Eine Organtransplantation kann schwerkranken Menschen das Leben retten oder in vielen Fällen die Lebensqualität deutlich verbessern.

Seit der ersten Organspende im Jahr 1963 konnten in Deutschland bereits über 100.000 Leben durch Organspenden gerettet werden.

Organspende: bis zu welchem Alter kann man eine Lebendspende machen? Gibt es eine Altersbeschränkung bei der postmortalen Spende?

Für eine Organspende ist es nicht so wichtig, wie alt eine Person ist. Viel wichtiger ist das sogenannte biologische Alter des Organs. Dieses muss anhand des Gesundheitszustandes des Verstorbenen ermittelt werden, bevor entschieden werden kann, ob das Organ für eine Organspende geeignet ist.

  • Gewebe wie die Augenhornhaut oder Knochen können ohne Altersbegrenzung gespendet werden.
  • Sehnen und Bänder können aufgrund des Verschleißes nur bis zum Alter von 65 Jahren gespendet werden,
  • Haut bis zu einem Alter von 75 Jahren.

Wie wird festgestellt, ob ich auch wirklich tot bin, bevor mir Gewebe entnommen wird?

Die Feststellung des Todes, also des irreversiblen Hirnfunktionsausfalles, ist eine Grundvoraussetzung für eine Organentnahme.

Die Feststellung erfolgt in drei Stufen:

  • Nachweis einer Hirnschädigung und Ausschluss reversibler Ursachen
  • Feststellung der Bewusstlosigkeit, Abwesenheit aller Hirnstammreflexe und Spontanatmung
  • Nachweis der Irreversibilität

Dies muss unabhängig durch zwei Ärzte erfolgen, die

  • weder an der Entnahme,
  • noch an der Übertragung der Organe beteiligt sein dürfen,
  • noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen.

Warum sind Organspenden wichtig?

Noch immer warten mehr als 10.000 schwerstkranke Menschen in Deutschland auf eine Organtransplantation. Die Zahl der Spender im Jahr 2016 war nur etwa ein Zehntel mal so groß.

Damit auch die übrigen 9 von 10 Wartelistenpatienten eine Chance auf ein passendes Organ haben, ist es wichtig, das Bewusstsein für eine Organspende zu schärfen. Jeder Mensch wird dazu aufgerufen, sich über das Thema zu informieren und seine Entscheidung darüber in einem Organspendeausweis festzuhalten.

Ein JA im Ausweis kann ein JA für ein anderes Leben bedeuten.

Ablauf einer Organspende

Lebendspende

Bestimmte Organe wie zum Beispiel die Niere oder Teile der Leber können bereits zu Lebzeiten gespendet werden. Das verbleibende Organ kompensiert bei einem gesunden Menschen den Ausfall.

Damit man ein Organ spenden darf, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Freiwilligkeit: Die Einwilligung zur Lebendspende muss freiwillig erfolgen.
  • Verbundenheit: Eine Lebendspende ist nur unter nahen Verwandten oder einander persönlich eng verbundenen Personen zulässig.
  • Volljährigkeit: Der Spender muss volljährig und einwilligungsfähig sein.

Sind diese Bedingungen erfüllt (dies wird durch eine Lebendspendekommission geprüft), kann die Organtransplantation durchgeführt werden.

Postmortale Spende

Die meisten Organe werden postmortal gespendet. Das bedeutet, sie können verstorbenen Spendern entnommen werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Einwilligung: durch den Verstorbenen oder stellvertretend seine Angehörigen
  • Todesfeststellung: nach den Richtlinien der Bundesärztekammer

Die postmortale Organspende wird von der „Deutschen Stiftung Organtransplantation“ (DSO) koordiniert und organisiert.

  1. Todesfeststellung durch zwei Ärzte: Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls ist die medizinische Voraussetzung für eine Organspende.  Mit dieser Diagnose wird der naturwissenschaftlich-medizinische Tod eines Menschen festgestellt.
  2. Begleitung der Angehörigen: Ob der Verstorbene seinen Willen zur Organspende z.B. in einem Organspendeausweis dokumentiert oder mündlich mitgeteilt hat, klärt in den meisten Fällen der behandelnde Arzt mit den Angehörigen. Ist keine Entscheidung bekannt, werden die Angehörigen  gebeten, eine Entscheidung nach dem vermuteten Willen des Verstorbenen oder nach eigenen Wertvorstellungen zu treffen. Die Gespräche werden gemäß dem TPG ergebnisoffen geführt.
  3. Schutz der Organempfänger: Identifizierung von Blutgruppe und Gewebemerkmalen sowie Durchführung aller notwendigen Untersuchungen zur Verhinderung von Krankheitsübertragungen
  4. Fortsetzung der Intensivtherapie:Liegt eine Einwilligung zur Organspende vor, werden bei dem Verstorbenen die intensivmedizinischen Maßnahmen bis zum Zeitpunkt der Entnahme fortgeführt, damit die Funktion der Organe für die späteren Empfänger erhalten bleibt.
  5. Meldung an Eurotransplant: Für die Vermittlung wichtige medizinische Daten des Spenders werden an die Vermittlungsstelle Eurotransplant weitergeleitet. Dort wird mittels eines Computerprogramms der am besten passende Empfänger ermittelt. Die Vermittlung erfolgt nach Richtlinien, die von der Bundesärztekammer erlassen werden.
  6. Organentnahme: Bei der Organentnahme ist der respektvolle Umgang mit dem Spender oberstes Gebot. Die Organspende erfolgt unter den gleichen Bedingungen wie jede andere  Operation. Die Ärzte verschließen die Operationswunde sorgfältig und übergeben den Spender in würdigem Zustand. Die Angehörigen können sich nach der Organentnahme in gewünschter Weise von dem Verstorbenen verabschieden
  7. Organtransport
  8. Transplantation
  9. Betreuung der Angehörigen:Im Anschluss an die Organspende werden die Angehörigen auf Wunsch über die Transplantationsergebnisse in einem Brief informiert. Auch nach einer Spende können sich Angehörige mit ihren Fragen immer wieder an die DSO wenden. Viele von ihnen nutzen zudem das Angebot der sogenannten Angehörigen treffen, bei denen Familien von Organspendern unter psychologischer Begleitung eine Austauschmöglichkeit finden.

