In Büchern und Filmen geht es beim Leben retten meist recht dramatisch zu – Schusswechsel, Explosionen, rasante Verfolgungsfahrten… Beschränken Sie sich nicht länger darauf, sich in die Rolle des Superhelden zu träumen und werden Sie zum echten Lebensretter: Gehen Sie zur Blutspende und regen Sie auch ihre Freunde, Verwandten und Kollegen dazu an! Teilen Sie diesen Beitrag in den sozialen Netzwerken und berichten Sie von Ihren positiven Erfahrungen als Blutspender und Lebensretter!

Warum ist Thrombozyten spenden wichtig?

Im Jahr 2015 wurden deutschlandweit 3,5 Millionen Blutkonserven verwendet, darunter 477.000 Beutel Thrombozytenkonzentrat. Sie haben Menschen das Leben gerettet, die bei Operationen oder Unfällen einen großen Blutverlust erlitten haben, unter chronischen Krankheiten oder Krebserkrankungen, insb. Leukämie, leiden.

Statistisch gesehen kommen 80 % aller Deutschen im Laufe ihres Lebens einmal in eine Situation, wo eine Blutspende erforderlich ist – d.h. wir alle sind auf die Spendenbereitschaft unserer Mitmenschen angewiesen. Sollte es da nicht selbstverständlich sein, selbst zu spenden? Insbesondere, wenn man bedenkt, dass es den Spender nur ein wenig Zeit kostet? Obwohl ca. 1/3 der Deutschen Blut spenden könnten, sind nur 3% als Spender aktiv. Wie steht es mit Ihnen?

Im folgenden Text erfahren Sie

Ablauf der Thrombozytenspende

Die Thrombozytenspende ist eine Sonderform der klassischen Blutspende und daher ist auch das Prozedere weitgehend ähnlich:

Registrierung

Wenn Sie ein Blutspende-Institut aufsuchen, werden Sie zunächst gebeten, sich mit dem Personalausweis zu identifizieren. Bereits registrierte Spender legen dabei auch ihren Blutspendeausweis vor, in dem Blutgruppe und Rhesusfaktor vermerkt sind.

Spender-Fragebogen

Um mögliche Risiken für Spender und Empfänger auszuschließen, werden Sie im Anschluss gebeten, einen ausführlichen Fragebogen auszufüllen. Die abgefragten Risiken betreffen dabei aktuelle und frühere Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Reisen in Risikogebiete sowie individuelles Risikoverhalten. Anschließend wird ein Arzt die Antworten mit Ihnen besprechen. Es kann vorkommen, dass Sie temporär oder auch dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen werden, um ein mögliches Risiko für sich selbst oder den Empfänger zu vermeiden.

Gesundheits-Check

Für einen gesunden Erwachsenen bedeutet eine Blutspende nur eine geringe körperliche Belastung – eine akute Erkrankung allerdings schränkt die Regenerationsfähigkeit des Körpers erheblich ein. Daher erfolgt vor der Blutspende eine ärztliche Untersuchung, die u.a. Puls, Blutdruck und Körpertemperatur überprüft. Für eine Thrombozytenspende ist zudem wichtig, dass das Blut des Spenders eine ausreichend hohe Thrombozytenkonzentration aufweist. Dies wird durch einen Bluttest überprüft.

Blutentnahme & Apherese

Anders als bei der herkömmlichen Blutspende, bei der Vollblut entnommen wird, werden bei einer Thrombozytenspende lediglich bestimmte Blutbestandteile – die Blutplättchen (Thrombozyten) – herausgefiltert. Die Spender liegen dabei bequem in einem Sessel und bekommen eine Kanüle in die Armvene gelegt. Das Blut durchläuft die Apheresemaschine, wo es mit einem Gerinnungsmittel vermischt und zentrifugiert wird. Die Blutplättchen werden dabei mit etwas Blutplasma entnommen, die übrigen Blutbestandteile werden in den Körper zurückgeleitet. Dieser Vorgang dauert 60-120 Minuten, also länger als eine herkömmliche Vollblutspende.

Laboruntersuchung & Konservierung

Thrombozyten sind maximal vier Tage haltbar. Sie müssen bei Raumtemperatur gelagert und ständig bewegt werden – das übernimmt eine spezielle Maschine. Um die Eignung der Spende sicherzustellen, werden umfangreiche Laboruntersuchungen durchgeführt. Dabei wird das Spenderblut insbesondere auf Krankheitserreger getestet.

