Leukämie ist ein Überbegriff für Krebserkrankungen des Knochenmarkes oder des lymphatischen Systems. Leukämie bedeutet ‘weißes Blut’, die Bezeichnung stammt aus dem 19.Jahrhundert. Bei Leukämien findet sich meistens, aber nicht immer, ein Überschuss an weißen Blutzellen im Blutsystem, das Blut erscheint ‘weiß’.

Leukämien sind im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen, wie Darmkrebs oder Lungenkrebs, in Deutschland relativ selten. Sie machen circa 2,4% aller Krebserkrankungen in Deutschland aus.

Trotzdem können gerade akute Leukämien bedrohliche Krankheitsbilder darstellen. Das Wissen über die Anzeichen einer Leukämie kann helfen, frühzeitig bei Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

In diesem Text erfahren Sie alles über

Leukämie-Arten

Ihren Ursprung nehmen Leukämien im Knochenmark. Das Knochenmark ist der Ort, an dem die lebensnotwendigen Blutzellen gebildet werden. Dazu gehören die Blutplättchen (Thrombozyten), die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) umfassen die Lymphozyten, die Granulozyten sowie die Makrophagen, sie haben jeweils unterschiedliche Aufgaben in der Immunabwehr.

Sie alle entstehen aus einer Stammzelle, aus der sich im Knochenmark entweder eine lymphatische Stammzelle oder eine myeloische Stammzelle entwickeln kann.

In Abhängigkeit davon, welche Stammzelle sich bösartig entwickelt, werden unterschieden:

  • lymphatische Leukämie:

Die zu der Gruppe der Leukozyten gehörenden Lymphozyten sind bösartig verändert.

  • myeloische Leukämie:

Die zu der Gruppe der Leukozyten gehörenden Granulozyten sind bösartig verändert.

Die jeweils entarteten Zellen verdrängen die Bildung der anderen Zellen im Knochenmark.

Es kommt zu einem Mangel an roten Blutkörperchen und Blutplättchen. Die entarteten Zellen sind bei den meisten Leukämien funktionsunfähig. Werden sie in die Blutbahn ausgeschwemmt, siedeln sie sich in anderen Organe an und verursachen dort Beschwerden.

Leukämie kann in Erscheinung treten als:

  • akute Form, das heißt relativ schnell verlaufend und innerhalb von Wochen bis Monaten unbehandelt zum Tode führen kann.
  • chronische Form, die sich über Wochen und Monate entwickelt und teils Jahre andauernd kann.

Zusammenfassend werden so vier Formen der Leukämie unterschieden:

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)
  • Chronisch myeloische Leukämie (CML)

Akute Leukämien:

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter, kann aber auch im Erwachsenenalter auftreten.

  • Beginnt in der lymphatischen Stammzelle und verhindert dort die Reifung der Fresszellen
  • Folge: bösartig veränderte unreife Lymphozyten sind in Knochenmark und Blutbahn zu finden.

Die Einteilung der ALL richtet sich nach dem Reifestadium der lymphatischen Zelle und ihrem Typ (T- oder B-Lymphozyten):

  • Vorläufer-ALL:
    • Pro-B-ALL
    • common-ALL
    • Prä-B-ALL
  • -Reife B-ALL
  • -T-Linien-ALL:
    • Frühe T-ALL
    • intermediäre T-ALL
    • reife T-ALL

Die akute myeloische Leukämie (AML) tritt eher im Erwachsenenalter auf, kann aber auch Kinder betreffen.

  • übermäßige Vermehrung von Granulozyten.
  • Die AML wird nach dem Reifestadium und Art der bösartig veränderten Zellen in M0 bis M7 eingeteilt.

Chronische Leukämien:

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist einwird der Gruppe der Lymphome zugeschrieben.,Lymphome sind Krebserkrankungen des Lymphsystems, die von Lymphozyten ausgehen und zu Schwellungen der Lymphknoten führen. Iim speziellen handelt es sich bei der CLL um ein B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom, das weniger aggressiv verläuft bösartig ist als andere Lymphome. Der Name Hodgkin stammt von dem englischen Arzt Thomas Hodgkin (1798-1866).

Die CLL wird trotzdem den Leukämien zugeordnet, da im Blut übermäßig viele bösartig veränderte Lymphozyten auftreten, die aus dem Lymphom ausgewandert sind.

