Beinahe jeder von Ihnen ist mit Demenz schon einmal konfrontiert gewesen. 3 % der 65-Jährigen und jeder Dritte der über 90-Jährigen entwickelt heutzutage eine Demenz, denn die Zahlen steigen mit dem Alter exponentiell an – es handelt sich um die häufigste psychische Erkrankung im Alter.

Vielen macht der Gedanke an Demenz Angst – Angst vor dem Verlust der Persönlichkeit, der Fähigkeiten, der Erinnerungen an das eigene Leben und der Selbstständigkeit.

Im folgenden Text erfahren Sie alles über

Was genau ist Demenz?

Als Demenz bezeichnet man einen Zustand, der als Folge von verschiedenen Krankheiten erworben werden kann und durch einen Verlust der Gedächtnisleistung charakterisiert ist. „dementia“ entstammt dem Lateinischen und steht für „ohne Geist“, „ohne Verstand“. Die Häufigkeit von Demenz nimmt im Alter stark zu – aber: Demenz ist keine Alterserscheinung!

Demenz ist eine organisch psychische Erkrankung. Man fasst darunter eine Gruppe von Störungen zusammen, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind.

Verschiedene Formen von Demenz

Grundsätzlich unterscheidet man Demenzen nach ihrer Ursache:

  • primäre Demenz (die Ursache liegt im Gehirn)
  • sekundäre Demenz/dementielles Syndrom (die Symptome treten auf Basis einer anderen (Organ-)Krankheit auf)

Primäre Demenzen

90 % aller Demenzerkrankungen sind primär und werden weiter unterteilt in:

  • Degenerative Demenzen
  • Vaskuläre Demenzen
  • Mischformen und andere Ursachen

Degenerative Demenzen

Degeneration bedeutet Abbau – in diesem Falle den Abbau von Nervenzellen im Gehirn. Mit 70 % gehören die meisten Demenzerkrankungen zu den degenerativen Demenzen. Sie treten im Rahmen der folgenden Gehirnerkrankungen auf:

  • Morbus Alzheimer: wurde erstmals im Jahre 1906 von Alois Alzheimer beschrieben und ist die häufigste Form einer Demenz. Eiweißablagerungen im Gehirn führen dazu, dass Nervenzellen und ihre Kontakte im Großhirn absterben. Tritt sie vor dem 60. Lebensjahr auf, spricht man von einer präsenilen Demenz – danach ist oft von Altersdemenz oder seniler Demenz die Rede.
  • Morbus Parkinson: bei der Parkinson-Erkrankung sterben aus bislang unbekannten Gründen die Zellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin, das sogenannte Glückshormon produzieren, wodurch es zu einem Mangel an Dopamin kommt. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die Steuerung wichtiger körperlicher und geistiger Funktionen zuständig ist. Ohne diesen Botenstoff kann die Signalübertragung in den Nerven nicht mehr richtig stattfinden, weshalb aufgrund eines Dopaminmangels kommt es zu zahlreichen Störungen der normalen Körperbewegung (Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit, Muskelzittern) kommt, weil die Signalübertragung in den Nerven nicht mehr richtig stattfinden kann. Oft tritt im späten Stadium von Parkinson eine Demenz auf: dabei vermutet man als Ursache Proteinablagerungen in den Nervenzellen, sogenannte Lewy-Körperchen, weshalb auch oft von einer Lewy-Körperchen-Demenz (engl. Lewy-Body-Demenz) die Rede ist.
  • Morbus Pick: die Pick-Krankheit ist auch bekannt als frontotemporale Demenz, eine neurodegenerative Erkrankung im Stirn bzw. Schläfenlappen des Gehirns, die primär eine Veränderung der Persönlichkeit und der sozialen Verhaltensweisen hervorruft.
  • Chorea-Huntington: eine Erbkrankheit, bei der jener Bereich des Gehirns nach und nach zerstört wird, der für die Steuerung der Muskeln und psychische Funktionen verantwortlich ist.
  • Creutzfeld-Jakob-Krankheit: bei dieser Erkrankung kommt es im Gehirn zu einer Anreicherung von infektiösen Eiweißpartikeln, sogenannten Prionen. Die Bildung dieser Partikel kann erblich bedingt sein, aber auch durch z.B. verunreinigtes Operationsbesteck übertragen werden. Wenn sich Prionen in Nervenzellen ansammeln, lockert sich das Hirngewebe schwammartig auf und das die Gehirnzellen verlierent nach und nach ihrean Funktion.
  • HIV-Erkrankung: im Rahmen einer HIV-Erkrankung kann es zu einer HIV-assoziierten Demenz kommen, die durch eine Infektion der Immunzellen im Gehirn verursacht wird, wodurch Nervenzellen absterben.
  • Korsakow-Syndrom: durch langjährigen Alkoholmissbrauch, schwere Kopfverletzungen oder Gehirnentzündungen (Enzephalitis) kann es zu einem Verlust der Nervenzellen im Gehirn kommen, was zu Einbußen der Gedächtnisleistung führt.