Ruhepause

Nach der Spende sollten Sie sich 20-30 Minuten entspannen, bevor Sie wieder in den Alltag eintauchen. Trinken Sie etwas und nehmen Sie einen gesunden Snack zu sich, um die Regeneration des Körpers zu fördern! Für den restlichen Tag sollten Sie sich keine anstrengenden Aktivitäten mehr vornehmen: Gehen Sie es entspannt an und genießen Sie das gute Gefühl, ein Lebensretter zu sein!

Was passiert mit den Thrombozyten?

Die bei einer Thrombozytenspende entnommene Mischung aus Blutplasma und Blutplättchen wird zu Thrombozytenkonzentraten verarbeitet. Man spricht dabei auch von thrombozytenreichem Plasma oder plättchenreichem Plasma, abgekürzt PRP. Alternativ können diese auch durch das Zentrifugieren von Vollblutspenden, also deren Aufspaltung in die verschiedenen Blutbestandteile, gewonnen werden. Thrombozytenkonzentrate haben eine nur geringe Lagerungsdauer und müssen bei optimaler Temperatur stets in Bewegung gehalten werden, um ein Verklumpen zu verhindern.

Die moderne Transfusionsmedizin arbeitet nur selten mit Vollblut-Konserven, sondern setzt zumeist gezielt die notwendigen Blutbestandteile ein. Thrombozytenkonzentrate kommen nach gravierenden Unfällen mit großem Blutverlust sowie auch bei Operationen mit großem Blutverlust, bspw. Lebertransplantationen, zum Einsatz. Des Weiteren dienen sie zur begleitenden Therapie bei angeborenen oder erworbenen Erkrankungen, die mit einem Mangel an Blutplättchen einhergehen. Dazu zählen insb. die Leukämie, aber auch Autoimmunkrankheiten wie Morbus Werlhof.

Thrombozytenkonzentrate können in einem weiteren Verarbeitungsschritt zu einem Gel (autologes Plättchengel, APG) werden. Dieses Gel fördert die Wundheilung sowohl chronischer wie auch chirurgischer Wunden und dient der Prophylaxe von Wundheilungsstörungen.

Wissenswertes zu Thrombozyten und Thrombozytenspende (FAQs)

Was genau sind Thrombozyten?

Thrombozyten sind Bestandteile des Blutes, die umgangssprachlich auch als Blutplättchen bezeichnet werden. Sie messen nur 1,5 – 3,0 µm und sind damit die kleinsten Zellen des menschlichen Körpers. Blutplättchen sind scheibenförmig und haben weder Zellkern noch DNA.

Thrombozyten werden im Knochenmark gebildet, sie haben eine Lebensdauer von 8-12 Tagen. 30% des aktuellen ‚Vorrats‘ an Thrombozyten werden in der Milz gelagert, die übrigen 70% davon zirkulieren im Blutkreislauf. Bei gesunden Menschen befinden sich zwischen 150.000 und 380.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut (1 µl = 1 Millionstel eines Liters).

Die wichtigste Funktion der Blutplättchen ist bei der Blutgerinnung (Hämostase): Wenn ein Blutgefäß verletzt istes, heften sich die Thrombozyten an der Verletzungsstelle aneinander und an das Gewebe. So verschließen sie die Wunde und stoppen die Blutung. Dieses Aneinander-Kleben wird durch Gerinnungsfaktoren ermöglicht, die von den Blutplättchen abgegeben werden. Die Blutgerinnung ist wichtig, um den Körper vor übermäßigem Blutverlust zu schützen und das Abheilen von Wunden zu ermöglichen.

Derselbe Mechanismus führt jedoch dazu, dass Blutplättchen auch bei der Entstehung von Arteriosklerose und Herzinfarkt (Verschluss der Herzkranzgefäße) eine Rolle spielen.