Die chronische myeloische Leukämie (CML) wird zu den chronisch myeloproliferativen Erkrankungen (Krebserkrankungen, bei denen übermäßig viele funktionstüchtige Zellen im Knochenmark produziert werden,; die Ursachen für diese Zellentartung ist nicht geklärt)gezählt.

  • unkontrollierte Vermehrung von bösartig veränderten myeloischen Zellen im Knochenmark.
  • Ausbreitung: Diese Zellen werden in das Blutsystem ausgeschwemmt und führen so zur Leukämie.

 

Leukämie-Stadien

Leukämien stellen kein einheitliches Erkrankungsbild dar. Deshalb ist der Verlauf einer Leukämie abhängig von der Art der Leukämie.

Myeloischen Leukämien (AML, CML):

  • Beginn: In den Die Vorläuferzellen der Granulozyten (bilden einen Teil der Leukozyten) verändern sich bösartig.mutieren die Zellenaus.
  • Ausbreitung: Die bösartig veränderten Zellen vermehren sich unkontrolliert im Knochenmark und führen zunächst zu einer Verdrängung der anderen Blutzellen im Knochenmark.
  • Übertritt in die Blutbahn: Ab einem gewissen Zeitpunkt treten die veränderten Zellen massenhaft in die Blutbahn über. Ab dem Zeitpunkt sprechen Mediziner von einer Leukämie.

Lymphatische Leukämien (ALL, CLL)

  • Beginn:betreffen die Lymphozyten (bilden eine weitere Untergruppe der Leukozyten). In den Lymphknoten, dem Thymus oderund dem Knochenmark reifen veränderte Lymphozyten (Abwehrzellen) heran
  • Ausbreitung: Bei der ALL verdrängen die veränderten Zellen im Knochenmark andere Zellen der Blutbildung. Bei der CLL schwellen die Lymphknoten an, ohne Schmerzen zu verursachen.Die Lymphknoten schwellen an
  • Lymphozyten reifen sowohl im Knochenmark als auch in lymphatischem Gewebe (vor allem im Thymus und  den Lymphknoten) heran. Bei der CLL beginnt die Leukämie-Erkrankung deshalb zunächst in den Lymphknoten, was sich durch Lymphknotenschwellungen äußert.
  • Übertritt in die Blutbahn: Auch die entarteten Lymphozyten können entweder vom Knochenmark oder von den Lymphknoten ausgeschwemmt werden und führen so zu einem Überschuss an unreifen funktionsuntüchtigen Zellen in der Blutbahn.

Die entarteten Zellen siedeln sich über die Blutbahn meist zunächst in Leber und Milz ab und führen dort zu Funktionsbeeinträchtigungen und Organschwellungen.

Mit einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung werden andere Organe von den Leukämie-Zellen befallen, darunter:

  • Hoden
  • die Haut
  • die Nieren
  • die Lunge
  • die Hirnhäute (besonders bei der ALL)

Je früher im Reifungsprozess der Blutzellen die Entartung stattfindet, desto akuter verläuft die Leukämie.

Bei akuten Leukämien werden massenhaft frühe Formen der weißen Blutzellen produziert und ausgeschwemmt, sodass die akuten Leukämien innerhalb weniger Wochen oder Monate unbehandelt zum Tod führen können.

Im Gegensatz dazu sind bei den chronischen Leukämien spätere Reifungsstadien der weißen Blutzellen betroffen. Dadurch vermehren sich diese langsamer als bei den akuten Leukämien.

Die CLL schreitet meist so langsam fort, dass gerade die älteren Patienten nicht an ihrer Leukämie-Erkrankung versterben, sondern mit ihr.

Bei der CML kann im Endstadium ein Übergang ähnlich zu einer akuten Leukämie stattfinden, sodass es auch hier innerhalb weniger Wochen oder Monate zum Tod kommen kann.

Einfluss auf andere Erkrankungen

Die AML tritt als häufigste Krebserkrankung nach vorangegangener Strahlen- oder Chemotherapie auf.

Auch kann sie aus anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems hervorgehen.

Das Down-Syndrom (Trisomie 21) geht mit einem 20-fach erhöhtem Risiko, an AML in der Kindheit zu erkranken, einher.

Gleichzeitig stehen jedoch die Heilungschancen und das Überleben für Kinder mit Down-Syndrom höher. Die Gründe dafür sind bisher noch unerforscht.