Vaskuläre Demenzen

Circa 20 % aller Demenzen sind vaskuläre Demenzen und werden durch viele kleine, zum Teil unbemerkte Schlaganfälle ausgelöst, wodurch es zu einer verminderten Durchblutung bestimmter Hirnareale kommt. Man spricht deshalb auch häufig von einer Multi-Infarkt-Demenz.

Mischformen

Mischformen der degenerativen und vaskulären Demenzen sind besonders im zunehmenden Alter häufig und machen die übrigen 10 % der primären Demenzen aus.

Sekundäre Demenzen/Dementielles Syndrom

Sekundäre Demenzen können zahlreiche Ursachen haben. Beispiele hierfür sind Mangelerscheinungen, Blutarmut, Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen), Nierenfunktionsstörungen, Depressionen, Tumore.

Stadien

Die Krankheiten, die eine primäre Demenz auslösen können, beginnen oft schleichend und schreiten über einen Zeitraum von einigen Jahren voran. Im Laufe der Zeit werden immer mehr Nervenzellen im Gehirn permanent abgebaut.

Bei der Alzheimer-Demenz spricht man auch von einem langsam progredienten Verlauf, das bedeutet es kommt zu einer allmählichen, konstanten Verschlechterung der Symptomatik.

Bei vaskulären Demenzen verläuft dieser Abbauprozess in Schüben bzw. stufenförmig. Mit jedem beeinträchtigenden Schlaganfall stirbt immer mehr Gehirnmasse ab. Dazwischen bleibt der Zustand weitgehend konstant. Es können Plateaus von unterschiedlicher Dauer auftreten, während denen es zu einem scheinbaren Stillstand der Verschlechterung kommt.

Man unterscheidet im Verlauf von Demenzen drei Schweregrade:

  1. Leichte Demenzen/ „Vergessens-Stadium“: Komplizierte tägliche Aufgaben oder Freizeitbeschäftigungen können nicht mehr durchgeführt werden. Betroffene haben Probleme, sich im Alltag zurechtzufinden, Probleme beim Umgang mit Geld, beim Autofahren oder dem Einhalten von Terminen. Menschen mit einer leichten Demenz leiden oft unter fehlender Spontanität, Depressionen, Antriebsmangel, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen. Eine selbstständige Lebensführung ist eingeschränkt noch möglich.
  2. Mittlere Demenzen/ „Verwirrtheits-Stadium“: Betroffene behalten nur noch einfache Tätigkeiten bei, andere werden nicht mehr vollständig oder unangemessen durchgeführt. Sie sind mehr und mehr auf fremde Hilfe angewiesen und leiden unter Unruhe, Wutausbrüchen und aggressiven Verhaltensweisen.
  3. Schwere Demenzen/ „Hilflosigkeits-Stadium“: Gedankengänge können nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden. Die Abbauprozesse und psychische Probleme nehmen zu. Ein unabhängiges, selbstständiges Leben ist nicht mehr möglich und Betroffene leiden zunehmend an Unruhe, Nesteln, Bettlägerigkeit, Inkontinenz und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus.

Folgen und Folgeerkrankungen einer Demenz

Eine Demenz löst Beeinträchtigungen im Bereich des Denkens und im Bereich des Verhaltens aus, was für Betroffene erhebliche Folgen mit sich bringt.

Depression infolge einer Demenz

Besonders im frühen Stadium einer Demenz erkennen und erleben Betroffene oft selbst, wie sie bestimmte Fähigkeiten verlieren, was Stimmungsschwankungen, Ängste, Unsicherheit, Ratlosigkeit, Verzweiflung und Depression auslösen kann. Als Folge ziehen sich Betroffene immer mehr zurück und vermeiden Situationen, die eine Überforderung darstellen könnten.