Wissenswertes zu Organen und Organspende

Welche Organe kann man spenden?

  • Niere,
  • Leber,
  • Herz,
  • Lunge,
  • Dünndarm

können von einem verstorbenen Spender auf einen Empfänger übertragen werden.

Lebertransplantation

Ohne eine neue Leber können Patienten mit chronischem oder akutem Leberversagen nicht überleben. Der häufigste Grund dafür ist die alkoholische Leberzirrhose.

Aufgrund der besonderen Anatomie der Leber kann ein Teil einer gesunden Leber auch zu Lebzeiten gespendet werden (Teilleber-Lebendspende). Außerdem kann eine postmortale Leberspende bei Bedarf auf zwei Empfänger aufgeteilt werden (Splitleber).

Eine Besonderheit ist die sogenannte Dominotransplantation. Bei einer Dominotransplantation wird ein Spenderorgan transplantiert und wiederum das Organ des Empfängers an einen weiteren Empfängers transplantiert.

Bei einer Stoffwechselfehlfunktion der Leber (Amyloidose), werden über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten innere Organe geschädigt. Ohne eine gesunde Leber kann ein betroffener Patient nicht überleben. Seine eigene Leber ist jedoch trotz des Defekts funktionell und kann einem Wartelistenpatienten in höherem Alter noch einige gesunde Jahre bescheren.

Herztransplantation

Kardiomyopathie, mit traditionellen therapeutischen Maßnahmen nicht verbessern lässt, ist eine Herztransplantation oft die einzige Lösung.

Nierentransplantation

Das Nierenversagen, z.B. durch insulinabhängige Diabetes mellitus, ist der häufigste Grund für eine Nierentransplantation. Bis ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, muss die Zeit mit einer regelmäßigen Dialyse überbrückt werden.

Lunge

Eine Lunge wird dann transplantiert, wenn ein endgültiges Lungenversagen vorliegt und man ohne die Gabe von Medikamenten oder Beatmungshilfen nicht mehr überleben kann.

Im Falle von speziellen Erkrankungen des Herzens, die zu einem chronischen Bluthochdruck in der Lunge führen, werden Herz und Lunge gleichzeitig in den gleichen Empfänger transplantiert (Herz-Lungen-Transplantation).

Pankreas (Bauchspeicheldrüse)

Die Ursache von Typ-I-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung in der Bauchspeicheldrüse, bei der in diesem Fall kein oder nicht ausreichend Insulin von der Bauchspeicheldrüse produziert werden kann. Patienten mit Typ-I-Diabetes können mit einer neuen Pankreas geheilt werden.

Ist die Niere eines solchen Patienten bereits geschädigt, kann eine kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation notwendig sein.

Dünndarmtransplantation

Wer lebenslang auf eine Ernährung durch Dauerinfusion angewiesen ist, kann auf die Warteliste für eine Dünndarmtransplantation aufgenommen werden. Diese sind bislang ausgesprochen selten – im Jahr 2016 wurden nur vier solcher Transplantationen durchgeführt.

Transplantation von Gewebe

Neben Organen können auch verschiedene Gewebe transplantiert werden. Dazu zählen die

  • Augenhornhaut,
  • Knochen,
  • Sehnen und Bänder,
  • Haut,
  • Eihaut der Fruchtblase sowie
  • Herzklappen und
  • Blutgefäße.

Gewebstransplantationen sind mit weniger Komplikationen verbunden als die Transplantation von Organen und werden deshalb häufiger durchgeführt. Aufbereitetes Gewebe kann über lange Zeiträume (Wochen bis Jahre) gelagert werden und bei Bedarf als Spende dienen.

Organspende im Islam

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat in seiner Stellungnahme zur Organtransplantation geäußert, dass das deutsche Transplantationsgesetz von 1997 mit dem islamischen Prinzip vereinbar ist und eine Organspende als solche erlaubt ist.