 

Folgen und Folgeerkrankungen

Die entarteten Zellen bei Leukämie können sich prinzipiell in jedem Organ absiedeln:

  • Lymphknoten
  • Milz
  • Leber
  • Lunge
  • Nieren
  • Haut
  • Gehirn.

Folgen der Leukämie-Erkrankungen

Gerade im Gehirn kann es dabei zu ganz unterschiedlichen neurologischen Folgeerkrankungen kommen. Wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Lähmungen, Seh- und Sprechstörungen, Krampfanfällen sowie Bewusstseinsstörungen.

Die CLL, die zu den eher nicht aggressiven Lymphomen gehört, kann im Laufe der Erkrankung in ein aggressives Lymphom übergehen. Diese Veränderung nennt sich Richter-Transformation. Die Überlebenswahrscheinlichkeit verschlechtert sich dadurch sehr.

Bei der CLL treten gelegentlich Hauterscheinungen auf, die zunächst von Ärzten nicht direkt mit einer Leukämie in Verbindung gebracht werden.

  • Juckreiz am ganzen Körper
  • Quaddelbildungen
  • Gürtelrose
  • Herpes-Infektionen
  • Pilzerkrankungen der Haut
  • Hautrötung am gesamten Körper (Erythrodermie)

Die CML weist die höchsten Leukozytenzahlen auf und steht dadurch in Verbindung mit der Bildung von Blutgerinnseln, die zu Herzinfarkten oder auch einer Dauererektion führen können.

Folgen der Behandlung:

In Folge der Leukämie Behandlung mit Chemotherapeutika kann es zum so genannten Tumorlyse-Syndrom kommen:

  • Krebszellen zerfallen sehr schnell und setzen ihren Zellinhalt frei.
  • Dieser Zellinhalt kann die Niere schädigen und so zu Nierenversagen und Stoffwechselstörungen führen.

Dem Syndrom wird während der Therapie mit bestimmten Medikamenten entgegengewirkt.

Die bei der Behandlung angewendeten Chemotherapeutika und die Strahlentherapie können Nebenwirkungen haben:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Haarausfall
  • Durchfall

Auch die Stammzelltransplantation stellt ein risikoreiches und aufwendiges Verfahren dar. Die Stammzellen können abgestoßen werden und mögliche Infektionen können durch die fehlenden Immunzellen lebensbedrohlich sein.

Risikofaktoren für Leukämie

Leukämien sind verglichen mit anderen Krebserkrankungen selten. 15% der Leukämie-Erkrankungen macht die CML aus, etwa 30% die CLL und 50% entfallen auf die AML und ALL.

Leukämie-Risikofaktor Alter:

akute myeloische Leukämie (AML):

  • Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei der AML bei 71 Jahren.
  • Das Risiko zu erkranken, steigt mit dem Alter an:
    • Bei über 70-jährigen treten pro Jahr und pro 100.000 Menschen 100 neue Erkrankungsfälle auf.
    • Zwischen 2004 und 2013 erkrankten im Mittel 39 Mädchen und 41 Jungen unter 15 Jahren.

akute lymphatische Leukämie(ALL):

Die ALL hat zwei Häufigkeitsgipfel.

  • Kinder: Bei Kindern unter 5 Jahren stellt die ALL die häufigste Krebserkrankung dar. Die Erkrankungshäufigkeit sinkt nach dem 5. bis zum 50. Lebensjahr wieder ab.
  • Erwachsene: Ab 50 Jahren steigt die Erkrankungshäufigkeit langsam wieder an und erreicht bei 80 Jahren einen zweiten Häufigkeitsgipfel.

Chronisch myeloische Leukämie (CML):

  • Mittleres Alter: Die CML weist einen Erkrankungsgipfel bei 55 bis 60 jährigen auf. Sie kann aber in jedem Alter auftreten.
  • In den Jahren 2004 bis 2013 sind im Mittel pro Jahr jedoch lediglich 3 Mädchen sowie 3 Jungen an CML erkrankt.

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Die CLL ist eine Krebserkrankung des Alters. Die höchsten Erkrankungsraten liegen für Männer zwischen dem 80. bis 84. Lebensjahr, für Frauen ab dem 85. Lebensjahr und älter.