Reizüberflutung durch Demenz

Viele Situationen, die für gesunde Menschen Alltag bedeuten, stellen für Demenzerkrankte eine enorme Herausforderung dar. Die Abnahme der Gedächtnisleistung führt zu einer Verlangsamung im Denken. Abstraktes Denkvermögen sowie die Fähigkeit, zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden, geht verloren.

Heimweh als Folge von Demenz

Je weniger Erinnerungen bleiben, desto mehr entsteht ein Gefühl des Verlorenseins für Betroffene. Oftmals wird nach verstorbenen Ehepartnern gefragt oder der Wunsch geäußert, „nach Hause“ zu wollen, obwohl die Person sich zu Hause befindet. Da vVon dem Gedächtnisverlust sind zunächst die jüngsten Erinnerungen betroffen. Im Stadium einer fortgeschrittenen Demenz sind, erinnern sich Betroffene in hilflosen Situationen deshalb oft an Personen, die ihnen viele Jahre zuvor eine Stütze waren.

Kommunikationsschwierigkeiten

Betroffene wollen oft ihre eigenen Defizite nicht wahrhaben. Deshalb werden anfänglich die Symptome verschleiert und überspielt. Antworten auf Fragen oder ganze Geschichten werden erfunden (Konfabulation) oder durch Floskeln ersetzt, oder die Antwort wird aus dem Kontext zusammengereimt. Je weiter die Erkrankung voranschreitet, umso schwieriger wird die Kommunikation. Anfängliche Wortfindungsschwierigkeiten enden schließlich in einer vollständigen Unfähigkeit, Worte zu formulieren oder zu verstehen.

Delir bei Demenz

Ein Delir, kurz für Delirium, ist die häufigste Komplikation bei Demenz. Es handelt sich um eine Bewusstseinsstörung, die akut oder schleichend auftritt und verminderte Konzentration, Störung von Gedächtnis und Orientierung sowie Wahrnehmungsstörungen wie Halluzinationen, große Unruhe und Angst auslöst. Im Unterschied zur Depression wird beim Delir auch das Bewusstsein reduziert. Typisch dafür sind nestelnde Bewegungen der Hände. Beinahe jede Erkrankung kann bei alten Menschen ein Delir auslösen (Beispiele: Ein Delir kann durch Fieber, Sauerstoffmangel, nach Operationen, Infektionen, Störungen des Flüssigkeits-/Elektrolythaushaltes, Alkoholentzug, Medikamentenintoxikation Medikamentenvergiftung oder Stoffwechselstörungen) ausgelöst werden. Es handelt sich um eine behandlungsbedürftige und lebensbedrohliche Situation für Betroffene, weil die Belastung eine Gefahr für das Herz-Kreislauf-System darstellt. Eine besondere Gefahr ergibt sich für Demenzkranke, weil sich die Symptome von Demenz und Delir stark ähneln und eine Diagnose deshalb nur schwer früh genug gestellt werden kann.

Verlust der Selbständigkeit

Mit der Abnahme der Gehirnfunktionen benötigt die demenzerkrankte Person immer mehr Hilfe von anderen. Oftmals wird dabei nicht mehr miterlebt, warum für bestimmte, bisher selbstverständliche Vorgänge wie das Waschen und Ankleiden fremde Personen zuständig sind, was Panik, Wut, Hilflosigkeit und Angst auslösen kann.

Risikofaktoren für Demenz

Unbeeinflussbare Risikofaktoren für Demenz

  • Alter: Das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz oder vaskulären Demenz zu erkranken, steigt mit dem Alter exponentiell an.
  • Leichte Kognitive Störung (Mild Cognitive Impairment, MCI): definiert als subjektive, objektivierbare, kognitive Leistungsverschlechterung bei erhaltener Alltagskompetenz. Liegt diese vor, ist das Risiko für eine Demenz erhöht.