Bestimmte Erkrankungen und Medikamente können die Zahl der Thrombozyten senken und so die Blutgerinnung behindern. Insbesondere inneren Blutungen wären die Patienten dann hilflos ausgeliefert. Dazu zählen Krebserkrankungen, vor allem die Leukämie, sowie bestimmte Autoimmunkrankheiten (bspw. Morbus Werlhof), die Einnahme von chemotherapeutischen Medikamenten sowie ein Mangel an Vitamin B12 und/oder Folsäure. Des Weiteren können Operationen am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine die Thrombozyten schädigen und so zu einem Thrombozytenmangel führen. Auch harmlose Infekte können zu einer temporären Veränderung der Thrombozytenzahl im Blut führen, die sich jedoch normalerweise schnell von selbst wieder reguliert.

Blutgruppen und Thrombozytenspende

Bei der Thrombozytenspende ist nicht nur die Abstimmung der Blutgruppe von Spender und Empfänger notwendig (wie bei der traditionellen Blutspende), sondern es müssen auch weitere HLA-Merkmale übereinstimmen. Daher wird für Patienten, die über einen längeren Zeitraum Spenden benötigen, oft eine Liste passender Thrombozytenspender erstellt. Diese werden dann je nach Bedarf kontaktiert und zu einer Spende gebeten.

Die Blutgruppe wird nach dem gebräuchlichen AB0-System bestimmt, welches die spezifische Kombination der auf den roten Blutkörperchen befindlichen Antigene sowie der im Blutplasma enthaltenen Antikörper beschreibt. Man unterscheidet Blutgruppe 0, A, B und AB.

Bei den sog. HLA-Merkmalen handelt es sich um die Ausprägung der Humanen Leukozyten-Antigene, die auf Blutplättchen, weißen Blutkörperchen und weiteren Gewebezellen vorhanden sind. Auch hier ist mit Blick auf das Immunsystem eine genaue Passung notwendig.

Voraussetzungen: Wer darf alles Thrombozyten spenden?

Für eine Thrombozytenspende gelten grundsätzlich dieselben Voraussetzungen wie für eine herkömmliche Vollblutspende. Spenden können gesunde Erwachsene im Alter von 18-72 Jahren:

  • mit einem Mindestkörpergewicht von 50/70 kg
  • mit einem hinreichend hohen Thrombozytenwert im Blut
  • mit guten Venen (um eine problemlose Entnahme sicherzustellen)
  • die seit 14 Tagen keine Medikamente mit Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS etc.) eingenommen haben
  • die die erforderlichen Wartezeiten nach bestimmten Erkrankungen und Verletzungen, Impfungen, Medikamenteneinnahme und anderen medizinischen Eingriffen sowie Reisen in Risikogebiete erfüllen (die Wartezeiten reichen von 4 Wochen bis zu 1 Jahr)

Viele Institutionen führen eine Thrombozytenspende erst nach einer erfolgreichen Vollblutspende durch. Aufgrund der besonderen Eigenschaften der Thrombozytenkonzentrate werden als Thrombozytenspender in der Regel zuverlässige Menschen mit flexibler Zeiteinteilung gesucht, die bei Bedarf kurzfristig zu Spendeterminen erscheinen können.

Wie oft darf ich Thrombozyten spenden?

Grundsätzlich alle 2 Wochen, maximal 26 x pro Jahr. Siehe unsere Hinweise zu den Spendeabständen -> hier.

Wie steht es mit der Sicherheit, wenn man Thrombozyten spenden möchte?

Spenderschutz wird beim Blutspenden grundsätzlich großgeschrieben! Durch die Voruntersuchung, den Fragebogen sowie die Überprüfung des Thrombozytenwerts im Blut wird sichergestellt, dass Sie eine Spende ohne Gefährdung der eigenen Gesundheit durchführen können. Zudem werden Sie informiert, wenn bei der Laboruntersuchung Hinweise auf mögliche Erkrankungen gefunden werden, so dass Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben können. Die Verwendung von Einweg-Material und der Einsatz erfahrenen Fachpersonals minimiert zudem das Risiko einer Infektion während des Spendens. Als Blutspender erhalten Sie zudem einen Blutspendeausweis, der Blutgruppe und Rhesusfaktor vermerkt – dies spart im Fall eines Unfalls kostbare Minuten für deren Bestimmung und kann Ihnen unter Umständen das Leben retten.

Dieselbe hohe Priorität gilt natürlich für den Empfängerschutz: Durch Fragebogen und Laboruntersuchung wird ausgeschlossen, dass mit Krankheitserregern infiziertes Blut bzw. Blutbestandteile übertragen werden. Selbstverständlich wird auch auf das korrekte Matching von Blutgruppe und HLA-Merkmalen geachtet, um eine Immunreaktion zu vermeiden.