Leukämie-Risikofaktor Geschlecht:

2013 erkrankten 5820 Frauen und 7570 Männer neu an Leukämie, 3560 Frauen und 4395 Männer starben 2013 an Leukämie. Männer sind dementsprechend etwas häufiger von Leukämie betroffen als Frauen.

Für Männer und Frauen belegte Leukämie 2012 den 11. Platz bei den Krebsneuerkrankungen. Bei den Krebssterbefällen rutsche Leukämie für Männer und Frauen auf den 7. Platz hoch.

Einer von 67 Männern und eine von 91 Frauen erkrankt im Laufe des Lebens an Leukämie.

Bei beiden Geschlechtern blieben die Erkrankungsraten zwischen 1999 und 2012 relativ stabil, die Sterberaten sind hingegen kontinuierlich zurückgegangen.

Risiko nach Wohnort:

Innerhalb Deutschlands wurden 2012 die höchsten Erkrankungsraten in Hamburg beobachtet, und die höchsten Sterberaten im Saarland.

International ließ sich 2012 die USA als Spitzenreiter der Leukämie-Neuerkrankungen ausmachen.

Innerhalb Europas zeigt sich vor allem bei Kindern eine höhere Erkrankungsrate in Ländern mit höherem Wohlstand.

Nach der Wende in Deutschland glichen sich die zunächst niedrigeren Erkrankungsraten bei Kindern im Osten Deutschlands an die höheren Erkrankungsraten im Westen von Deutschland an.

Die CLL ist die häufigste leukämische Krebserkrankung in den westlichen Industriestaaten.

Ursachen für Leukämie

Akute Leukämien:

In den meisten Fällen ist die tatsächliche Ursache einer akuten Leukämie unbekannt. Es gibt aber eine Reihe von Risikofaktoren, die in 1-2% der Fälle als Ursache ausgemacht werden können.

ALL:

  • Genetische Faktoren:
    • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • Umweltfaktoren:
    • Radioaktive Strahlung
    • Benzol
  • Medikamente wie:
    • Chloramphenicol
    • Chemotherapeutika: mit
      • Alkylantien
      • Epipodophyllotoxinen
      • Topoisomeraseinhibitoren

AML:

  • Genetische Faktoren:
    • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • Umweltfaktoren:
    • Radioaktive Strahlung
    • Benzol
    • Rauchen
    • Mineralölprodukte
    • bestimmte Farben
    • Äthylenoxiden
    • Herbizide
    • Pestizide
  • Arzneimittel wie
    • Chloramphenicol und Phenylbutazon
    • Zytostatika (wichtigste Verursacher)
    • typischerweise Alkylanzien sowie
    • Topoisomerase-Inhibitoren-II (Anthra-zykline, Anthrachinone, Epipodophylotoxine)
  • Andere Krebsarten der Blutbildung:
    • Myeloysplastische Syndrome (MDS)
    • Osteomyelofibrose
    • CML

Chronische Leukämien:

Auch die Ursachen der chronischen Leukämien sind weitesgehend ungeklärt.

Einige Risikofaktoren lassen sich dennoch ausmachen.

CLL:

  • Genetische Faktoren:
    • Menschen mit erkrankten Angehörigen haben ein leicht erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken
  • Umweltfaktoren:
    • Benzol

CML:

  • Genetische Faktoren:
    • Philadelphia Translokation (BCR-ABL)
  • Umweltfaktoren:
    • Ionisierende Strahlen (Röntgenaufnahmen, CT-Untersuchungen sowie atomare Unfälle)
    • Benzol

 

Symptome und Anzeichen

Akute Leukämien:

Üblicherweise entwickeln sich die Anzeichen einer akuten Leukämie über wenige Tage und es kommt rasch zu einer Leistungsminderung sowie Fieber und eventuell auch Gewichtsverlust.

Die Leitsymptome der akuten Leukämien entstehen durch eine Verdrängung der normalen Zellbildung im Knochenmark:

  • Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) mit
    • Blutarmut (Anämie) mit blasser Haut und Schleimhaut
    • Luftnot
    • Schwindel
    • schnellerer Herzaktion (Tachykardie) sowie
    • Müdigkeit.
  • Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) mit
    • Blutungsneigung mit vermehrtem Auftreten von blauen Flecken (Hämatome)
    • punktförmigen oder kleinflächige Einblutungen in die Haut (Petechien, Eckchymosen)
    • vermehrtem Nasenbluten (Epitasis) und
    • starken Monatsblutungen (Menorrhagien).

