestellt werden.

Nachsorge bei Darmkrebs

Nach erfolgreicher Behandlung sollte

  • auf den Genuss von Tabak und alkoholischen Getränke verzichtet werden, um den Kontakt mit  Giftstoffen wie Nikotin zu vermeiden.
  • schonend mit der Ernährung begonnen werden – noch in der Klinik werden Sie zunächst gar nichts essen dürfen und über einen Gefäßzugang Nährstoffe erhalten, dann wird die Nahrungsaufnahme schrittweise gesteigert, von flüssiger Kost zu festen Nahrungsmitteln, diese Steigerung passiert individuell und wird von Ihren behandelnden Ärzten verordnet. Im Anschluss an die Klinikbehandlung sollten Sie mit vielen kleinen Mahlzeiten anstatt wenigen großen weiter machen und die Nahrung im Mund schon gut kauen.
  • auch im Alltag eine darmfreundliche Ernährung (mit Ballaststoffen, fett- und fleischarm, möglichst kein Alkohol) angestrebt werden und auf körperliche Bewegung geachtet werden, um das Risiko eines Wiederauftretens des Krebses zu senken.

Eine Nachsorge beim Facharzt (Gastroenterologe) findet in den ersten zwei Jahren intensiver statt, da ein Wiederauftreten des Dickdarmkrebses in 80% der Fälle in diesen Zeitraum fällt.

Nachsorge bei Kolonkrebs

  • Untersuchung auf Metastasen: Das Wiederauftreten des Kolonkrebses oder die Entwicklung von Tochtergeschwülsten wird 6 Monate nach der Operation mit einem Ultraschall des Bauches sowie einer Darmspiegelung (Koloskopie) geprüft.
  • Untersuchung: Zusätzlich wird Ihr Arzt Sie zu möglichen Beschwerden befragen und eine allgemeine körperliche Untersuchung durchführen.
  • Blutuntersuchung: Mit einer Blutentnahme wird das CEA (Carcinoembryonales Antigen) bestimmt. CEA ist ein sogenannter Tumormarker, der bei erfolgreicher Behandlung normale Werte haben sollte. Steigt das CEA nach einer Operation im Blut wieder an, spricht dies für ein Wiederauftreten des Krebses.

Die Untersuchung, Befragung und Blutuntersuchung wird nach

  • einem Jahr,
  • nach 18 Monaten
  • nach 2, 3, 4, und 5 Jahren

nochmals wiederholt. Eine Koloskopie findet alle 5 Jahre statt.

Nachsorge bei Mastdarmkrebs

Für den Mastdarmkrebs gestaltet sich die Nachsorge genauso wie beim Kolonkrebs.

  • Zusätzlich wird 3 Monate nach der Operation eine Schichtbildaufnahme des Körpers (Computertomographie) durchgeführt.
  • Innerhalb von 5 Jahren wird jedes Jahr eine Röntgenaufnahme der Lunge veranlasst.

Lebenserwartung bei Darmkrebs

Darmkrebs ist in frühen Stadien gut zu behandeln. In den frühen Stadien I und II leben sowohl beim Kolonkrebs als auch beim Rektumkrebs nach 5 Jahren noch 95% beziehungsweise 85% der Betroffenen.

Die Lebenserwartung hängt vor allem von dem Ergebnis der Operation ab.

In dem späten Stadien III leben nach 5 Jahren noch 65% der Kolonkrebs-Patienten und 55% der Rektumkrebs-Patienten. Im Stadium IV, dem Endstadium, überleben nur knapp 5% der Betroffenen ihren Kolon- oder Rektumkrebs in den ersten 5 Jahren nach der Diagnosestellung.

Prominente mit Darmkrebs

Sharon Osbourne, die Ehefrau des britischen Rocksängers Ozzy Osbourne, hatte sich 2002 mit der Diagnose Darmkrebs an die Öffentlichkeit gewandt. Mit einer Operation und anschließender Chemotherapie hat sie den Darmkrebs besiegt und 2009 mit einer letzten Nachsorge-Untersuchung ihren Lebensalltag ohne Krebs wieder zurückgewonnen.

Fragen und Antworten zu Darmkrebs

Wie hoch ist mein Darmkrebsrisiko?

  • Rauchen Sie?
  • Trinken Sie regelmäßig oder über die Maßen Alkohol?
  • Essen Sie gerne Fleisch?
    • Vor allem rotes Fleisch?
  • Sind Sie übergewichtig?
  • Gibt es in Ihrer Familie Menschen,die an Darmkrebs erkrankt sind?
  • Hat in Ihrer Familie jemand ein Syndrom, dass das Darmkrebsrisiko erhöht? (FAP, HNPCC)

Wenn Sie den Großteil dieser Fragen mit Ja beantworten können, sollten Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten lassen. Ihr Darmkrebs-Risiko könnte erhöht sein.

Ihr Hausarzt wird mit Ihnen die Möglichkeiten einer Darmkrebs-Vorsorge besprechen. Dabei sind auch Sie selbst gefragt, Ihre Ernährung und Ihren Lebensstil zu verändern. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt zu diesem Thema beraten und werden Sie aktiv.

Wie kann ich mein Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, senken?

  • Treiben Sie Sport.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und ballaststoffreich.
  • Verzichten Sie des öfteren auf Fleisch und fettreiche Ernährung.
  • Wenn Sie übergewichtig sind, versuchen Sie Ihr Normalgewicht zu erreichen.
  • Reduzieren Sie beim Alkoholgenuss die Menge und die Häufigkeit.
  • Halten Sie vom Rauchen Abstand.

Diese Empfehlungen erscheinen in ihrer Umsetzung schwierig, aber fangen Sie klein an und steigern sich, bis Sie alles in Ihren Alltag einbauen können. Nicht nur Ihr Darm wird es Ihnen danken.

In meiner Familie gibt es Darmkrebs, was sollte ich für mich selbst tun?

  • Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten.
    Als Verwandter von Darmkrebs-Erkrankten könnten Sie selbst ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko haben.
  • Untersuchung auf bestimmte Syndrome:
    Auch besteht die Möglichkeit, dass es in Ihrer Familie Syndrome gibt, die mit einem erhöhtem Risiko für Darmkrebs einhergehen und die Sie selbst betreffen könnten.
  • Alter für Vorsorge:
    Ihr Hausarzt wird wissen, in welchem Alter es für Sie Sinn hat, eine Vorsorge-Untersuchung durchzuführen:Ob ab 50 Jahren oder eher, hängt davon ab, wie die Darmkrebserkrankung in Ihrer Familie entstanden ist. Machen Sie Ihren Hausarzt darauf aufmerksam.

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Innere Medizin von Gerd Herold und Mitarbeiter 2016

Bundesministerium für Gesundheit Stand: 2016

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