Wie lange dauert eine Thrombozytenspende?

Für eine Thrombozytenspende sollten Sie 60-120 Minuten zuzüglich Vorbereitungszeit für Registrierung, Befragung und Gesundheitscheck einplanen. In der Regel wird für diese Form der Blutspende ein Termin vereinbart, um Wartezeiten zu vermeiden.

Thrombozyten spenden oder Blutspenden? Was sind die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten?

Die wichtigste Gemeinsamkeit von Thrombozyten- und Blutspende: Beide retten Leben! Blut und Blutplättchen sind nicht synthetisch herstellbar, sondern können nur von menschlichen Spendern gewonnen werden. Bei beiden Spende-Arten sorgen Fragebogen, Gesundheits-Check und Laboruntersuchung für den bestmöglichen Schutz von Spender und Empfänger.

Der Hauptunterschied liegt im Spendeverfahren: Bei der traditionellen Blutspende wird Vollblut entnommen, bei der Thrombozytenspende werden nur bestimmte Blutbestandteile – die Blutplättchen – herausgefiltert. Dieses Filtrationsverfahren (Apherese) ist zeitaufwändiger und so dauert die Thrombozytenspende 60-120 min statt nur 10-15 min wie bei der Vollblutspende.

Spendeabstände: wie lange muss ich nach der Thrombozytenspende warten, bis ich Blut/Plasma/Erythrozyten spenden darf? Wie lange muss ich vorher warten?

Wenn Sie über einen ausreichenden Thrombozytenwert im Blut verfügen, können Sie alle zwei Wochen zur Thrombozytenspende gehen. Dabei gilt es, eine maximale Zahl von 26 Spenden pro Jahr (12 Monate) zu wahren. Wird diese Zahl erreicht, sollten Männer maximal zwei zusätzliche Vollblutspenden leisten, Frauen keine.

Nach einer Thrombozytenspende gelten 2 Wochen Wartezeit bis eine Vollblutspende möglich ist und 1 Woche bis zur nächstmöglichen Plasmaspende.

Wenn Sie bereits andere Blutspenden getätigt haben, gilt es nach einer Vollblutspende 2 bzw. 4 Wochen (Männer bzw. Frauen) zu warten, bis eine Thrombozytenspende möglich ist. Nach einer Plasmaspende sollten Sie 1 Woche warten.

Welche Menge an Thrombozyten wird entnommen?

Bei der Spende werden ca. 450 ml Blutplasma mit darin ‚schwimmenden‘ Blutplättchen entnommen. Die entnommenen Blutplättchen bilden sich innerhalb von 72 Stunden wieder nach.

Das fertige Thrombozytenkonzentrat, das für Transfusionen zum Einsatz kommt, misst 200-350 ml mit mehr als 2×1011 Thrombozyten, die in Plasma oder einer synthetischen Lösung ‚schwimmen‘.

Aufwandsentschädigung: Wieviel Geld gibt es für eine Thrombozytenspende?

Welche Aufwandsentschädigung für Blutspenden aller Art geleistet wird, hängt vom jeweiligen Institut ab. Einige Organisationen bieten einen nahrhaften Imbiss als Aufwandsentschädigung: Dieser kann während der Ruhepause direkt nach der Spende genossen werden und fördert die schnelle Regeneration des Körpers. Andere Institutionen nutzen die im deutschen Transfusionsgesetz festgelegte Möglichkeit, auch eine finanzielle Aufwandsentschädigung zu zahlen. Diese liegt bei der Thrombozytenspende höher als bei der herkömmlichen Vollblutspende, in der Regel zwischen 50-100 Euro.

Für viele Spender ist das gute Gefühl, mit einer Blutspende einem anderen Menschen das Leben retten zu können, Lohn genug. Allerdings ist auch die finanzielle Entschädigung, die von einigen Instituten für eine Thrombozytenspende geleistet wird, für viele Menschen ein zusätzlicher Anreiz für das Spenden.

Blutbild – Erklärung. Online-Informationen der Internisten im Netz: www.internisten-im-netz.de (Abruf: 23.7.2013)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013

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https://de.wikipedia.org/wiki/Human_Leukocyte_Antigen