Die übermäßig produzierten und unreifen Leukozyten sind nicht funktionstüchtig, es kommt zu:

  • Immunschwäche mit Neigung zu Infekten der Lunge, des Rachens und der Haut sowie Pilzerkrankungen
  • Begleitend kann sich eine grippeähnliche Symptomatik einstellen.

Wandern die vom Krebs veränderten Blutzellen in Organe ein, kann es hier zu Schwellungen kommen.

  • Milzschwellung (Splenomegalie)
  • Leberschwellung (Hepatomegalie) mit Bauchschmerzen
  • Hautschwellungen
  • Zahnfleischschwellungen (Gingivahyperplasie) mit Zahnfleischblutungen
  • Lymphknotenschwellungen im ganzen Körper

Selten, aber möglich ist eine Hodenschwellung sowie eine Schwellung der Tränendrüsen mit Sehstörungen und trockenen Augen.

Ein Fünftel der Leukämie-Patienten beklagen Knochen- und Gelenkschmerzen. Vor allem bei Kindern fällt dann eine Laufunwilligkeit auf beziehungsweise selten wird eine Gehunfähigkeit beobachtet.

Bei 7% der von einer ALL Betroffenen ist zunächst das Gehirn oder Rückenmark betroffen. Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteifigkeit bis hin zu Nervenausfällen oder Querschnittslähmung können die Folge sein.

Bestimmte Arten der ALL führen zu einer Vergrößerung des Thymus. Dieser sitzt hinter dem Brustbein. Bei einer übermäßigen Schwellung kann es zu Luftnot und Stauung der Halsvenen kommen.

Chronische Leukämie:

CLL:

Die CLL entwickelt sich im menschlichen Körper lange Zeit unbemerkt. Dabei wird die Krebserkrankung meist zufällig durch erhöhte Lymphozyten-Werte im Blut entdeckt.

Mögliche Symptome einer fortgeschrittenen CLL-Erkrankung:

  • B-Symptomatik: Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß
  • Schmerzlose Lymphknotenschwellungen
  • Milz- und/oder Leberschwellungen (Spleno-/Hepatomegalie)
  • Juckreiz (Pruritus) und Quaddelbildungen (Urticaria) am ganzen Körper
  • Immunschwäche mit einer erhöhten Anfälligkeit für bakterielle und virale sowie Pilzerkrankungen
  • Schwellungen der Tränen- und/oder Ohrspeicheldrüsen (Mikulicz-Syndrom)
  • Blutarmut und erhöhte Blutungsneigung

CML:

Die CML läuft in drei Phasen mit unterschiedlichen Beschwerden ab.

Erste Phase (chronische Phase): beginnende Verdrängung der Blutbildung im Knochenmark

  • häufig ohne Symptome
  • kann bis zu 10 Jahre andauern
  • übermäßige Milzschwellung mit Beschwerden im linken Oberbauch
  • Chronische Müdigkeit
  • B-Symptomatik: Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß

Zweite Phase (Akzelerationsphase): fortgeschrittene Verdrängung der Blutbildung im Knochenmark und Ausschwemmung von zu vielen unreifen Leukozyten

  • Mehrmonatiger Verlauf
  • Blutarmut
  • Blutungsneigung
  • Organinfarkte, das heißt Einengung von Blutgefäßen durch Gerinnsel aus Leukozyten – Herzinfarkt, Milzinfarkt
  • Dauererektion
  • Zentralvenenverschluss des Auges mit Sehverschlechterung

Dritte Phase (Blastenkrise): ähnelt einer akuten Leukämie

  • Stark reduzierter Allgemeinzustand
  • Zunehmende Knochenmark-Verdrängung
  • Unbehandelt meist innerhalb weniger Wochen tödlich

Vorsorge gegen Leukämie

Für die Leukämien gibt es keine Früherkennungs-Programme der gesetzlichen Krankenkassen. Da die genauen Ursachen, die zu einer Leukämie führen können, relativ unbekannt beziehungsweise Gegenstand der aktuellen Forschung sind, ist eine individuelle Vorsorge schwierig.

Jedoch können bekannte Risikofaktoren vermieden werden.