Häufigkeit der Demenz in Abhängigkeit vom Alter (Gatterer, Croy: „leben mit demenz“, 2005)

Beeinflussbare Risikofaktoren für Demenz

Faktoren, die Arteriosklerose/Schlaganfälle begünstigen als Risiko für Demenz

Grundsätzlich gelten alle Faktoren, die das Risiko für einen Schlaganfall ansteigen lassen, auch für eine vaskuläre Demenz, weil sich diese als Folge vieler kleiner Schlaganfälle einstellen kann. Dazu gehören:

  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): schädigt direkt die Gefäßinnenwände
  • Fett- und kalorienreiche Nahrungsmittel: diese führen zu erhöhten Cholesterinwerten und Übergewicht
  • Mangelnde Bewegung: kann zu erhöhtem Blutdruck, einem schlechteren Cholesterinstoffwechsel sowie Übergewicht führen
  • Nikotinkonsum: Rauchen fördert die Bildung von Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden, die instabil sind und abbrechen können und das Thromboserisiko erhöhen.
  • Diabetes mellitus: chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße

Diese müssen über einen langen Zeitraum einwirken und besitzen Bedeutung bei der Vorbeugung der Erkrankung, jedoch nicht im fortgeschrittenen Stadium.

Alkoholkonsum als Risikofaktor für Demenz

Übermäßiger Konsum von Alkohol kann eine Form der Demenz, das Korsakow-Syndrom, auslösen.

Digitale Demenz

Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab, wodurch Gehirnzellen nicht mehr benötigt werden und teilweise abgebaut werden. Folgen sind Verminderung der Lernfähigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen und Ängste. Studien zufolge neigen Menschen mit einem höheren Bildungsniveau und einem intellektuell anregenden sozialen Netz weniger zur Entwicklung einer Demenz.

Ursachen von Demenz

Alzheimer-Demenz

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Bis heute weiß man nur, dass im Gehirn die für Alzheimer charakteristische Ablagerungen von Eiweiß entstehen, welche scheinbar zu dem fortschreitenden Abbau der Gehirnmasse beitragen.

Vaskuläre Demenz

Die Ursache für eine vaskuläre Demenz liegt in dem Verschleiß der Blutgefäße (Arterienverkalkung, Arteriosklerose) im Gehirn, was zu Durchblutungsstörungen führt. Betroffene Nervenzellen sterben ab, wenn sie zu lange ohne Sauerstoff auskommen müssen.

Sonstige Demenzformen

Demenz kann als Folge unterschiedlicher Vorerkrankungen entstehen. Dazu zählen seltene Krankheiten wie Morbus Parkinson (Lewy-Körperchen-Demenz), Morbus Pick (Frontotemporale Demenz) oder die Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Auch eine Erbkrankheit wie Chorea Huntington, wo ein fehlerhaftes Gen für die Zerstörung der Hirnmasse verantwortlich ist, kann Demenz auslösen.

Sekundäre Demenzen sind Folgeerscheinungen von über 50 Grunderkrankungen, wie Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangelzuständen und chronischen Vergiftungserscheinungen durch Alkohol (Korsakow-Syndrom) oder Medikamente.

Symptome und Anzeichen einer Demenz

Grundsätzlich gilt, je früher eine Demenz bzw. ihre Symptome erkannt werden, desto erfolgreicher kann man ihr entgegenwirken – um den Prozess entweder umzukehren oder aber zu verlangsamen. Zu den Leitsymptomen einer Demenz zählen:

  • Amnesie (Abbau der Gedächtnisleistungen im Lang- und Kurzzeitgedächtnis)
  • Aphasie (Sprachstörungen, Verständnisstörung)
  • Apraxie (Unfähigkeit, erlernte Tätigkeiten auszuführen)
  • Agnosie (Unfähigkeit, Dinge zu erkennen)
  • Abnahme intellektueller Fähigkeiten, des abstrakten Denkens und des Urteilsvermögens, die Kritikfähigkeit ist beeinträchtigt

Die Beeinträchtigung des Verstandes ist abhängig vom Schweregrad und der Ursache der Erkrankung. Je nachdem, welcher Teilbereich des Verstandes betroffen ist, kann es außerdem zu folgenden Auffälligkeiten im Verhalten kommen:

  • Nachlassen von Seh- und Hörfähigkeit
  • Realitätsverlust – Leben in einer subjektiv erlebten Welt
  • Schwierigkeiten bei der Impulskontrolle und der Kontrolle von Emotionen
  • Orientierungsunfähigkeit
  • Schlafstörungen
  • Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus
  • Verbal oder physisch aggressives Verhalten
  • Fassadäres Verhalten (Fassade aufrechterhalten)
  • Depressive Verstimmungen
  • Antriebslosigkeit
  • Gangstörungen, Sturzneigung
  • Motorische Störungen: Vergessen von Bewegungsabläufen, die zu Gangstörungen und Sturzneigung sowie Schluckstörungen führen kann
  • Schluckstörungen, Mangelernährung (z.B. durch Vergessen von Mahlzeiten und mangelndem Überblick über eine ausgewogene Ernährung)
  • Harn- und Stuhlinkontinenz

Wie können Sie einer Demenz vorbeugen?