Der Entschluss wurde geknüpft an die Voraussetzung, dass die Spende der Erhaltung des Lebens dient. Weitere Voraussetzungen ähneln den aktuellen Gesetzeslagen in Sachen Zustimmung des Spenders oder der Angehörigen und Feststellung des Todes.

Organspende im Christentum

Das Christentum hat sich im Jahre 1990 im Rahmen der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland klar für die Organspende ausgesprochen.

Aus christlicher Sicht handelt es sich bei der Organspende um ein Zeichen der Nächstenliebe und der Solidarisierungmit Kranken und Behinderten. Das Leben des Menschen wird als Geschenk Gottes gesehen und ist zu achten und schützen. Es ist ethisch verantwortlich, anderen Menschen zu helfen – selbst wie im Falle der Organspende bis über den Tod hinaus.

Organspende: bis zu welchem Alter kann man eine Lebendspende machen? Gibt es eine Altersbeschränkung bei der postmortalen Spende?

Für eine Organspende ist es nicht so wichtig, wie alt eine Person ist. Viel wichtiger ist das sogenannte biologische Alter des Organs. Dieses muss anhand des Gesundheitszustandes des Verstorbenen ermittelt werden, bevor entschieden werden kann, ob das Organ für eine Organspende geeignet ist.

  • Gewebe wie die Augenhornhaut oder Knochen können ohne Altersbegrenzung gespendet werden.
  • Sehnen und Bänder können aufgrund des Verschleißes nur bis zum Alter von 65 Jahren gespendet werden,
  • Haut bis zu einem Alter von 75 Jahren.

Wie wird festgestellt, ob ich auch wirklich tot bin, bevor mir Organe entnommen werden?

Die Feststellung des Todes, also des irreversiblen Hirnfunktionsausfalles, ist eine Grundvoraussetzung für eine Organentnahme.

Die Feststellung erfolgt in drei Stufen:

  • Nachweis einer Hirnschädigung und Ausschluss reversibler Ursachen
  • Feststellung der Bewusstlosigkeit, Abwesenheit aller Hirnstammreflexe und Spontanatmung
  • Nachweis der Irreversibilität

Dies muss unabhängig durch zwei Ärzte erfolgen, die

  • weder an der Entnahme,
  • noch an der Übertragung der Organe beteiligt sein dürfen,
  • noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen.

Welchen Inhalt hat das Organspendegesetz?

Das deutsche Transplantationsgesetz regelt seit dem 1. Dezember 1997 die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen, die nach dem Tod oder zu Lebzeiten gespendet werden.

Ziel des Gesetzes ist es, Missbrauch zu verhindern und Spender und Empfänger rechtlich abzusichern. Es stellt sicher, dass Organe nach ihrer medizinischen Notwendigkeit an Empfänger verteilt werden und sorgt damit für Transparenz und Chancengleichheit.

Das Gesetz sieht vor, dass jeder selbst über eine potentielle Organspende entscheiden soll, und die Entscheidung schriftlich, z.B. in einem Organspendeausweis, festhalten soll (Entscheidungslösung).

Wie wird man Organspender?

Zum Organspender können Sie werden, indem Sie im Laufe Ihres Lebens einer Organspende schriftlich zustimmen.

Am einfachsten geht das in einem Organspendeausweis, wo einer Organspende oder auch nur der Entnahme bestimmter Organe zugestimmt, aber auch widersprochen werden kann.

Die Entscheidung über eine „Entnahme der Organe nach dem Tod zu Transplantationszwecken“ kann auch in eine Patientenverfügung aufgenommen werden. 

Ist keine eigene Entscheidung bekannt oder dokumentiert, so werden die Angehörigen um eine Entscheidung gemäß dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gebeten.

  • Deutsche Stiftung für Organspende 
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • Ahlert Marlies, Schwettmann Lars. “Einstellung der Bevölkerung zur Organspende.” Gesundheitsmonitor (2011): 193-213.
  • Ethikrat, Deutscher. “Hirntod und Entscheidung zur Organspende.” Stellungnahme, Berlin (2015).
  • Fischer, Nils. “Organspende und Transplantationsmedizin.” spectrum 3 (2013): 34.
  • Mauer, Dietmar, et al. “Organspende in Deutschland.” Intensivmedizin und Notfallmedizin 40.7 (2003): 538-548.
  • Nadeem Elyas (26.April 2006, Kassenärztliche Vereinigung Berlin) Der Wert des Lebens, Ethische Grenzen in der Medizin. Islamische Sicht. 2012
  • Rechtsprechung der Islamischen Organisation für die Medizinische Wissenschaft vom 22.-24.05.1995 in Kuwait
  • Rechtsprechung der islamischen wissenschaftlichen Gutachter in Al-Azhar Kairo 2011
  • Richtlinien des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesärztekammer zur Feststellung des Hirntodes – Dritte Fortschreibung 1997 mit Ergänzungen gemäß Transplantationsgesetz (TPG) Dt. Arztebl. 1998; 95(30): A 1861-1868
  • Zentralrat der Muslime in Deutschland. Organ- und Gewebespende aus islamischer Sicht. 2013.