  • Vermeiden Sie, dass bei Ihnen unnötige oder doppelte Röntgenaufnahmen oder Schichtbildaufnahmen (Computertomographie) vorgenommen werden. Oft lassen sich solche Untersuchungen nicht vermeiden, Sie können aber darauf achten, dass nicht doppelte Aufnahmen gemacht werden.
  • Wenn Sie beruflich oder privat mit bestimmten chemischen Stoffen wie Insektenbekämpfungsmittel (Insektizide), Pflanzenschutzmittel (Herbizide) sowie anderen biologischen Stoffen (Biozide) oder organischen Lösungsmitteln wie Benzol zu tun haben, achten Sie auf angemessene Schutzmaßnahmen. Lassen Sie sich von einem Arbeitsmediziner beraten.
  • Wurden Sie schon einmal mit einer Chemotherapie behandelt, sollten Sie besonders auf erste Anzeichen einer Leukämie wie Müdigkeit, Blässe, plötzliche Blutungen oder Luftnot Acht geben und bei Unsicherheiten Ihren Arzt kontaktieren.
  • Absoluter Rauchverzicht.

Leukämie-Behandlung

Akute und chronische Leukämien werden unterschiedlich behandelt. Bei beiden Formen steht die Chemotherapie im Mittelpunkt der Behandlung. Sie kann ergänzt werden durch eine Strahlentherapie, eine zielgerichtete Behandlung mit Antikörpern oder eine Stammzelltransplantation.

Behandlung für akute Leukämien:

Ziel der Behandlung von akuten Leukämien ist immer eine Heilung. Dabei versuchen Mediziner die entarteten Zellen vollständig zu zerstören und weniger als 5% unreife Zellen im Knochenmark zu erreichen (komplette Revision).

Die Art der Behandlung ist dabei abhängig von der individuellen Erkrankung, dem körperlichen Zustand und dem Alter.

Die Chemotherapie sollte zügig eingeleitet werden. Schon eine Verzögerung von 5 Tagen bis zum Behandlungsbeginn kann die Überlebenschancen verringern. Es werden dazu verschiedene Zytostatika kombiniert. Die Kombinationen unterscheiden sich bei der ALL und der AML.

Die Chemotherapie teilt sich meist in 4 Phasen:

  1. Induktionstherapie: Diese Phase zieht sich je nach Erkrankung über mehrere Wochen und beinhaltet mehrere Chemotherapie-Zyklen.
  2. Konsolidierungstherapie: Auch, wenn nach der Induktionstherapie keine Krebszellen mehr nachzuweisen sind, schließt sich eine Konsolidierungstherapie an. Damit versuchen Mediziner ein erneutes Auftreten (Rezidiv) der Krebszellen zu verhindern.
  3. Re-Induktionstherapie: Über einige Wochen wird eine erneute Induktionstherapie angeschlossen.
  4. Erhaltungstherapie: Meist bei der ALL wird mit einer über 2 Jahre andauernden Erhaltungstherapie das Risiko eines Wiederauftretens (Rezidiv) gesenkt.

Da sich bei der ALL Krebszellen bevorzugt bei den Hirnhäuten absiedeln, können Chemotherapeutika direkt in das Hirnwasser (Liquor) über den Rückenmarkskanal eingespritzt werden.

Darüber hinaus kann eine Strahlentherapie des Schädels notwendig werden. Diese wird bei Kindern aufgrund von Langzeitschäden vermieden.

Bei einem Rückfall (Rezidiv) oder einer erfolglosen Behandlung steht als letzte Behandlungsoption eine Stammzelltransplantation zur Verfügung. Nicht jeder kann jedoch eine solche Transplantation bekommen.

Im Vorfeld verabreichen Mediziner dazu erneut eine hochdosierte Chemotherapie und eventuell eine Ganzkörperbestrahlung des Knochenmarkes.

Damit soll eine komplette Zerstörung der bösartig veränderten Knochenmarkzellen erreicht werden.

Im Anschluss werden dem Patienten gespendete Stammzellen übertragen.

Ein Spender aus der Familie oder ein Fremdspender (nationale und internationale Knochenmarkspenderregister), der übereinstimmende Gewebemerkmale (HLA-Kompatibilität) mit dem Patienten hat, spendet seine Stammzellen. Diese werden dem Patienten verabreicht.

In der Phase der Stammzelltransplantation müssen die Patienten in spezialisierte Zentren, in denen eine komplette Isolation zur Außenwelt möglich ist, behandelt werden.