Die Therapie von Demenzerkrankungen ist heute nur eingeschränkt möglich. Frühzeitige präventive Maßnahmen sind deshalb besonders sinnvoll, weil besonders altersabhängige Demenzformen und Demenzformen wie etwa die alkoholische Demenz (Korsakow-Syndrom) durch externe, den Lebensstil betreffende Faktoren bedingt sind.

Altersaufschub gegen Demenz

Die Häufigkeit von Demenz nimmt im Laufe des Alters exponentiell zu. Wenn ein Aufschub des Erkrankungsalters von fünf Jahren erreicht werden kann könnte (d.h. ein Risikopatient würde im Rahmen einer Prävention erst fünf Jahre später krank als ohne präventive Maßnahmen) kann könnte der Anteil der demenzkranken Personen halbiert werden. Derzeit ist jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen, mit welchen Maßnahmen ein solcher Erfolg erzielt werden kann.

Gesunde Lebensführung als Vorsorge gegen Demenz

Wissenschaftlich gesichert ist nur die Vorbeugung gegen vaskuläre Demenz, die in Vermeidung der Risikofaktoren besteht:

  • Sorgen Sie für eine ausgewogene, gesunde Ernährung.
  • Vermeiden Sie Rauchen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, um den Stoffwechsel anzuregen und Übergewicht vorzubeugen.
  • Lassen Sie regelmäßig Ihre Blutfettwerte und Blutzuckerwerte sowie Ihren Blutdruck kontrollieren, um bei Schwankungen ggf. mit Medikamenten für eine gesunde Stoffwechsellage sorgen zu können.

Weitere Möglichkeiten, Demenz vorzubeugen, sind:

  • Vermeiden Sie übermäßigen und regelmäßigen Verzehr von Alkohol.
  • Vermeiden Sie Vitaminmangel – insbesondere Vitamin B6, B12 und Folsäure, welche eine positive Auswirkung auf kognitive Leistungsfähigkeit haben.
  • Sorgen Sie für ausreichend geistige Aktivität, indem Sie stets dafür offen bleiben, Neues zu lernen.
  • Pflegen Sie soziale Kontakte.
  • Trainieren Sie Ihr abstraktes und logisches Denkvermögen mit Rechenaufgaben oder Logikrätseln.
  • Kognitive Trainingsprogramme, bei denen gefährdete oder betroffene Fähigkeiten gezielt trainiert werden.
  • Sorgen Sie für einen gesunden und erholsamen Schlafrhythmus.

Therapie

Je besser man die Ursache und das Stadium der Erkrankung kennt, umso besser lassen sich die Behandlungsmethoden abstimmen. Demenz muss außerdem abgegrenzt werden von physiologischen Abbauprozessen im Alter und von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Krankheitszeichen, um eine Behandlung zu ermöglichen.

Therapeutische Maßnahmen können derzeit den Krankheitsprozess verlangsamen, bei manchen Demenzarten stoppen und in einer kleinen Zahl von Fällen auch vorübergehend Verbesserungen bewirken. Eine Behandlung kann aus Medikamenten, psychologischen und psychosozialen Verfahren sowie Interventionen, die verhaltenstherapeutisch orientiert sind, bestehen.

Ist Demenz heilbar?

Ein demenzielles Syndrom (sekundäre Demenz) aufgrund einer organischen Krankheit oder Stoffwechselstörung ist komplett reversibel, das heißt, die Krankheitssymptome bilden sich zurück, wenn die Grunderkrankung (z.B. organische Ursache) behandelt wird.

Alle anderen Formen der Erkrankung sind nicht heilbar und führen über Monate bis Jahre zur vollkommenen Hilflosigkeit mit Pflegebedürftigkeit und Versterben des Betroffenen.

