Das Telefon klingelte gegen 21 Uhr. Ich hob ab, obwohl ich die Nummer nicht kannte. Mir schwante aber Böses. Und genauso war es auch. Mein Sohn war mit dem Motorrad verunglückt. Er war mit einem Reisebus kollidiert. In solchen Situationen geht es nicht um Schuld oder Unschuld, es geht nur darum, wie schwer die Verletzungen eines Angehörigen sind.

Als alleinerziehender Vater sind die Bindungen zum eigenen Sohn natürlich noch viel größer. Schließlich habe ich ihn allein aufgezogen und jetzt – nach 17 Jahren – soll er wegen eines Unfalls sterben? Oh Gott, nein!

Ich raste sofort ins Krankenhaus. Mein Sohn war auf der Intensivstation, angeschlossen an Instrumente und Inkubatoren. Die Schwester sagte zu mir: “Er hat viel Blut verloren.” Zu viel wahrscheinlich, denn er musste operiert werden. Seine seltene Blutgruppe war aber nicht lagernd. So konnten sie nur warten. Ich hielt es fast nicht aus, durfte nicht zu ihm, er war auch bewusstlos. So lief ich den Gang auf und ab, ging hin und wieder ins Freie, um eine Zigarette zu rauchen. Schließlich kam aber die Schwester auf mich zu. An ihrem Gesichtsausdruck merkte ich, dass nicht alles verloren war.

Sie sagte: “Wir haben Spenderblut gefunden, zufällig war jemand mit der Blutgruppe ihres Sohnes letzte Woche bei der Blutspendeaktion.” So konnten sie die Operation beginnen. Mein Sohn ist heute wohlauf, den Blutspender kenne ich nicht, aber ich werde ihm ein Leben lang dankbar sein.