Da die Patienten keine Zellen zur Immunabwehr mehr besitzen, da diese sich mit der Stammzelle neu bilden müssen, sind Infektionen absolut zu vermeiden. Diese können sonst zum Tode führen.

In Begleitung zu der Behandlung verabreichen Mediziner oft vorbeugend Antibiotika. Darüber hinaus können Bluttransfusionen notwendig werden.

Behandlung für chronische Leukämien:

CML:

Eine Heilung der CML kann nur durch eine Stammzelltransplantation erreicht werden. Da dieser Eingriff aber sehr nebenwirkungsreich ist, wird mit Hilfe von einer zielgerichteter Therapie die CML in ihrem Fortschreiten aufgehalten.

Die zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinasehemmern (Imatinib, Nilotinib und Dasatinib) hat weniger Nebenwirkungen und stellt die Standardbehandlung dar.

Sie kann nur durchgeführt werden, wenn die BCR-ABL-Mutation Philadelphia Translokation (eine Chromosomenveränderung, bei der sich zwei Chromosomen überlagern) bei der CML vorliegt.

Die Tyrosinkinasehemmer inaktivieren ein Enzym, das nur von Leukämiezellen gebildet wird.

Die Behandlung mit diesen Medikamenten erfolgt in der Regel lebenslang. Trotz weniger Nebenwirkungen muss regelmäßig eine Kontrolle des Blutes sowie eventuell des Knochenmarkes erfolgen.

Im Vorfeld kann mit Hydroxyurea die Zellzahl der entarteten Zellen gesenkt werden.

Bei unzureichendem Ansprechen stehen Chemotherapie und als letztes Mittel die Stammzelltransplantation zur Verfügung.

CLL:

Die Behandlung der CLL richtet sich nach dem Alter des Patienten, nach dem Beschwerdebild und genetischen Befunden.

Ein frühes Stadium der CLL kann in einigen Fällen nur beobachtet werden (watch and wait), da die Erkrankung sehr langsam voranschreitet und vor allem ältere Menschen betroffen sind, denen oft Behandlungen mehr schaden als helfen würden.

Zur Behandlung stehen Chemotherapeutika und zielgerichtete Medikamente zur Verfügung. Die Behandlungsstrategien der CLL unterliegen einem ständigen Wandel. Zugelassene Medikamente in der zielgerichteten Behandlung sind zum Beispiel die CD-20-Antikörper (Rituximab, Obinutuzumab), die CD-25-Antikörper (Alemtuzumab) sowie Chemotherapeutika wie Purinanaloga (Fludarabin) und Alkylanzien (Cyclophosphamid, Chlorambucil, Bendamustin).

Bei mangelndem Ansprechen der CLL auf die Behandlung besteht als letzte Möglichkeit die allogene Stammzelltransplantation.

Gerade im Rahmen der Stammzelltransplantationen ist auf eine keimarme Ernährung zu achten (durch beispielsweise den Verzicht auf ungegartes Fleisch (Tatar), Rohmilchkäse usw.). Dazu gibt es in den spezialisierten Zentren Ernährungspläne. Nicht alles, was gesund scheint, ist für eine ausgewogene Ernährung im Rahmen der Leukämie-Behandlung gut.

Bei allen Leukämie-Arten gilt, die Heilungschancen hängen stark von der Art der Leukämie, von genetischen Konstellationen und von der individuellen Situation ab.

Nachsorge bei Leukämie

Für alle Leukämie-Arten gilt, dass Sie gewissenhaft die Nachsorge-Termine wahrnehmen sollten. Im Rahmen der Nachsorge wird Ihr Arzt Sie in regelmäßigen Abständen zu Blutuntersuchungen, körperlichen Untersuchungen sowie eventuell zu einer Knochenmarkuntersuchung einbestellen.

Dabei kann frühzeitig ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Leukämie erkannt werden. Ein Rezidiv ist bei der ALL bis zu 5 Jahre nach der ersten Erkrankung möglich, danach nimmt das Risiko eines Wiederauftretens ab.

AML-Erkrankte haben das höchste Risiko eines Rezidivs in den ersten beiden Jahren.

Lebenserwartung bei Leukämie

Akute Leukämien führen unbehandelt innerhalb weniger Wochen zum Tod. Bei einer frühzeitigen Behandlung kann die Lebenserwartung sehr individuell ausfallen.