Medikamentöse Behandlung bei Demenz

Nur wenige Medikamente sind bisher zur Behandlung der Hauptsymptome von Demenz zugelassen. Sie sollen den Krankheitsverlauf verlangsamen und können bei leichter bis mittelschwerer Demenz eingesetzt werden.

Sogenannte Mittel gegen die Vergesslichkeit (Antidementiva) können Gedächtnisstörungen lindern oder stabilisieren und so das Fortschreiten der Erkrankung um einige Monate verzögern, Gehirnfunktionen stabilisieren und zu einer Verbesserung der Alltagsfähigkeiten beitragen. Oft haben die Arzneimittel auch eine sedierende Wirkung, um Unruhe, Ängste und Erregungszustände zu bekämpfen.

Beispiele: Donepezil, Galantamin, Rivastigmin, Ginkgo biloba, Zopiclon, Laif900 und Memantine.

Nicht-medikamentöse Behandlung und Betreuung bei Demenz

Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie von Demenzkranken ist Förderung des Geistes durch therapeutische Maßnahmen und Strukturierungen des Lebensalltags.

  • Biographiearbeit: Verarbeitung von existentiellen Lebenserfahrungen durch z.B. ein Erinnerungsalbum
  • Tages-/Wochenstrukturierung: durchgeplante Tagesrituale (vom Aufstehen bis Schlafengehen), die keine Leerräume zulassen, sondern ständig für eine Form der Beschäftigung sorgen
  • Ernährung spielt hier eine wichtige Rolle und kann als Teil der Beschäftigung angesehen werden.
  • Kurzaktivierungen bestehen darin, kurze Beschäftigungen von z.B. 10-minütiger Dauer anzubieten, die häufig und wiederholt in den Alltag integriert werden
  • Milieugestaltung: weil Demenzkranke sich ihrer Umgebung oft nicht mehr anpassen können und nicht mehr lernen können sich an einem neuen Ort wie einem Pflegeheim zu orientieren, muss die Umgebung ihren Bedürfnissen angepasst werden, damit sie sich heimisch fühlen können (Beispiele: Bücher, Strickzeug, Musikinstrumente, Gesellschaftsspiele, Gewürzregale, Vitrinen, Handtaschen, Geschirrtücher, …) Die angepasste Umgebung soll den Patienten ihre früheren Gewohnheiten ermöglichen und den jeweiligen Vorlieben entsprechen.
  • Sogenannte Demenzdörfer sind Einrichtungen, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken angepasste Pflegeeinrichtungen darstellen
  • Validation: eine Methode, um mit desorientierten Menschen zu kommunizieren, indem Erzähltem besondere Wertschätzung entgegengebracht wird, und sich der Betroffene bestätigt fühlt
  • Dementia Care Mapping (DCM): Beobachtung und Dokumentation von einer dementen Person oder einer Gruppe von Demenzkranken und ihren Verhaltensweisen, Interaktion, Mimik und Gestik. Dabei werden die Personen in Kategorien eingeteilt, welche als Handlungsanleitungen für den Umgang mit ihnen dienen können, der auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
  • Snoezelen: dient der Verbesserung der Sinneswahrnehmung und der Entspannung und wird meist mit Hilfe von Musik, Lichteffekten, leichten Vibrationen und angenehmen Gerüchen etc. in eigens dafür eingerichteten Räumen durchgeführt.

Integriertes therapeutisches Konzept (nach Sonntag, von Reibnitz: „Versorgungskonzepte für Menschen mit Demenz“, 2014)

Ernährung bei Demenz

Neben der Ernährung als Teil einer täglichen Beschäftigungstherapie gibt es einige Nahrungsbestandteile, die sich positiv auf die Gedächtnisleistung auswirken können.

  • Vitamine B6, B12 und Folsäure: können sich positiv auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken
  • Galaktose: noch nicht wissenschaftlich erwiesen, doch erste Studien weisen darauf hin, dass sich Galaktose positiv auf die Gedächtnisleistungen auswirken kann. Galaktose ist quasi ein Schwesternzucker der Glukose und kann im Gegensatz zu Glukose unabhängig von Insulin in die Zellen, u.a. des Gehirns gelangen und dort Energie zuführen.