  • Die 5-Jahres-Überlebensraten bei ALL-Patienten liegen für Kinder und Jugendlichen bei circa 80%, für Erwachsene, vor allem ältere, teilweise bei nur 20%.
  • Die Mehrzahl der behandelten ALL-Erkrankten kann nach einigen Jahren als geheilt angesehen werden.
  • Die 5-Jahres-Überlebensrate der AML-Patienten liegt im Durchschnitt bei 30%.
  • Insgesamt leben 10 Jahre nach Diagnosestellung noch etwa ein Drittel aller erkrankten Erwachsenen.

Prominente, die an Leukämie erkrankten

Gaby Sonnenberg

Die Fernsehmoderatorin Gaby Sonnenberg musste gleich zwei Mal die Diagnose Leukämie überwinden. „Egal was das Schicksal mir vor Füße wirft, ich nehme es an und bewältige es.“ , so Sonnenberg. Sie kämpfte sich durch die Chemotherapien, bekam einen Leukämie-Rückfall, überstand eine Knochenmarktransplantation und gilt heute als geheilt.

Schon während ihrer Erkrankung schrieb sie viel mit ihrem langjährigen Wegbegleiter Jürgen von der Lippe. Aus den E-mails entstand ein Buch: Der Krankentröster.

José Carreras

Der Name des spanischen Tenors José Carreras steht heute für eine Leukämie-Stiftung, für die viele Prominente als Botschafter auftreten, unter anderem Senta Berger und Peter Maffay.

Carreras war selbst 1987 an Leukämie erkrankt. Er konnte geheilt werden und gründete 1988 aus Dankbarkeit die José-Carreras-Stiftung mit dem Ziel: ‘Leukämie muss heilbar werden. Immer und für jeden.’

Guido Westerwelle

Der deutsche Politiker Guido Westerwelle erlag im März 2016 seinem zwei Jahre dauernden Kampf gegen seine AML.

2014 bekam Westerwelle die Diagnose. Er unterzog sich einer Chemotherapie, ließ sich das Knochenmark transplantieren und trat nur noch selten in der Öffentlichkeit auf.

Im Alter von 54 Jahren starb Westerwelle an einer Lungenentzündung im Kölner Universitätsklinikum.

Selbsttest:Wie hoch ist mein individuelles Risiko, an Leukämie zu erkranken?

Das individuelle Risiko lässt sich schwer abschätzen, da die Mechanismen, die zu Leukämien führen, noch nicht gänzlich geklärt sind. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die Sie vorbeugend ergreifen können.

  • Sie tun sich selbst etwas Gutes, wenn Sie aufhören zu rauchen oder gar nicht erst anfangen.
  • Vermeiden Sie auch, wenn es möglich ist, zu viele radiologische Untersuchungen beim Arzt. Lassen Sie nichts doppelt machen und führen Sie ein Röntgenheft, wenn Sie öfters solche Untersuchungen bekommen müssen.
  • Seien Sie wachsam, wenn Sie bereits eine Chemotherapie wegen einer anderen Erkrankung erhalten haben.

Wie kann ich eine Leukämie ‘erkennen’?

Nur Ihr Arzt ist in der Lage einzuschätzen, ob Ihre Symptome Ausdruck einer Leukämie sein können oder nicht.

Jedoch sollten Sie bei einem Auftreten denr folgenden Symptomen möglichst schnell Ihren Arzt aufsuchen, auch wenn diese nicht immer Schlimmes verheißen müssen:

  • Blaue Flecken oder Hauteinblutungen auch ohne vorheriges Trauma
  • Plötzlicher Leistungsknick, vermehrte Müdigkeit, Blässe, Luftnot
  • Lang anhaltende Infekte
  • Ungewöhnliche Bauchschmerzen, vor allem im linken Oberbauch
  • Lymphknotenschwellungn

Hinter all diesen Anzeichen könnte (muss aber nicht) eine Leukämie stecken.Aber machen Sie sich nicht verrückt, ein Arztbesuch kann dies schnell klären.

onkopedia.com

awmf.org (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-014l_S1_Akute_lymphoblastische_Leukaemie_ALL_2016-04.pdf, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-031l_S1_Akute_myeloische_Leuk%C3%A4mie_im_Kindesalter_2013-02.pdf)

amboss.miamed.de

krebsdaten.de

krebsgesellschaft.de