Lebenserwartung bei Demenz

Wie lange man nach der Diagnose „Demenz“ noch leben kann, hängt ganz davon ab, in welchem Alter die Demenz ausbricht, welche Form der Demenz vorliegt und wie schnell einzelne Stadien durchlaufen werden. Die fortgeschrittene Demenz ist jedoch selten die Todesursache, sondern vielmehr damit einhergehende körperliche Erkrankungen – und das Altern selbst, vor allem, wenn die Demenz erst im höheren Alter erstmals auftritt. Verbindliche Angaben oder Statistiken für die Lebenserwartung von Demenzkranken existieren deshalb nicht.

Prominente

Lothar Späth

13 Jahre stand er an der Spitze der CDU in Baden-Württemberg, ehe er 1991 aufgrund einer Affäre zurücktrat. Inzwischen ist der 78-Jährige CDU-Politiker an Demenz erkrankt und lebt seitdem in einem Pflegeheim.

Margaret Thatcher

Die ehemalige Premierministerin von Großbritannien erlitt mehrere Schlaganfälle. 2008 wurde bekannt, dass sie unter Demenz leidet.

Ronald Reagan

1994 erklärte Reagan öffentlich, an Alzheimer-Demenz erkrankt zu sein. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten starb 10 Jahre später an den Folgen einer Lungenentzündung.

Harald Juhnke

Jahrelanger Missbrauch von Alkohol lösten bei dem deutschen Schauspieler das Korsakow-Syndrom aus – eine Form der Demenz. Seitdem lebte er in einem Pflegeheim, wo er 2005 im Alter von 75 Jahren verstarb.

Karlheinz Böhm

Der österreichische Schauspieler, der unter anderem durch seine Rolle in der Sissi-Verfilmung bekannt wurde, ist im Alter von 86 Jahren an Alzheimer erkrankt.

Selbsttest

  • Vergessen Sie oft, wo Sie bestimmte Gegenstände abgelegt haben?
  • Wissen Sie in der Regel, was sich vor einem Tag oder einer Woche ereignet hat?
  • Wissen Sie manchmal nicht, ob Sie den Herd ausgeschaltet habe und müssen häufiger zurückgehen, um es zu kontrollieren?
  • Fällt es Ihnen schwer, neue Dinge zu erlernen?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, Freunde oder Verwandte wiederzuerkennen?
  • Finden Sie es schwierig, einfache Dinge wie ein Fernsehprogramm zu verstehen und zu verfolgen?
  • Haben Sie manchmal Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden?
  • Wenn Sie jemandem etwas erzählen, verlieren Sie oft den roten Faden?
  • Vergessen Sie manchmal Ihr eigenes Geburtsdatum?
  • Bringen Sie manchmal selbstverständliche Dinge völlig durcheinander?
  • Wiederholen Sie sich häufig?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, sich in vertrauten Umgebungen zurecht zu finden oder den Weg zu finden?
  • Haben Sie Probleme damit, einfache Rechenaufgaben zu lösen?

Quellen

Gatterer, Gerald, and Antonia Croy. Leben mit Demenz: Praxisbezogener Ratgeber für Pflege und Betreuung. Springer-Verlag, 2005.

Haberstroh, Julia, Katharina Neumeyer, and Pantel Johannes. Kommunikation bei Demenz: Ein Ratgeber für Angehörige und Pflegende. Springer-Verlag, 2011.

Karrer, Dieter. Der Umgang mit dementen Angehörigen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009.

Kojer, Marina, and Martina Schmidl. “Demenz und palliative Geriatrie in der Praxis.” Wien: Springer (2011).

Schloffer, Helga, Irene Gabriel, and Ellen Prang. 23 Stundenkonzepte für Menschen mit Demenz: werteorientierte Gruppenarbeit-Validierende Aktivierung©. Springer-Verlag, 2014.

Schmidt, Simone, and Martina Döbele. Demenzbegleiter: Leitfaden für zusätzliche Betreuungskräfte in der Pflege. Springer-Verlag, 2013.

Sonntag, Katja, and Christine Von Reibnitz. Versorgungskonzepte für Menschen mit Demenz. Springer, Berlin, Heidelberg, 2014.

Stoffers, Tabea. Demenz Erleben: Innen-und Außensichten Einer Vielschichtigen Erkrankung. Springer-Verlag, 2016.

Abendzeitung München Zugriff am 30.12.2016.